An diesem Tag

Georges Danton

Rechtsanwalt, Politiker zur Zeit der Französischen Revolution

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Georges Jacques Danton (* 26. Oktober 1759 in Arcis-sur-Aube, Département Aube; † 5. April 1794 in Paris) war ein französischer Politiker. Während der Französischen Revolution war er Justizminister und Leiter des ersten Wohlfahrtsausschusses und somit einer der führenden Köpfe der Ersten Französischen Republik. Weil er sich gegen die Fortsetzung der von ihm selbst mitinstallierten Terrorherrschaft aussprach, wurde er 1794 als angeblicher Verschwörer gegen die Revolution hingerichtet.

Danton stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie. Sein Vater war der Steuerbevollmächtigte Jacques Danton, seine Mutter Madeleine war eine geborene Camus. Er war das sechste von sieben überlebenden Kindern der Eheleute. Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater. 1770 heiratete seine Mutter den Besitzer einer Baumwollspinnerei Jean Recordain. Als Junge hatte er zwei Unfälle mit Rindern, von denen er eine gespaltene, wulstige Oberlippe und eine eingedrückte Nase davontrug. Außerdem hatten die Pocken Narben in seinem Gesicht hinterlassen. Er besuchte zunächst die Schule in Sézanne und verließ dann dreizehnjährig sein Elternhaus, um in das Priesterseminar in Troyes einzutreten; zusätzlich nahm er am Schulunterricht der dortigen Oratorianer teil. Im Juli 1775 wanderte er auf eigene Faust nach Reims, um an der Königsweihe Ludwigs XVI. teilzunehmen. 1775 verließ er Schule und Seminar. Was er in den folgenden fünf Jahren tat, ist nicht überliefert.

1780 ging er nach Paris und wurde Schreiber bei einem Anwalt beim parlement. Hier lernte er die Praxis des französischen Rechtswesens kennen und las auch die gängige aufklärerische Literatur seiner Zeit. 1784 legte er in Reims das juristische Examen ab und durfte sich fortan Advokat nennen. Für das Jahr 1788 wird er in den Registern der Freimaurerloge Neuf Sœurs erwähnt, doch ist sein Beitrittsdatum unbekannt und das Ausmaß seiner freimaurerischen Aktivitäten und Kontakte umstritten.

1787 kaufte er dem Anwalt Charles-Nicolas Huet für 68.000 Livres die Klientel und den Titel eines der 73 Rechtsanwälte bei den Conseils du Roi ab. Diese Gerichte entsprachen dem heutigen Kassationshof in Frankreich und dem Conseil d’État. Das Geld musste er sich großenteils leihen, wobei ihm Verwandte aus Arcis und sein künftiger Schwiegervater halfen. Außerdem musste Danton eine weitere juristische Prüfung mit einer lateinisch gehaltenen Rede über ein vorgegebenes Thema ablegen, was ihm im Juli 1787 gelang. Anschließend konnte er sich als Anwalt niederlassen. Bis zum Rückkauf aller gekauften Ämter im Jahre 1791 führte „maitre d’Anton“, wie er sich nun nannte (der eingefügte Apostroph sollte einen Adelstitel suggerieren) 22 Prozesse an den conseils du Roi. Diese Tätigkeit erlaubte ihm und seiner Familie – er hatte im Juni 1787 geheiratet – ein auskömmliches Leben in einer Sechszimmerwohnung in der rue des Cordeliers, nur wenige Häuser entfernt von Jean Paul Marat.

In der Anfangszeit der Französischen Revolution

Im Juli 1789 meldete er sich freiwillig zur Garde nationale im Pariser Distrikt der Cordeliers, zu deren Präsidenten er im Oktober gewählt wurde. Im Januar 1790 übernahm er die Verteidigung Jean Paul Marats, der wegen Aufhetzung gegen „Volksfeinde“ angeklagt wurde, und ermöglichte diesem die Flucht nach England. Deswegen nun seinerseits angeklagt, entging er dem Gefängnis, indem er sich in die commune provisoire wählen ließ, die revolutionäre Stadtregierung von Paris. Nach der Aufhebung der Distrikte 1790 engagierte er sich gemeinsam mit Camille Desmoulins und Marat im radikalen Club des Cordeliers, wenig später begann er, auch den Jakobinerclub zu besuchen.

Danton beteiligte sich nach der misslungenen Flucht des Königs Ludwig XVI. als engagierter Befürworter einer Republik an einer Versammlung auf dem Marsfeld, die am 17. Juli 1791 in einer Unterschriftensammlung den Sturz des Königs sowie die Einführung der Republik forderte. Dabei feuerten Soldaten der Regierung in die Menge. Dies Ereignis wurde als Massaker auf dem Marsfeld bekannt. Als Mitorganisator wurde Danton polizeilich gesucht, entzog sich aber erneut seiner Verhaftung, diesmal durch eine Flucht, zunächst nach Arcis-sur-Aube, dann nach London, von wo er anlässlich der Wahlen zur Gesetzgebenden Nationalversammlung im September 1791 zurückkehrte. Danton wurde als Wahlmann der Pariser Sektion Théâtre Français gewählt. Im selben Jahr wurde er zum Stellvertreter des Staatsanwalts der Kommune von Paris gewählt. Der Historiker Albert Soboul (1914–1982) war überzeugt, dass Danton „vom Hof gekauft“ wurde, er habe aber keine großen Zugeständnisse gemacht.

Beim Sturm auf die Tuilerien und bei der Inhaftierung der königlichen Familie am 10. August 1792 spielte Danton durch schriftliche und mündliche Propaganda eine wesentliche Rolle. Am selben Tag übernahm er den Posten des Justizministers im mehrheitlich girondistischen Exekutivrat, wo er bald eine dominierende Rolle spielte. Während des Ersten Koalitionskriegs trat er für entschlossenen Widerstand gegen die Invasionstruppen ein. Gegen Innenminister Jean-Marie Roland de La Platière setzte er durch, dass die Regierung in Paris blieb und nicht in das sicherer scheinende Gebiet südlich der Loire floh. Am 28. August 1792 warnte er im Parlament, es gäbe „30.000 Verräter in Frankreich“. Als kurz darauf die Gefängnisse gestürmt wurden und im Septembermassaker 1.000 Insassen ermordet wurden, schritt er nicht ein. Laut Madame Roland erklärte er, das Schicksal der Gefängnisinsassen sei ihm vollkommen gleichgültig: „Je me fous bien des prisoniers“. Er rechtfertigte die Morde als notwendig, um den Willen des Volkes zu befriedigen: „Vox populi vox Dei“. Im September 1792 wurde Danton als Abgeordneter für Paris in den Nationalkonvent gewählt, woraufhin er am 9. Oktober sein Ministeramt niederlegte.

Im Nationalkonvent suchte Danton zunächst den Ausgleich zwischen den Parteien, der Bergpartei und den regierenden Girondisten. Diese jedoch versuchten, die Opposition zu vernichten, und erhoben Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen Minister Danton, weshalb er sich der demokratischen Opposition annäherte. An der Debatte darüber, ob der ehemalige König Ludwig XVI. hingerichtet werden sollte, nahm Danton nicht teil, weil er sich auf Truppenbesuch bei General Charles-François Dumouriez in Belgien aufhielt. Bei der Abstimmung im Konvent votierte er für die Todesstrafe.

Am 31. Januar 1793 sprach sich Danton für die Annexion Belgiens und weiterer Gebiete aus: Nach Dumouriez’ Misserfolgen und Verrat rief er wie schon im Jahr zuvor zu verstärkten militärischen Anstrengungen auf. Am 9. März 1793 machte er sich die Forderung mehrerer Sektionen nach einem außerordentlichen Gerichtshof zur Aburteilung feindlicher Agenten im Innern zu eigen: In Anspielung auf die Septembermorde forderte er eine staatlich gelenkte Terrorherrschaft der Bergpartei, um die spontane Gewalt der Sansculotten unter Kontrolle zu bringen:

Am 10. März wurden vom Konvent gegen die Stimmen der Girondisten, die Danton vorwarfen, er strebe nach der Diktatur, die später so genannten Revolutionstribunale beschlossen. Sein weiterer Vorschlag, ein Komitee mit weitreichenden Exekutivvollmachten einzurichten, wurde zunächst zurückgewiesen. Weil Danton kurz zuvor als Abgesandter des Konvents zu Dumouriez geschickt worden war, bezichtigten ihn die Girondisten, mit dem General gemeinsame Sache zu machen; Danton drehte den Vorwurf am 1. April geschickt um und trug so zum Niedergang der Girondisten bei.

Am 6. April 1793 wurde der von Danton vorgeschlagene Wohlfahrtsausschuss schließlich doch eingerichtet, in dem Danton ein dominierendes Mitglied wurde.

Nach dem gewaltsamen Sturz der Girondisten durch die Erhebung der Pariser Sansculotten vom 31. Mai bis 2. Juni 1793 verbündete er sich endgültig mit der Bergpartei. „Ohne die Kanonen vom 31. Mai, ohne den Aufstand, würden die Verschwörer triumphieren“, rief er am 13. Juni 1793 aus. Trotz seiner wirkungsvollen Rhetorik blieben die konkreten Abwehrmaßnahmen von Dantons Wohlfahrtsausschuss kraftlos und ohne große Erfolge. Seine Versuche, durch diplomatische Verhandlungen mit dem britischen Außenminister Lord Grenville eine Lösung der Krise zu finden, scheiterten rasch und trug ihm Verdächtigungen von Cordeliers ein, er werde vom Ausland bezahlt. Gerüchte besagten, er plane, die gefangene Marie-Antoinette freizulassen. Dies führte zum Bruch zwischen Danton und seinen Anhängern und den Cordeliers. Bei der Neuwahl des Wohlfahrtsausschusses am 10. Juli 1793 wurde er nicht wiedergewählt.

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