An diesem Tag

George Steiner

US-amerikanischer Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Kulturkritiker österreichisch-französischer Herkunft

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Francis George Steiner (* 23. April 1929 in Neuilly-sur-Seine bei Paris; † 3. Februar 2020 in Cambridge, Vereinigtes Königreich) war ein US-amerikanischer Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Philosoph und Kritiker.

George Steiner wurde als Sohn der österreichischen Juden (Friedrich) Frederick George Steiner und Elsie Steiner in Neuilly-sur-Seine bei Paris geboren. Sein Vater (* 1890 in Lidice) stammte aus einfachen Verhältnissen und war in Wien zu einem einflussreichen Bankier geworden. Seine Mutter stammte aus dem Elsass.

Ein Großonkel mütterlicherseits war Karl Emil Franzos. Steiners Eltern wanderten 1924 angesichts des wachsenden Antisemitismus aus Wien nach Frankreich aus. George lernte Französisch, Englisch und Deutsch gleichermaßen zu sprechen und las, angeregt durch seinen Vater, Klassiker des Bildungskanons. Zunächst besuchte er das Pariser Lycée Janson de Sailly im 16. Arrondissement.

Im Mai 1940, nach dem Beginn des Westfeldzugs, floh seine Familie via Genua nach New York. Keine vier Wochen später besetzte die Wehrmacht Paris.

Bis auf ihn und eine weitere Person wurden alle jüdischen Schüler aus seiner Lycéeklasse in Konzentrationslagern ermordet.

Steiner besuchte das French Lycée und machte 1947 das Baccalauréat; 1944 erhielt er die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten.

Steiner studierte in Chicago (B.A.), Harvard (M.A.) und wurde am Balliol College der Universität Oxford promoviert. Noch als Student begann er zu publizieren und arbeitete von 1952 bis 1956 als Redakteur bei der Zeitschrift The Economist in London.

Danach kehrte er zurück in die USA und besuchte von 1956 bis 1958 das Institute for Advanced Study der Princeton University, an dem er 1959/60 auch seine ersten Vorlesungen halten konnte. 1958/59 erhielt Steiner eine Fulbright-Professur an der Universität Innsbruck, und ab 1961 lehrte er als Founding Fellow am Churchill College in Cambridge. 1974 wechselte er als Professor für Englische Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft zur Universität Genf, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 tätig war. Daraufhin übernahm er 1994/95 den Lord-Weidenfeld-Lehrstuhl für Komparatistik am St Anne’s College der Universität Oxford. 2002/03 schloss er seine Lehrtätigkeit mit einer Professur an der Harvard University ab (als Norton Professor of Poetry).

Als Fachmann für vergleichende Literaturwissenschaft beschäftigte er sich in seinen Büchern und Aufsätzen mit kulturphilosophischen Fragen der Übersetzung und dem Wesen von Sprache und der Literatur. Er untersuchte vorzugsweise die Beziehung zwischen Literatur und Gesellschaft, insbesondere im Licht der neueren Geschichte. So verfasste er etwa in Language and Silence (1967) Essays über die dehumanisierenden Folgen des Zweiten Weltkriegs auf die Literatur. Seine Studie Nach Babel (1975) über Sprache und Übersetzung gilt als fundamentales Werk der Komparatistik.

Er schrieb neben wissenschaftlichen Beiträgen regelmäßig Rezensionen und Artikel für Zeitschriften und Zeitungen wie den New Yorker, das Times Literary Supplement und den Guardian. Steiner sprach und schrieb in fünf Sprachen. Er war Mitglied der British Academy.

1955 heiratete er Zara Shakow, mit der er von seinen Freunden 1952 bekannt gemacht worden war. Ihr Sohn David war Dekan der School of Education am Hunter College in New York, Tochter Deborah lehrt als Professorin für Klassische Philologie an der Columbia University. Steiner starb im Februar 2020 im Alter von 90 Jahren in seinem Haus im britischen Cambridge. 10 Tage nach ihm starb seine Frau Zara im Alter von 91 Jahren.

Chronologisch geordnet nach dem Erscheinen der englischen Originalausgabe:

Tolstoj oder Dostojewskij. Analyse des abendländischen Romans. Aus dem Englischen von Jutta und Theodor Knust. Piper, München, Zürich 1990 (deutsch zuerst: Langen Müller, München, Wien 1964; englische Originalausgabe zuerst unter dem Titel: Tolstoy or Dostojewsky. Alfred A. Knopf, New York 1959).

Der Tod der Tragödie. Ein kritischer Essay. Langen Müller, München, Wien 1962 (zuerst unter dem Titel: Death of Tragedy. Alfred A. Knopf, New York 1961).

Sprache und Schweigen. Essays über Sprache, Literatur und das Unmenschliche. Aus dem Englischen von Axel Kaun. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969 (zuerst unter dem Titel: Language and Silence: Essays on Language, Literature, and the Inhuman. Atheneum, 1967).

In Blaubarts Burg. Anmerkungen zur Neudefinition der Kultur. Deutsch von Friedrich Polakovics. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972 (= suhrkamp taschenbuch 77; zuerst unter dem Titel: Notes towards the Redefinition of Culture. University of Kent, Canterbury 1971).

Extraterritorial. Papers on Literature and the Language Revolution. Penguin Books, Middlesex 1975 (= suhrkamp taschenbuch 77). Zuerst bei Faber & Faber, London 1972 (First published in U.S.A. 1971).

The Sporting Scene. White Knights of Reykjavik. Faber & Faber, London 1973.

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