Freiherr Georg von Stengel (* 1. Oktober 1775 in Mannheim; † 24. April 1824 in München) war ein deutscher Beamter.
Georg von Stengel war der Sohn des späteren pfälzisch-bayerischen Staatsrates Stephan von Stengel, der ein natürlicher Sohn des Kurfürsten Karl Theodor gewesen sein soll, und dessen erster Ehefrau Marianne (* 13. Juni 1753 in Mannheim; † 19. April 1802 in München), älteste Tochter des Hofkammer-Vizedirektors Franz Blesen († 1788). Sein Großvater war der Kanzleidirektor Georg von Stengel. Georg war das älteste von zwölf Kindern, davon fünf Brüder. Von seinen Geschwistern sind namentlich bekannt:
Carl Albert Leopold von Stengel (1784–1865), Regierungspräsident von Schwaben, verheiratet mit Julie Magdalena Catharina Franziska, geb. von Meyer;
Rosina von Stengel (1786–1862), verheiratet mit dem Ansbacher Appellationsgerichtspräsidenten Ludwig von Leonrod (1774–1859) und Mutter des Eichstätter Bischofs Franz Leopold von Leonrod (1827–1905).
1778/79 folgte sein Vater dem Kurfürsten Karl Theodor nach München, als dieser seine Residenz dorthin verlegte, die Familie folgte allerdings erst Anfang der 1780er Jahre nach.
Am 7. Mai 1805 heiratete Georg Stengel die jüngste Schwester seines Vaters, Catharina von Stengel (* 28. Mai 1778 in Seckenheim; † 3. April 1861 in München), nachdem das Oberhaupt der Kirche in Rom den aufgrund der nahen Verwandtschaft erforderlichen Dispens erteilt hatte. Gemeinsam hatten sie fünf Kinder; von diesen sind namentlich bekannt:
Franziska Amalie Leopoldine Freiin von Stengel (* 27. März 1806; † 13. August 1881 in München), verheiratet mit dem Botaniker Carl Friedrich Philipp von Martius.
Georg von Stengel (1814–1882), bayerischer Baubeamter und Architekt.
Die jüngste Tochter war taubstumm.
In München wurde Georg von Stengel unter der Leitung des Geistlichen und späteren Universitätsbibliothekar und Stadtpfarrer von Ingolstadt, Joseph Oeggl (1754–1806) erzogen und ausgebildet.
1787 übernahm der Priester und spätere Hofkaplan in der Herzog-Max-Burg, Simon Schmid (1760–1840), die weitere Ausbildung der beiden ältesten Söhne von Stephan von Stengel. Bei diesem erlernte Georg von Stengel Naturgeschichte und Mathematik sowie eine erste Anleitung in der Botanik durch das Einsammeln und systematische Zuordnen der Pflanzen. Er begleitete seinen Lehrer auch bei dessen Spaziergängen auf den Friedhöfen, in denen dieser die auf Stein geätzten Grabinschriften betrachtete und so die erste Idee zum Steindruck entwickelte; später hieß der Erfinder Alois Senefelder, der allerdings erst Jahre später ein ähnliches Verfahren entwickelte. Simon Schmid besaß auch ein Talent zur Landschaftszeichnung und mit seiner Hilfe übte sich Georg von Stengel auch im Zeichnen, hierzu trugen auch die Besuche der Maler Carl Ernst Christoph Hess und Ferdinand sowie Franz Kobell in seinem Elternhaus bei.
Gemeinsam mit zwei seiner Brüder, drei Söhnen des Freiherrn von Aretin, den Brüdern von Johann Georg von Dillis, von Mieg und dem späteren Staatsrat Franz Sales Schilcher (1766–1843) bildete sich im Haus eine kleine Kunstakademie, in welcher gezeichnet, aber auch ältere und neuere Kupferstiche, radierte Blätter und Originalzeichnungen betrachtet und besprochen wurden. Seine Versuche, in der Musik auf den von ihm gewählten Instrumenten, dem Fortepiano und der Flöte, gab er bereits nach kurzer Zeit wieder auf. In seinem späteren Leben betätigte er sich als Kunstmäzen.
Zu dieser Zeit brannte das Landhaus seines Vaters, Schloss Biederstein, das dieser 1784 vom Kurfürsten Karl Theodor als Ritterlehen erhalten hatte, zweimal nieder, so dass Georg von Stengel sehen konnte, wie sein Vater mit diesen Schicksalsschlägen umging.
Im philosophischen Bereich wurde er durch Andreas Dominikus Zaupser und in der Mathematik, Mineralogie und Geognosie durch Mathias von Flurl ausgebildet; besonders die beiden letzteren Fächer weckten sein ausgesprochenes Interesse. Dazu kam, dass er den Geologen Johann Sebastian von Clais kennenlernte und diesen auf einer halurgischen Reise begleiten durfte, die in die Schweiz zu den Salzwerken von Saint Maurice in Savoyen führte; dort konnte er einige Zeit im Haus des Geologen wohnen.
Im Spätherbst 1791 begann er sein Studium an der Universität Heidelberg und hörte Vorlesungen in den Rechtswissenschaften und den Staatswirtschaftlichen Fächern. Seine physikalisch-technischen Studien erhielt er bei Georg Adolf Suckow, mit dem er auch privat verbunden war.
Seine Studienzeit wurde besonders durch drei Männer geprägt, Regierungsrat Friedrich von Zentner, Lehrer für Staatsrecht, Hofkammerrat Heinrich Rigal, ein langjähriger Freund seines Vaters, und der Philosoph Jacob Schmitt. Gemeinsam mit Mitstudenten bildeten sie einen Verein, in dem sie, unter Aufsicht der vorherigen drei Männer, gemeinsam übten und in der Ausbildung in Wissenschaft und Kunst wetteiferten. Auf Anraten der Männer, ... nur ein verständiger Landwirt kann ein nützlicher Staatswirt werden ..., ging er im Herbst 1793 zum Bühlhof in der Nähe von Calw. Dort betrieb Hofkammerrat Heinrich Mögling ein großes Landgut und mehrere landwirtschaftliche Fabriken und wendete die technische Mechanik zur Verbesserung der Ökonomie an; hier blieb er mehrere Wochen und kehrte mit mehreren Zeichnungen und Denkschriften zurück. Er nutzte auch die Ferien 1794, um diese bei Pfarrer Johann Friedrich Mayer in Kupferzell zu verbringen, der sich durch seine Schriften zur praktischen Landwirtschaft einen Namen gemacht hatte. Hier entwickelte er auch die Ideen, die später zur Gründung eines landwirtschaftlichen Vereins und zur landwirtschaftlichen Schule in Schleißheim führten.
Während des Aufenthaltes an der Universität besuchte er auch des Öfteren seine in der Nähe wohnenden Großeltern in Mannheim, dort wohnte auch seine spätere Ehefrau, die jüngste Schwester seines Vaters. Die Familie verbrachte den Herbst öfter im Landhaus des Großvaters in Laudenbach, dessen naheliegendes Gebirge Georg von Stengel später beschrieben hat. Dort erfand er für den Großvater, der inzwischen aufgrund von Altersschwäche gelähmt war, einen Stuhl, der durch einen leichten Mechanismus vom Sitzenden im Freien wie auch im Zimmer in alle Richtungen bewegt werden konnte; diese Erfindung nutzte der Großvater noch jahrelang.
Im Herbst 1795 kehrte er nach München zurück und beschäftigte sich mit der Wiederholung seiner Universitätslektionen und dem Studium des bayerischen Zivil- und Judiciarcoder. Zur Vorbereitung auf das Absolutorium ging er im Sommersemester 1796 auf die Hohe Schule Ingolstadt, besuchte einzelne Vorlesungen und hörte private Vorlesungen über bayerische Gesetzbücher. Weil er sich in Ingolstadt unwohl fühlte und diesem Kerker schnell entkommen wollte, studierte er ganze Nächte durch, um so schnell wie möglich seinen Abschluss zu erhalten. Diesen bekam er am 10. Juli 1796; wenige Wochen später fiel die französische Rhein-Mosel-Armee unter dem Befehl von Obergeneral Jean-Victor Moreau in Bayern ein.