An diesem Tag

Georg Stefan Troller

Österreichischer Schriftsteller, Fernsehjournalist und Dokumentarfilmer

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Georg Stefan Troller (geboren am 10. Dezember 1921 in Wien; gestorben am 27. September 2025 in Paris) war ein österreichisch-US-amerikanischer Schriftsteller jüdischer Herkunft, Fernsehjournalist, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer, der seit 1949 seinen Lebensmittelpunkt in Frankreich hatte. Seine subjektive Befragungsweise von Prominenten und anderen Personen wurde zum Vorbild vieler Journalisten, Dokumentarfilmer und Talkshow-Moderatoren.

Georg Troller war der zweite Sohn von Karl Troller (1884–1975), einem jüdischen Händler von Kürschnerwaren aus Brünn, und dessen Ehefrau Wilhelmine (Vilma) geborener Pick (1894–1973). Karl vertrat in Wien (Neutorgasse 4) ab ca. 1916 (zeitweise als Gesellschafter) die seit 1884 in Prag in der Michaelsgasse bestehende Hauptniederlassung von Troller’s N. Söhne. Georg Trollers Eltern wohnten zunächst unweit des Firmensitzes an der Adresse Rudolfsplatz 10, übersiedelten später nach Wien-Döbling, Vegagasse 19. In Wien besuchte er das Gymnasium. Im 1. Bezirk lernte Troller zunächst den Beruf des Buchbinders.

Als 1938 der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich erfolgte, wurden die Eigentümer des Unternehmens „N. Troller’s Söhne, Felle im Großen, Wien, 1. Bez., Neutorgasse 4“ Ihres Unternehmens beraubt, ihr Leben wurde bedroht. Georg Stefan Troller floh im Alter von 16 Jahren in die Tschechoslowakei und von dort nach Frankreich, wo er bei Kriegsausbruch interniert wurde. Beim Einmarsch der Deutschen gelang ihm mit zwei anderen Inhaftierten die Flucht aus dem Lager. Sie wollten per Anhalter über die Front und sich den Franzosen anschließen. Sie hatten dabei großes Glück, denn es hielten deutsche Soldaten auf Motorrädern und nahmen sie mit, ohne ihre Ausweise zu kontrollieren. Aus Angst vor Entdeckung vernichtete Troller seine Papiere in einem unbeobachteten Augenblick, was er später sehr bedauerte. 1941 erhielt er in Marseille ein Visum für die USA. Die Eltern konnten über Portugal fliehen. Von 1941 bis 1943 war Troller als Buchbinder tätig. 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und war bis 1946 US-Soldat. Er war am 29. April 1945 an der Befreiung und Dokumentation des KZ Dachau sowie am 1. Mai 1945 an der Einnahme Münchens beteiligt. Aufgrund seiner Deutschkenntnisse wurde er von der US-Armee bei der Vernehmung von Kriegsgefangenen eingesetzt. Zudem wurde er Reporter des Armeesenders Radio München.

Nach Kriegsende versuchte Troller in Österreich heimisch zu werden, fühlte sich dort jedoch fremd. Beim Wiener Sender Rot-Weiß-Rot initiierte er die Sendereihe XY weiß alles. Danach kehrte er in die USA zurück und studierte von 1946 bis 1949 Anglistik mit Abschluss als B. A. an der University of California und Theaterwissenschaft an der Columbia University in New York, wo er 1949 einen Abschluss als M. A. erhielt.

Ein Fulbright-Stipendium für ein Studium an der Sorbonne in Paris führte Troller 1949 nach Europa. Er war 1951 für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Sorbonne eingeschrieben, doch zum Studium kam es nicht mehr, da er ein Angebot des RIAS Berlin (Rundfunk im amerikanischen Sektor) erhielt, für den er fortan als Hörfunkreporter arbeitete. Ab 1952 war er für Medien aus den USA, Kanada, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland Paris-Korrespondent (in Rundfunk, Fernsehen und Presse). In Deutschland wurde er vor allem als WDR-Fernsehreporter in seiner Sendung Pariser Journal (1962–1971) bekannt. Von 1971 an war Troller Sonderkorrespondent des ZDF mit Sitz in Paris. 1972 begann er die ZDF-Sendereihe Personenbeschreibung, in der er im Laufe von 22 Jahren prominente Künstler und unbekannte Zeitgenossen sowie ungewöhnliche Lebensschicksale vorstellte.

Ab 1949 lebte Troller in Paris. Er war Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

2019 erschien in der Literaturzeitschrift Sinn und Form die Druckfassung eines Gesprächs im Begleitprogramm zur Ausstellung „Kinder im Exil“, das am 5. Juli 2016 in der Akademie der Künste geführt wurde. Troller sagte hier: „Ich werde immer wieder gefragt, ob Frankreich oder Amerika meine Heimat ist: Eine Heimat kann man sich nicht wieder aufbauen, das funktioniert nicht.“

Zu seinem 100. Geburtstag wurde er in mehreren Hörfunk- und TV-Beiträgen gewürdigt. 2021 erhielt er nach zahlreichen früheren Ehrungen das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Im Mai 2023 verlieh der PEN Berlin dem 101-jährigen Troller die Ehrenmitgliedschaft.

Das filmische und schriftliche Archiv Georg Stefan Trollers wird in der Deutschen Kinemathek bewahrt.

In den 1940er Jahren schrieb Troller kurze Geschichten und Glossen in Paris (einige dieser Texte wurden erst zu Trollers 100. Geburtstag vom Filmwissenschaftler Wolfgang Jacobsen in dem Buch Der Unnötige veröffentlicht), über die der Journalist Helmut Böttiger befand, bereits in ihnen bemerke man „die unverschnörkelte Direktheit, mit der Troller später in seinen Personenbeschreibungen im Fernsehen berühmt wurde, und den differenzierten, genauen Blick sowie die dialogische Kunst seines Pariser Journals“. Nach eigenen Angaben in 2017 führte Troller zwischen 1200 und 1500 Interviews. Andere Quellen sprachen später von etwa 2000 Interviews und über 170 Filmen.

Im Jahr 1962 begann er im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks mit der Produktion des von der ARD gesendeten Pariser Journals. 1971 wurde er Sonderkorrespondent des ZDF in Paris. Dort begann er mit der siebzig Folgen umfassenden TV-Sendereihe Personenbeschreibung, die für das journalistische Genre des Interviews stilbildend wirkte. Anfänglich war seine betont subjektive Befragungsweise unter Fernsehredakteuren verpönt und nur geduldet, denn Dokumentationen hatten stets das Gebot der Neutralität zu erfüllen. Allmählich wurde seine einfühlsame wie kritische Methode der Personenbefragung jedoch zum Vorbild für viele weitere Journalisten. Ein Beispiel ist die Gesprächsreihe Gero von Boehm begegnet …, die sich in jeder Folge nur einer Persönlichkeit widmete.

Troller war immer daran interessiert, die verborgenen persönlichen Geheimnisse der Interviewten aufzudecken. Die von Journalisten bediente Sensationslust bezeichnete er einmal selbstironisch als „Menschenfresserei, die vom warmen Blut ihrer Opfer lebt“. Zu seinen Vorbildern zählte er Karl Kraus. Trollers primäre Triebfeder jedoch war es nach eigener Aussage immer, seine natürliche, durch Flucht und Verfolgung gesteigerte Menschenscheu zu überwinden. Indem er ausgewählten Menschen jene zeitlosen Fragen stelle, die er an sich selbst habe, habe er damit auch seinen eigenen Erfahrungshorizont als Mensch und Filmemacher erweitert. Troller bezeichnete einerseits die Filmkamera als „Moralische Waffe“ für Menschlichkeit, Freiheit und gegen Diktaturen, merkte aber auch kritisch an, dass die Kamera ein „Mordgerät“ sei, „die gefährlicher sein kann als ein Gewehr“. Dieses bezog er insbesondere auf die Situation, wenn ein aus mehreren Personen bestehendes Filmteam einem Einzelnen gegenüberstand, was auch „anmaßend“ sein konnte.

Troller führte journalistische Gespräche mit Jean-Paul Belmondo, Edith Piaf, Konrad Adenauer, Ingrid Bergman, Orson Welles, Marlene Dietrich, Peter Handke, Ron Kovic, Pablo Picasso, Woody Allen, Gisèle Freund, Josephine Baker, Lauren Hutton, Eduard VIII. und vielen weiteren Persönlichkeiten der Zeitgeschichte.

Aus erster, geschiedener Ehe mit der britischen Journalistin Davina Hughes stammt seine älteste Tochter, Fenn. Ab 1976 war er mit der gebürtigen Hamburgerin Kirsten Lerche verheiratet und hatte mit ihr ebenfalls eine Tochter, Tonka. Seine zweite Frau starb 2018 und wurde auf dem Cimetière de Montmartre beigesetzt. Seine erste Ehefrau, Davina Troller, née Wynne-Hughes, ist in der Nähe seines Grabes beigesetzt.

An Originalschauplätzen drehte Troller eine nachdenkliche Selbstbeschreibung (in erweiterter Form 2009 bei Artemis & Winkler erschienen), die zu seinem 80. und 90. Geburtstag im Bayerischen Fernsehen gezeigt wurde.

Im Jahr 2022 nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft wieder an.

„Österreicher jüdischer Herkunft, den Nazis nur knapp entkommen, heute als Amerikaner in Paris lebend, fühlt sich Troller dem deutschen Sprachraum zugehörig“, heißt es auf dem Klappentext eines Buches über ihn.

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