George Walker Bush [ˈd͡ʒɔɹd͡ʒ ˈwɔːkɚ bʊʃ] , meist abgekürzt George W. Bush [ˈd͡ʒɔɹd͡ʒ ˈdʌbɫ̩juː bʊʃ] (* 6. Juli 1946 in New Haven, Connecticut), ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und war von 2001 bis 2009 der 43. Präsident der Vereinigten Staaten.
Als Sohn des späteren 41. US-Präsidenten George H. W. Bush wurde er in eine einflussreiche Familie hineingeboren. Er bekleidete nach einer Unternehmertätigkeit in der Ölindustrie von 1995 bis 2000 das Amt des Gouverneurs von Texas. Bei der US-Präsidentschaftswahl 2000 wurde er gegen den Demokraten und damals amtierenden Vizepräsidenten Al Gore nach einer umstrittenen Auszählung und Gerichtsentscheidung zum Sieger erklärt und 2004 wiedergewählt.
Als Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September 2001 begann Bush 2001 den Krieg in Afghanistan und 2003 den völkerrechtlich umstrittenen Irakkrieg. Im Rahmen eines umfassend konzipierten „Krieges gegen den Terror“ ließ er zusätzlich – unter weltweiter Kritik – Bürgerrechte im USA PATRIOT Act einschränken und rechtsstaatliche Grundsätze in Ermittlungsverfahren, wie die Ächtung von Folter aussetzen (siehe Guantanamo Bay). Im Sinne einer neokonservativen Außenpolitik identifizierte Bush eine „Achse des Bösen“ von „Schurkenstaaten“, gegen die die Vereinigten Staaten als hegemoniale Weltmacht das westliche, wirtschaftlich und politisch liberale Modell ausbreiten sollten bis hin zu einem militärischen Interventionsrecht (Bush-Doktrin). Bush steigerte die Militärausgaben und das Staatsdefizit erheblich; seine innenpolitische Ausgangsidee des „mitfühlenden Konservatismus“ sorgte für Initiativen wie die No-Child-Left-Behind-Politik oder im Bereich der auswärtigen Beziehungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten (President’s Emergency Plan for AIDS Relief), während er mit Steuersenkungen und Deregulierungsmaßnahmen eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik verfolgte. Bushs Ansehen sank nach hohen Kriegsverlusten, dem Hurrikan Katrina und der Finanzkrise ab 2007, begann sich jedoch nach dem Ende seiner Amtszeit wieder zu erholen.
Familie, Ausbildung und Persönliches
Bush ist Angehöriger einer wohlhabenden und einflussreichen Familie. Laut dem Genealogen Gary Boyd Roberts führt eine Abstammungslinie von George W. Bush zu den Pilgervätern der Mayflower. Einer seiner Vorfahren heiratete eine Urenkelin von Pocahontas. Zudem bestehen verwandtschaftliche Beziehungen zu 16 früheren US-Präsidenten. Sein Großvater war der Wall-Street-Bankier und Senator Prescott Bush. Der als Sohn von Barbara Bush (1925–2018) und George H. W. Bush (1924–2018) geborene George W. wuchs zusammen mit seinen vier jüngeren Geschwistern Jeb, Neil, Marvin und Dorothy in Midland und Houston auf. Eine weitere jüngere Schwester, Robin, verstarb 1953 dreijährig an Leukämie. Sein Bruder Jeb war von 1999 bis 2007 Gouverneur von Florida und 2016 einer der schließlich unterlegenen Präsidentschaftskandidaten in der parteiinternen Vorwahl der Republikaner. George W. Bushs von Freunden wie Gegnern zuweilen verwendeter Spitzname Dubya ist abgeleitet von der in den Südstaaten üblichen verkürzten Aussprache des Buchstabens W (eigentlich Double U). Bushs Vorname und sein Mittelname wurden angelehnt an die entsprechenden Namen seines Vaters (George Herbert Walker Bush) und seines Urgroßvaters (George Herbert Walker).
Bush besuchte von 1961 bis 1964 die Phillips Academy, die auch sein Vater besucht hatte. Anschließend studierte er von September 1964 bis Mai 1968 Geschichte an der Yale University, wo er, ebenfalls wie sein Vater, Mitglied der Vereinigung Skull & Bones und des Studentenbundes Delta Kappa Epsilon war. Im Oktober 1965 wurde er dessen Präsident, wie zuvor ebenfalls sein Vater. 1968 schloss er sein Studium an der Yale-Universität als Bachelor in Geschichte ab. Von 1972 bis 1975 besuchte George W. Bush die Harvard Business School der Harvard University, an der er den Master of Business Administration erwarb. 1977 heiratete er Laura Welch. Ihre Zwillingstöchter Jenna und Barbara wurden am 25. November 1981 geboren.
Im Jahr 1976 wurde Bush wegen Trunkenheit am Steuer in Maine befristet der Führerschein entzogen; wegen einer Alkoholabhängigkeit musste er sich einem strengen Entzug unterziehen. Zehn Jahre später konvertierte er von den Anglikanern zu den Methodisten, um fortan als wiedergeborener Christ völlig auf Alkohol zu verzichten. Mit Jimmy Carter zählt er zu den evangelikalen Präsidenten der Vereinigten Staaten in der jüngeren Vergangenheit.
Bush ist seit 1999 Eigentümer der Prairie Chapel Ranch in der Nähe von Crawford im McLennan County in Texas, auf der er seine Ferien verbrachte und auch Staatsgäste empfing. Er hält sich außerdem oft im Sommersitz seines Vaters Walker’s Point bei Kennebunkport in Maine auf, wo ebenfalls Staatsgäste empfangen wurden.
Wehrdienst in der Nationalgarde und Unternehmertätigkeit
Bush verpflichtete sich 1968 für sechs Jahre bei der Nationalgarde. Bei der Air National Guard in Texas wurde er Leutnant, Pilot und Führer einer Staffel F-102 Delta Daggers. Da die Nationalgarde zu dieser Zeit vorwiegend im Inland eingesetzt wurde, sah sich Bush später mit dem Vorwurf konfrontiert, sich damit einem Einsatz im Vietnamkrieg entzogen zu haben und wurde daher draft dodger gescholten („ein sich der Einberufung Entziehender“), bei patriotischen Amerikanern alles andere als ein Ehrentitel. Dies war jedoch damals nicht nur unter Politikersöhnen eine durchaus verbreitete Praxis (sein Vater war damals Kongressabgeordneter im Repräsentantenhaus). Der Verdacht, Bush habe außerdem seine sich aus dem Dienst in der Nationalgarde ergebenden Pflichten nicht gewissenhaft erfüllt, sprach deshalb starke politische Empfindlichkeiten an. Auf Druck der Öffentlichkeit ließ er daher im Februar 2004 die Akten über diese Zeit für Untersuchungen freigeben.
Seine Unternehmertätigkeit begann Bush im Jahr 1978 in der Erdölförderindustrie mit der Gründung von Arbusto Energy (span. für Busch), später in Bush Exploration umbenannt. Als Anfang der 1980er-Jahre die Ölpreise einbrachen, geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten und musste im Jahr 1984 mit dem Ölunternehmen Spectrum 7 Energy Corp. fusionieren. Bush wurde Leiter des Unternehmens. Als im Jahr 1986 die Ölpreise erneut einbrachen, wurde es zahlungsunfähig und von Harken Energy Corp. aufgekauft. Bush wurde dadurch einer der Direktoren bei Harken. 1988 erwarb er, als Teil eines größeren Konsortiums, 5 % des Baseballteams Texas Rangers. Er war bis zu seiner Wahl zum Gouverneur von Texas 1994 der Managing Partner des Teams und veräußerte seinen Anteil 1998 für 15 Millionen US-Dollar.
1978 kandidierte Bush mit 31 Jahren für das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten im 19. Kongresswahlbezirk von Texas, der sich im Westen des Bundesstaates zwischen Lubbock und seiner Heimatstadt Midland erstreckte. Er verlor die Wahl mit 46,8 % gegen den Demokraten Kent Hance. Zwei Jahre später wurde sein Vater Vizepräsident; George W. Bush entschied, so lange nicht für ein politisches Amt zu kandidieren, wie sein Vater öffentliche Ämter bekleiden würde. 1988 war Bush Mitglied im Wahlkampfteam seines Vaters bei dessen schließlich erfolgreicher Präsidentschaftswahl und diente dort als Verbindungsmann zu den christlichen Konservativen.
Die texanische Gouverneurswahl am 8. November 1994 konnte Bush mit 53,5 % gegen die demokratische Amtsinhaberin Ann Richards, die 45,9 % erhielt, für sich entscheiden. Sein Wahlkampf wurde wie alle nachfolgenden von Karl Rove geplant, der es in Bushs Präsidentschaft bis zum stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses brachte. Um seine Position auch unter den demokratischen Wählern zu festigen, setzte Bush in seiner ersten Amtszeit auf weitgehende Kooperation mit dem politischen Gegner; so ernannte er einen Demokraten zu seinem Stellvertreter und stärkte diesem den Rücken, indem er sich beispielsweise für Gesetzesvorhaben der gegnerischen Fraktion im texanischen Parlament einsetzte.
1998 wurde er als texanischer Gouverneur mit 68,2 % wiedergewählt, sein Gegenkandidat Garry Mauro kam auf 31,2 %.