An diesem Tag

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff

Deutscher Baumeister, Maler und Architekt in Preußen

Anúncio

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (* 17. Februar 1699 auf Gut Kuckädel bei Crossen an der Oder; † 16. September 1753 in Berlin) war ein deutscher Architekt und Maler im Dienste Friedrichs des Großen. Über die Grenzen Preußens hinaus wurde er durch seine Hauptwerke im Stil des Friderizianischen Rokokos berühmt. Von ihnen sind das Opernhaus Unter den Linden in Berlin, das Schloss Sanssouci in Potsdam sowie die Erweiterungen von Schloss Rheinsberg und Schloss Charlottenburg erhalten, während das im Zweiten Weltkrieg zur Ruine gewordene Potsdamer Stadtschloss und ebenso das von ihm erweiterte Schloss Monbijou in Berlin zu DDR-Zeiten abgerissen wurden. Das Potsdamer Stadtschloss wurde in seiner äußeren Form bis 2013 wiedererrichtet.

Militärzeit und Wege zur Kunst

Georg Wenzeslaus Knobelsdorff wurde am 17. Februar 1699 auf dem Gut Kuckädel im brandenburgischen Herzogtum Crossen geboren. Er war der älteste Sohn von aus Schlesien wegen ihres protestantischen Glaubens ausgewanderter Landadliger. Sein Vater Georg Sigismund von Knobelsdorff und seine Mutter Ursula Barbara von Haugwitz hatten insgesamt fünf Söhne und drei Töchter. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs er bei seinem Patenonkel, dem Oberforstmeister Georg von Knobelsdorff, und seiner Tante Juliane Helene von Knobelsdorff, der Schwester seines Vaters, auf.

Entsprechend der Familientradition begann er seine berufliche Laufbahn in der preußischen Armee. Schon 1715 nahm er als 16-Jähriger am Feldzug gegen König Karl XII. von Schweden und an der Belagerung von Stralsund teil, das zu Schweden gehörte. Im Alter von 29 Jahren, inzwischen zum Seconde-Lieutenant (nach anderen Quellen: Kapitän oder Hauptmann) befördert, beendete er den Militärdienst aus gesundheitlichen Gründen.

Noch als Soldat hatte er seine künstlerischen Fähigkeiten autodidaktisch weiterentwickelt. Nachdem er den Militärdienst quittiert hatte, ließ er sich beim preußischen Hofmaler Antoine Pesne – dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb – in verschiedenen Maltechniken ausbilden. Er erwarb zusätzliche Kenntnisse in Geometrie und Anatomie. In der Malerei sah er seine berufliche Zukunft. Seine Bilder und Zeichnungen fanden immer wieder Anerkennung, auch als der Schwerpunkt seiner Tätigkeit längst woanders lag.

Der Kontakt zu Antoine Pesne hatte möglicherweise sein Vetter (1. Grades) Hans-Friedrich von Knobelsdorff, preußischer Oberforstmeister der Marken und Prignitz (1693–1760), hergestellt, der sich um 1715 vom preußischen Hofmaler porträtieren ließ.

Zur Architektur kam er erst auf einem Umweg, nämlich über die Darstellung von Bauwerken in seinen Bildern. Mehrfach wurde später die malerische Auffassung seiner Architekturentwürfe vermerkt und dabei unterschiedlich bewertet. Heinrich Ludwig Manger, als Baumeister eher Techniker als Künstler, schrieb 1789 in seiner Baugeschichte von Potsdam mit tadelndem Unterton, Knobelsdorff habe seine Gebäude „bloß perspectivisch und mahlerisch entworfen“, lobte aber seine Gemälde. Friedrich der Große dagegen sprach anerkennend vom „malerischen Geschmack (gout pittoresque)“ des Architekten. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass die lockere Art der Zeichnungen jemals ein ernsthaftes Hindernis bei der Ausführung der Bauten gewesen wäre.

Die notwendigen Kenntnisse für seinen neuen Beruf eignete sich Knobelsdorff, nach kurzer Ausbildung bei den Architekten Kemmeter und von Wangenheim, wiederum hauptsächlich im Selbststudium an. „Kavaliersarchitekten“ wie er waren im 16. und 17. Jahrhundert nichts Ungewöhnliches und genossen durchaus fachliche und gesellschaftliche Wertschätzung. Ihre Fähigkeiten gewannen sie durch unmittelbare Anschauung auf ausgedehnten Reisen und durch das Studium von Kupferstichsammlungen mit Ansichten klassischer und zeitgenössischer Bauten. Knobelsdorffs Vorbilder, die Engländer Inigo Jones (1573–1652) und William Kent (1684–1748) sowie der Franzose Claude Perrault (1613–1688) fanden ebenfalls auf Umwegen zu ihrem Beruf und waren keine jungen Männer mehr, als sie sich der Baukunst zuwandten.

König Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wurde auf Knobelsdorff aufmerksam und delegierte ihn 1732 in die Umgebung seines Sohnes, des Kronprinzen Friedrich, später König Friedrich II. (Friedrich der Große). Der hatte nach missglücktem Fluchtversuch und Festungshaft in Küstrin von seinem strengen Vater gerade wieder etwas größere Bewegungsfreiheit erhalten. Offenbar versprach sich der König von Knobelsdorff als einem vernünftigen, dazu künstlerisch begabten Edelmann mäßigenden Einfluss auf seinen Sohn. (Die Ursachen für das erste Zusammentreffen Knobelsdorffs mit Friedrich werden in anderen Quellen abweichend dargestellt; übereinstimmend wird es auf das Jahr 1732 datiert.)

Damals hatte der Kronprinz, als Zwanzigjähriger zum Oberst ernannt, ein Regiment in der Garnisonsstadt Neuruppin übernommen. Knobelsdorff wurde sein Gesprächspartner und Berater in Fragen von Kunst und Architektur. Unmittelbar vor der Stadtmauer entstand nach ihrer gemeinsamen Planung der Amalthea-Garten, darin ein Monopteros, ein kleiner Apollotempel nach antikem Vorbild, seit dem Altertum das erste Bauwerk dieser Art auf dem europäischen Kontinent und Knobelsdorffs erste Probe als Architekt Friedrichs des Großen. Dort wurde musiziert, philosophiert und gefeiert und auch nachdem der Kronprinz 1736 in das nahe Schloss Rheinsberg umgezogen war, suchte er bei seinen Aufenthalten als Kommandeur in der Neuruppiner Garnison den Tempelgarten häufig auf.

1736 erhielt Knobelsdorff vom Kronprinzen Gelegenheit zu einer Studienreise nach Italien, die bis zum Frühjahr 1737 dauerte. Sie führte ihn u. a. nach Rom, in die Gegend um Neapel, nach Florenz und Venedig. Seine Eindrücke sind in einem Reiseskizzenbuch mit annähernd einhundert Bleistiftskizzen festgehalten, allerdings nur von einem Teil der Reise: auf dem Rückweg hatte er sich bei einem Wagenunfall zwischen Rom und Florenz den Arm gebrochen. Einen Geheimauftrag konnte er nicht ausführen – die italienischen Opernsänger, die er nach Rheinsberg verpflichten sollte, waren mit den vorhandenen Geldmitteln nicht zu bezahlen. „Die hiesigen Castraten entschließen sich schwerlich von dannen zu gehen, […] das beständige Brodt, so sie auch im unvermögenden Stande behalten, sind Uhrsache, daß sie 100 Rthlr. in Rom auswärtigen Tausenden vorziehen.“ schrieb Knobelsdorff an den Kronprinzen. Im Herbst 1740, kurz nach Friedrichs Regierungsantritt wurde er vom König auf eine weitere Studienreise geschickt. In Paris war er eigentlich nur von den Arbeiten des Architekten Perrault beeindruckt – von der Fassade des Louvre und der Gartenfront des Schlosses von Versailles. Auf dem Gebiet der Malerei nannte er die Bilder von Watteau, Poussin, Chardin und anderen. Auf der Rückreise durch Flandern sah er die Gemälde von van Dyck und Rubens.

Schloss Rheinsberg mit dem kleinen Hofstaat des Kronprinzen wurde ein Ort der heiteren Gemeinsamkeit und der musischen Kreativität – ein Gegenentwurf zur sachlich trockenen Berliner Hofhaltung des Soldatenkönigs. Hier diskutierten Friedrich und Knobelsdorff über Architektur und Städtebau und entwickelten erste Ideen zu jenem umfangreichen Bauprogramm, das nach der Thronbesteigung des Kronprinzen verwirklicht werden sollte. Knobelsdorff fand in Rheinsberg seine erste größere Aufgabe als Architekt. Das Schloss bestand seinerzeit nur aus einem Turm und einem Gebäudeflügel. In einem Gemälde von 1737 hatte Knobelsdorff die Situation vor dem Umbau dargestellt, gesehen vom gegenüberliegenden Ufer des Grienericksees. Nach Vorarbeiten des Baumeisters Kemmeter und in ständiger Absprache mit Friedrich gab Knobelsdorff dem Ensemble seine heutige Form. Er ergänzte die Anlage durch den zweiten Turm und den dazugehörigen Gebäudeflügel und durch die Kolonnade, die beide Türme verbindet.

Diese Anlage war als bedeutendes Bauvorhaben für den Beginn der friderizianischen Regierungszeit schon in Rheinsberg geplant worden. Der König wünschte sich für Berlin ein neues Stadtschloss, das den Vergleich mit den prächtigen Residenzen europäischer Großmächte aushielt. Knobelsdorff entwarf einen ausgedehnten Komplex mit Innenhöfen, vorgelagertem Ehrenhof und halbkreisförmigen Kolonnaden unmittelbar nördlich der Straße Unter den Linden, davor einen weiträumigen Platz mit zwei frei stehenden Gebäuden – einem Opernhaus und einem Ball(spiel)haus. Bald nach Friedrichs Regierungsantritt im Mai 1740 begannen Bodenuntersuchungen sowie Verhandlungen über Ankauf und Abriss von 54 Häusern, die dem Projekt im Wege standen. Schon am 19. August 1740 wurden alle Vorbereitungen wieder abgebrochen, angeblich war der vorgesehene Baugrund nicht geeignet. In Wahrheit hatten entfernte Verwandte des Königs sich geweigert, ihr Palais, das mitten auf dem geplanten Residenzplatz lag, zu verkaufen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff | World in Stories