George Silk (* 17. November 1916 in Levin, Neuseeland; † 23. Oktober 2004 in Norwalk, Connecticut, USA) war ein amerikanischer Kriegs- und Sportfotograf neuseeländischer Herkunft, der als Autodidakt der Pressefotografie neue technische und bildästhetische Möglichkeiten erschloss.
Als Sohn des Schreiners Stewart Silk und seiner Frau Jane wurde George im ländlichen Levin auf der Nordinsel Neuseelands geboren. Wenige Jahre später zog die Familie in die Metropole Auckland.
Dort machte George an der Auckland Grammar School seinen Abschluss. Bereits als Jugendlicher war das Fotografieren zu seinem Hobby geworden. Seine ältere Schwester Shelly hatte dem 16-Jährigen eine der legendären Kodak-Boxkameras geschenkt, mit der er laut eigenen Worten völlig frei von klassischen Vorbildern in Belichtungs- und Bildtechnik sowie der Filmentwicklung experimentierte. Doch dachte er nicht direkt daran, daraus einen regelrechten Beruf zu machen. Seine fotografischen Kenntnisse empfahlen ihn zumindest seinem ersten Arbeitgeber.
So arbeitete er zunächst als Auszubildender, danach von 1934 bis 1939 als Angestellter in einem Fotofachgeschäft in Auckland. Sein Arbeitgeber ermunterte ihn, in Anerkennung seines Talents, die kompakten Kameras, die in seinem Geschäft angeboten wurden, auszuprobieren – darunter Rolleiflex, Contax und, ebenfalls in Deutschland produziert, Leica. Als begeisterter Sportler, der auch stets eine Kamera zum Fischen, zu Segelwettkämpfen, zum Skifahren oder Bergsteigen mitnahm, legte er somit den Grundstein für seine spätere Tätigkeit als professioneller Sportfotograf.
Wie bei vielen anderen jungen Fotografen brachte der Zweite Weltkrieg eine Wendung in seinen Lebenslauf, die er jedoch selbst aktiv herbeiführte. Seinen eigenen Worten zufolge wollte er sich zwar dem Kriegsdienst nicht entziehen, hatte aber eine Aversion gegenüber Schusswaffen.
Vom Amateur- zum Kriegsfotografen
Zunächst versuchte er sich beim neuseeländischen Rekrutierungsbüro. Doch das knappe Versprechen, „unterschreiben sie hier und morgen werden sie Fotograf sein“, führte bei ihm eher zu Misstrauen.
Entschlossen klemmte er sich 1939 die Portfoliomappe seiner besten Sportaufnahmen unter den Arm und reiste nach Australien. Wenn alles andere fehlgeschlagen wäre, hätte er sogar den Beitritt in die reguläre Australian Imperial Force (AIF) erwogen. Nachdem er drei Wochen zaudernd durch Sydney gezogen war, fuhr er in die Hauptstadt Canberra und zog direkt vor das Büro des Premierministers. Vom Privatsekretär Robert Gordon Menzies empfangen, entschied dieser sich, das Album seinem Chef vorzulegen. Menzies legte seinerseits die Bilder seinen Kabinettsmitgliedern vor und instruierte den Sekretär alles Weitere zu veranlassen. Zu seiner eigenen Überraschung stellte man George Silk daraufhin unverzüglich als einen der offiziellen Kriegsfotografen ein. Mit einem Ticket nach Melbourne ausgestattet, traf er dort John Maplestone, den Leiter der Film Division of the Department of Information, den sogenannten Cinema Branch des Außenministeriums. Maplestone ließ ihn mit einer Uniform und weiteren Instruktionen innerhalb eines Briefings ausstatten. Schon kurze Zeit später reiste er auf einem Dampfer in Richtung des Nahen Ostens. Die Verantwortlichen hatten wohl erkannt, dass ihnen sein Talent bei der Einschätzung des Timings und Risikos, was ihm schon in seinem ursprünglichen Metier Vorteile gebracht hatte, gute Dienste bei der Propaganda und üblichen Berichterstattung leisten könnte.
Sein dortiger Vorgesetzter und spätere Freund war der vier Jahre ältere Kameramann Damien Parer, der bereits auf eine Karriere als Standfotograf und Kameramann bei kommerziellen und Dokumentarproduktionen zurückblicken konnte. Durch Parer sind die Inhalte des Briefings überliefert, die ihr oberster Chef ihnen auf den Weg mitgab:
To build a true picture of the Australian soldier in movie and stills.
To make good movie single reelers (1 to 10 minutes) showing cause and affect [sic]. Something after March of Time idea why we are here and what we are doing in the long rang perspective as it affects us in Australia.
To keep newspapers and newsreels supplied with really hot spectacular news.
Auch aus den Filmen selbst wurden nach der damaligen Praxis „Standfotografien“ heraus für die Zeitungen verwendet, wie auch Standfotos, die Silk machte, in den Wochenschauberichten dazwischen geschnitten wurden.
Die technische Ausstattung, die Parer eingekauft hatte, bestand aus Newman-Sinclair-Filmkameras, einer Graflex und 35-mm-Contaxgehäusen, die Silk mit Weitwinkel- und Teleobjektiven einsetzte. Nachdem beide die militärische Grundausbildung des AIF abgeschlossen hatten, entwickelten sie eine enge Zusammenarbeit bei den Filmaufnahmen und Standfotografien, die für die moderne Kriegsfotografie vorbildlich sein sollte.
Während dieses ersten Feldzugs kamen beiden kaum nahe genug an die Frontlinie, aber schon hier gelang ihnen eine Reihe von ungestellten Momentaufnahmen, die in der Heimat auf ein positives Echo stießen. Nach Monaten der Ausbildung und der Etappe fanden sie sich in einem Wüsten-Stellungskrieg wieder, der unentschieden hunderte von Meilen hin und her brandete, ohne ihnen entscheidende Möglichkeiten zu geben. Wenigstens Parer hatte Gelegenheit, einige aufsehenerregende Aufnahmen von Bombenangriffen zu machen und arbeitete erstmals mit dem ABC-Berichterstatter Chester Wilmot zusammen, als sie eine Titelstory über die Belagerung von Tobruk produzierten.
Nach einigen Monaten entwickelte sich der sonst zuverlässige Silk im Positiven Sinne zu einem wahren Unglücksraben („accident-prone“). Als er mit seinem LKW fahrlässig den Kurs wechselte, fand er sich inmitten der Offensive „Crusader“ und der Panzerschlacht von Sidi Rezegh wieder, also mitten im Kampfgeschehen.
Sowohl Parer als auch Silk lagen sich häufig mit dem neuen Chef ihrer Einheit in den Haaren. Captain Frank Hurley, ein Kameraveteran des Ersten Weltkrieges hatte Silks Ansicht nach überhaupt kein Verständnis dafür, welche Möglichkeiten die Kompaktkameras der Berichterstattung boten. Die jungen Kameraleute verabscheuten den Hang Hurleys zu gestellten Aufnahmen und bevorzugten authentische Fotos. Neil McDonald räumte ein, dass ihre Ablehnung Hurley gegenüber ein wenig hart gewesen sei. Dieser sei mit Mitte 50 wohl auch um ihre Sicherheit besorgt gewesen. Andererseits hätten Silk und Parer vollkommen zu Recht die Effektivität der kleineren Kameras betont.
Das wirkliche Ausmaß der Gefahren zeigte sich für Parer wie auch für Silk erst, als Spezialeinheiten des Afrikakorps Erwin Rommels beide vorübergehend gefangen nehmen konnten. Nach zehn Tagen gelang ihnen die Flucht.