Georg Heinrich Schönerer (* 17. Juli 1842 in Wien; † 14. August 1921 auf Schloss Rosenau, Niederösterreich), von 1860 bis 1888 und von 1917 bis 1919 Georg Heinrich Ritter von Schönerer, war ein österreichischer Gutsherr und Politiker. Schönerer hatte von 1879 bis zur Jahrhundertwende Bedeutung als Führer zunächst der Deutschnationalen und später der Alldeutschen Vereinigung. Er war ein heftiger Gegner des politischen Katholizismus, ein radikaler Antisemit und übte starken Einfluss auf den jungen Adolf Hitler aus, der ihn als eines seiner Vorbilder ansah.
Georg Schönerer wurde als Sohn des Eisenbahnunternehmers Mathias Schönerer (1807–1881) und dessen Ehefrau Marie Anna Antonia Rehmanns (1819–1884) geboren, er hatte eine Schwester, Alexandrine. Nachdem Mathias Schönerer 1860 von Kaiser Franz Joseph I. in den erblichen Ritterstand erhoben worden war, konnten sich auch seine Kinder dieses Titels bedienen.
Georg von Schönerer betrieb seit 1861 landwirtschaftliche Studien in Tübingen, besuchte von 1861 bis 1863 die Landwirtschaftliche Akademie in Hohenheim und von 1863 bis 1865 die Höhere Landwirtschaftliche Schule in Ungarisch-Altenburg. Hier war er vermutlich Mitglied einer Studentenverbindung Agronomia. Seit 1869 verwaltete Schönerer das väterliche Landgut in Rosenau bei Zwettl, wo er einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb aufbaute und führte. Schönerer heiratete im April 1878 Philippine Edle von Gschmeidler (1848–1913), die, wie 1887 bekannt wurde, jüdischer Herkunft war.
Aus dieser Ehe gingen Sohn Georg und drei Töchter hervor. Georg junior und seine Frau starben am 3. Oktober 1918 in Wien an der Spanischen Grippe, kurz vor dessen Entlassung aus dem Militärdienst und der Übernahme des väterlichen Gutes.
Schönerers damalige „Stammverbindung“ war die Wiener akademische Burschenschaft Libertas und er wurde in mehreren Burschenschaften auch Ehrenmitglied: Innsbrucker akademische Burschenschaft Germania (1893), Wiener akademische Burschenschaft Teutonia (1893), aus der er 1896 wieder austrat, Burschenschaft Germania Prag (1898) und Wiener akademische Burschenschaft Gothia (1919). Völlig ergeben war ihm in den 1880er und 1890er Jahren das deutsch-völkische Vereinsstudententum. Er wurde Ehrenmitglied des Lesevereins der deutschen Studenten Wiens (1887), des Vereins der deutschen Studenten aus Schlesien Oppavia (1889), der Deutschen Lesehalle an der technischen Hochschule Wien (1893), des Lese- und Redevereins deutscher Hochschüler Wiens Germania (1895) und der Verbindung Campia Prag (1896). Die Wiener Oppavia schwor neue Mitglieder bis 1903 sogar auf ihn ein, ehe man zu einem Schwur auf die „nationale Idee“ überging. Das verletzte Schönerer, wenngleich er Ehrenmitglied blieb und nicht austrat, wie sonst bei Organisationen, die ihm nicht mehr unbedingt folgten.
1873 wurde er für die liberale deutsche Fortschrittspartei in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats gewählt, trat 1876 aus dieser Partei aus und war seit 1879 Führer der Deutschnationalen Bewegung (der Alldeutschen) in Österreich. 1878–83 gehörte er auch dem niederösterreichischen Landtag an.
Er vertrat eine völkisch-germanische Ideologie, die mit einem radikalen Antisemitismus Hand in Hand ging, der bei ihm konsequent „rassisch“ begründet wurde. Seine Alldeutsche Bewegung verlangte 1900 im Wiener Parlament, eine Prämie für jeden „niedergemachten“ Juden auszusetzen. Schönerer verkündete damals völkisch-antisemitische Parolen wie durch Reinheit zur Einheit – Ohne Juda, ohne Rom / wird gebaut Germaniens Dom oder Die Religion ist einerlei / im Blute liegt die Schweinerei. Schönerer war heftiger Gegner des habsburgisch-österreichischen Patriotismus („Volksrecht bricht Staatsrecht“) und des Liberalismus. Er kämpfte für die Auflösung der Monarchie und den Anschluss ihrer westlichen Teile an das Deutsche Reich. Als Gegner der staatstragenden katholischen Kirche war er ein Vorkämpfer der „Los-von-Rom-Bewegung“. Er trat selbst 1900 zur Evangelischen Kirche über und verkündete etwa im Jahr 1887 die Abschaffung des christlichen Kalenders. Als neuen Nullpunkt für die Zeitrechnung bestimmte er das Jahr 113 v. Chr., in welchem die Kimbern und Teutonen das römische Heer in der Schlacht bei Noreia besiegt hatten. 1882 bestimmte Schönerer das deutschnationale „Linzer Programm“ maßgeblich mit, das nationalistische, soziale und antisemitische Elemente miteinander verknüpfte.
Schönerer zählt zu den Gründungsmitgliedern des 1880 gegründeten Deutschen Schulvereines, der die deutsche Bevölkerung in den Gebieten Österreichs, in denen sie nur eine Minderheit bildete, mit dem Bau von Schulen und dem Ankauf von Gütern unterstützen wollte.
Da der Schulverein Juden die Mitgliedschaft gestattete, legte Schönerer 1885 aus Protest seinen Posten im Aufsichtsrat nieder und trat aus dem Schulverein aus. Danach gründete Schönerer den antisemitischen „Schulverein für Deutsche“.
Am 8. März 1888 betrauerte er in einem Gasthof in Begleitung einiger Anhänger den bevorstehenden Tod Wilhelms I. In einer Extraausgabe des Neuen Wiener Tagblattes wurde der noch nicht eingetretene Tod bereits verkündet; kurze Zeit später erfolgte eine neuerliche Extraausgabe, welche meldete, dass der Kaiser noch am Leben sei. Schönerer nutzte das als Anlass, die „jüdische Zeitung“, mit deren Herausgeber Moritz Szeps er seit langem in Streit lag, zu attackieren. So drang er mit 28 Gleichgesinnten in die Redaktion des Neuen Wiener Tagblattes ein, bedrohte und schlug die Redakteure. Es kam zu einer Anzeige und Beantragung eines Haftbefehls gegen Schönerer. Der Staatsanwalt forderte vom Reichsrat die Auslieferung Schönerers. Der Reichsrat hob Schönerers Immunität auf. Vor Gericht sagten die Angestellten der Redaktion aus, Schönerer hätte gerufen: „Der Tag der Rache ist gekommen!“ Er selbst hingegen behauptete, er habe lediglich die tatsächlichen Fakten ermitteln wollen. Weiters wurde behauptet, dass Schönerer die Türe versperrt, die Angestellten mit einem Stock bedroht, dabei geschrien und zwei Redakteure festgehalten und mit Fäusten traktiert habe. Schönerer entgegnete dem Vorwurf, er habe sich über die Art und Weise dieses Pressegebarens Luft gemacht und dann den Raum verlassen. Eine große Anzahl von Zeugen bestätigte die Version der Journalisten, Schönerer nannte 19 Zeugen.
Die widersprüchlichen Angaben und Fakten wurden vom Richter in seiner Begründung anerkannt, indem er bei weitem nicht das volle Strafausmaß von fünf Jahren ausschöpfte. Schönerer wurde am 5. Mai 1888 zu einer viermonatigen Kerkerstrafe verurteilt sowie des Abgeordnetenmandats für fünf Jahre und des Adelstitels verlustig erklärt. Der Angriff auf die Redaktion wird heute als erster Akt „rechten Terrors“ qualifiziert.
Nach diesem Urteil musste er die Führung der erstarkenden deutschnationalen Bewegung anderen überlassen. Ein großer Teil seiner Anhänger ging auch zu den Christlichsozialen Luegers über. 1897–1907 gehörte Schönerer als Außenseiter wieder dem Reichsrat an. Seine politischen Organe waren die 1881 gegründete Zeitschrift Deutsche Worte (seit 1883 Unverfälschte Deutsche Worte) und die Zeitungen Alldeutsches Tagblatt (1903 gegründet) und Grazer Wochenblatt.
Noch einmal erlangte Schönerer in den Jahren zwischen 1897 und 1901 eine gewisse Führungsrolle innerhalb des deutschnationalen Lagers aufgrund der Badeni-Krise. Als der österreichische Ministerpräsident Kasimir von Badeni 1897 im Parlament Verordnungen vorlegte, die für die künftigen Einstellungen von Beamten in Böhmen und Mähren Kenntnisse der deutschen und der tschechischen Sprache verlangten, konnte sich Schönerer an die Spitze der Protestbewegung gegen diese Maßnahme setzen. Über viele Monate wurde der österreichische Reichsrat durch eine gezielte Obstruktionspolitik arbeitsunfähig.
1901 wurden 21 Abgeordnete der Schönerer-Gruppe (oder Alldeutsche Vereinigung) in das Parlament gewählt. Doch innerhalb kurzer Zeit kam es zu einem innerparteilichen Streit zwischen Schönerer und seinem jüngeren Fraktionskollegen Karl Hermann Wolf. Die Alldeutsche Vereinigung zerfiel, Wolf gründete mit den meisten ehemaligen Abgeordneten der Schönerer-Gruppe die Deutschradikale Partei. Weitere Wahlerfolge erreichte Schönerer nicht mehr. 1907 wurde seine Partei auf drei Abgeordnete reduziert, er selbst scheiterte mit seiner Kandidatur, von da an blieb er eine politische Randfigur.