George Sand ([ʒɔʁʒ sɑ̃d]) ist das Pseudonym der französischen Schriftstellerin Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil (* 1. Juli 1804 in Paris; † 8. Juni 1876 in Nohant, Département Indre), die neben Romanen auch zahlreiche gesellschaftskritische Beiträge veröffentlichte. Sie setzte sich durch ihre unkonventionelle Lebensweise und ihre Werke für feministische und sozialkritische Ziele ein. Sie rebellierte gegen Beschränkungen, die Frauen im 19. Jahrhundert durch die Ehe auferlegt waren, und forderte die gleichberechtigte Teilhabe aller Klassen an gesellschaftlichen Gütern ein.
Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil, die sich später George Sand nannte, stammte vom sächsischen Kurfürsten und polnischen König August dem Starken und seiner Mätresse, Gräfin Maria Aurora von Königsmarck, ab. Deren Sohn, Moritz von Sachsen, stand als Generalmarschall in französischen Diensten und hatte eine uneheliche Tochter, die nach dem Tod des Vaters 1750 als Marie-Aurore de Saxe (1748–1821) legitimiert und 1776 die zweite Ehefrau von Louis Dupin de Francueil (1715–1786) wurde. Aus dieser Verbindung ging Maurice François Dupin (1778–1808), der Vater von Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil hervor, der Oberst in der napoleonischen Armee war. Er heiratete die Modistin Sophie Victoire Delaborde einen Monat vor der Geburt Amantine Aurore Luciles. Beide Elternteile hatten bereits ein uneheliches Kind.
Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil, kurz Aurore Dupin genannt, verlor 1808 im Alter von vier Jahren ihren Vater, der als Oberst an Feldzügen der napoleonischen Armeen teilnahm, während sie mit ihrer Mutter auf dem Landsitz ihrer Großmutter in Nohant weilte. Da Mutter und Großmutter sich nicht verstanden, verließ Aurores Mutter im Jahr 1810 das Anwesen, und Aurore wuchs, nach strenger Etikette erzogen, in Nohant auf. Mit 13 Jahren kam sie zur Erziehung in ein Augustinerkloster in Paris. Von dort kehrte sie kurz vor dem Tod der Großmutter nach Nohant zurück und erbte das Landgut und das Hôtel de Narbonne, ein Patrizierhaus in Paris. Von ihrer Mutter wurde sie auch nach dem Tod der Großmutter vernachlässigt.
Im Jahr 1822 heiratete Aurore Dupin gegen den Willen der Mutter den mittellosen Leutnant Casimir Dudevant. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Maurice (1823–1889), der ebenfalls Schriftsteller wurde, und Solange (1828–1899). Dabei ist die Vaterschaft der Tochter umstritten, da ab 1827 mehrere Liebesaffären Aurores bezeugt sind. 1831 trennte sie sich von ihrem Mann, nachdem sie in seinem Sekretär sein Testament gefunden hatte. Dessen Inhalt sei, so äußerte sie später, eine Aneinanderreihung von Missachtungen und Verwünschungen ihrer Person gewesen. Die Scheidung von Dudevant wurde 1836 rechtskräftig. Aurore Dupin erhielt das Anwesen ihrer Großmutter (Maison de George Sand) und das Sorgerecht für ihre Tochter Solange, ihr Mann das Nutzungsrecht für das Pariser Stadthaus und das Sorgerecht für Maurice, den Sohn, der jedoch nicht bei ihm, sondern entweder im Internat oder bei der Mutter lebte.
1831 begann Dupin gemeinsam mit ihrem Geliebten, Jules Sandeau, für die Zeitung Le Figaro zu schreiben. Zugleich entstand ihr erster Roman, Rose et Blanche, der noch im selben Jahr veröffentlicht wurde. Aus dem von ihnen gemeinsam verwendeten Pseudonym „J. Sand“ leitete Dupin schließlich ihren künftigen Künstlernamen „George Sand“ ab, unter dem sie eigene Artikel und 1832 auch ihren ersten allein verfassten Roman, Indiana, herausgab. Der gelegentlich angenommene Zusammenhang mit Karl Ludwig Sand als Namensgeber trifft nicht zu. In ihren autobiografischen Schriften distanzierte sie sich von dessen gewalttätigem Fanatismus; zugleich war sie sich bewusst, dass die Namensgleichheit ihre Popularität in Deutschland befördert hatte. Mit dem Männernamen nahm Dupin zugleich die Gewohnheit an, Männerkleidung zu tragen und von sich in der maskulinen Form zu sprechen. Durch den als skandalös empfundenen Roman Indiana und insbesondere durch ihr Nachfolgewerk, Lélia (1833), wurde Sand in Frankreich und darüber hinaus berühmt und gehörte bald zu den bestbezahlten Schriftstellern ihrer Zeit. Viele ihrer Werke wurden schon kurz nach ihrem Erscheinen in weitere Sprachen übersetzt.
Im Jahr 1833 begann George Sand ein Liebesverhältnis mit Alfred de Musset. Dieser beklagte sich Ende desselben Jahres über die Schaffenskraft seiner Freundin: „Ich hatte den ganzen Tag gearbeitet. Am Abend habe ich zehn Verse gemacht und eine Flasche Schnaps getrunken; sie hatte einen Liter Milch getrunken und [derweil] ein halbes Buch geschrieben.“ Als de Musset auf einer gemeinsamen Venedig-Reise erkrankte, verliebte sich George Sand in seinen Arzt, Pietro Pagello, und begann im Februar 1834 eine Liaison mit ihm. Noch bis 1835 korrespondierte sie mit de Musset.
George Sands Wohnsitz in Paris und ihr Landsitz in Nohant wurden von zahlreichen Künstlern besucht. Der Freundeskreis der eigenwilligen, Zigarren rauchenden Schriftstellerin umfasste neben Schriftstellern wie Honoré de Balzac und Alexandre Dumas den Maler Eugène Delacroix, den Komponisten Franz Liszt und dessen Geliebte, Marie d’Agoult. Eine ihrer angeblichen Geliebten war die Schauspielerin Marie Dorval.
Durch Franz Liszt lernte Sand den Komponisten Frédéric Chopin kennen, der sich zu dieser Zeit in einer emotionalen Krise befand. Von der musikliebenden Sand fühlte er sich bald verstanden, nachdem er anfangs gegen ihr emanzipiertes Auftreten Abneigung verspürt hatte. 1838 begannen sie eine Liebesbeziehung.
Im November 1838 übersiedelte George Sand mit ihren Kindern Maurice und Solange nach Mallorca. Dies wurde auf ärztlichen Rat beschlossen, denn die klimatische Veränderung sollte den Gesundheitszustand ihres Sohnes, der unter einer rheumatischen Erkrankung litt, bessern. Auch Chopin, der zeitlebens an Tuberkulose litt, erhoffte sich Linderung durch das milde Klima und schloss sich Sand und ihren Kindern an. Maurice erholte sich, für Chopin hingegen stand der Aufenthalt in der Kartause von Valldemossa unter keinem guten Stern. Die Räume waren schwer heizbar, das Wetter unfreundlich, und dazu kam, dass die Einheimischen Distanz zu dem unverheirateten Paar hielten. Gleich nach der Ankunft entwickelte er Anzeichen einer Lungenentzündung, wie Sand später in ihren Schriften beklagte. Nach 98 Tagen verließen Chopin und Sand die Insel im Februar 1839. Sand verfasste den Reisebericht Ein Winter auf Mallorca.
Die Beziehung zwischen Chopin und Sand endete 1847. Weder von ihm noch von ihr sind die Gründe ihrer Trennung überliefert. Bekannt ist, dass Sands Tochter, Solange, eine Liebesbeziehung mit dem mittellosen Bildhauer Auguste Clésinger aufgenommen hatte und dies Streitigkeiten auslöste, in deren Verlauf es zu Handgreiflichkeiten zwischen Georges Sohn und Clésinger bzw. zwischen Clésinger und der ihrem Sohn beispringenden Mutter gekommen sein soll. Auch Chopin war verärgert, dass Solange sich heimlich verlobt hatte; dennoch hielt er die Freundschaft zu ihr aufrecht und brüskierte damit George Sand.
In den 1840er Jahren wandte George Sand sich in ihren Romanen und den Zeitungsartikeln, die sie regelmäßig schrieb, sozialen Themen zu. 1841 gründete sie mit Pierre Leroux die sozialistische Revue indépendante. Bei der Wahl ihrer Themen orientierte sie sich an seinem „Sozialevangelium“. Außer gesellschaftlich relevanten Themen griff sie etwa in Spiridion (1839) religionskritische Fragen auf. Besonders der als Fortsetzungsroman in der Revue indépendante veröffentlichte Doppelroman Consuelo/La Comtesse de Rudolstadt (1842/1844) zeichnet eine utopische Gesellschaft, die keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Klassen kennt.
Sand befürwortete die Februarrevolution von 1848. Sie zog nach Paris und übernahm die Verantwortung für das Bulletin de la République, das offizielle Organ der neuen Regierung. Als Louis Napoléon, den sie 1838 kennenlernte, zum Staatspräsidenten gewählt wurde, war sie begeistert. 1852 konnte sie das gute Verhältnis nutzen, um sich für das Leben von vier verurteilten Sozialisten einzusetzen, die dank ihrer begnadigt wurden. Als sich Louis Napoléon zum Kaiser krönen ließ, kehrte sie enttäuscht nach Nohant zurück. Aufgrund der verschärften Zensur vernichtete sie politische Schriften, die sie angefertigt hatte, und verarbeitete in ihren Romanen fortan unverfängliche Themen.