Georg Moller (* 21. Januar 1784 in Diepholz; † 13. März 1852 in Darmstadt) war ein in Süddeutschland, insbesondere im früheren Großherzogtum Hessen, tätiger Architekt, Stadtplaner und Bauforscher.
Georg Mollers Vater Levin Adolf Moller (1757–1825) entstammte einer alten norwegischen Pastorenfamilie, die sich im 17. Jahrhundert durch die Herausgabe evangelischer Gesangbücher hervortat. Levin Adolf Moller wuchs in Westfalen auf, war als Notar in Celle und seit 1777 als Advokat und Prokurator in Diepholz tätig. Georg Mollers Mutter, Elisabeth von Castelmur (1761–1795), gehörte einem Schweizer Adelsgeschlecht des Oberengadins katholischer Konfession an. Nach deren Tod heiratete Levin Adolf Moller 1797 Amalie Dorothee Flügge, Tochter des Pastors und Übersetzers Heinrich Hermann Flügge.
Georg Moller wuchs in einem gutbürgerlichen Milieu auf, seine Familie hatte Verbindungen über europäische Landesgrenzen und Konfessionen hinweg.
Sein Halbbruder Ernst (1808–1870) begann in der Schweiz eine wissenschaftliche Laufbahn, war 1839–1844 Präsident der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens und wurde 1852 an der Universität Göttingen Professor für Philosophie und Pädagogik. Mütterlicherseits war er mit August Kestner und mit Georg Ludwig Friedrich Laves verwandt. Der Arzt und Revolutionär Georg von Wedekind war durch seine Heirat mit der Tante Wilhelmine Moller ein angeheirateter Onkel Mollers.
Am 2. März 1811 heiratete Georg Moller die Witwe Amalie Merck (1780–1839), geborene Hessemer. Er war so mit der Darmstädter Apothekendynastie Merck, dem Architekten Friedrich Maximilian Hessemer oder den drei, für ihre Nähe zu den revolutionären Bewegungen bekannten Brüder August Ludwig, Karl und Paul Follen verschwägert. Nach Amalies Tod ehelichte Moller am 18. Juli 1839 Helene Hille (1810–1873); mit ihr bekam er den Sohn Friedrich (1840–1903) und die Töchter Caroline (1841–1909) und Amalie (1842–1914).
Georg Moller starb 1852 in Darmstadt im Alter von 68 Jahren. Er wurde auf dem Alten Friedhof von Darmstadt bestattet (Grabstelle: I Mauer 141). Sein Grabmal wurde von Johann Baptist Scholl geschaffen. Das Grab ist ein Ehrengrab.
Ausbildung, Studienreisen und Kontakte
Nach Abschluss des Gymnasiums in Minden im Jahr 1800 nahm Moller ein Architekturstudium bei Diederich Christian Ludwig Witting in Hannover auf. Hier lernte er Friedrich Weinbrenner kennen, dem er 1802 nach Karlsruhe folgte, um seine Studien an der dortigen Bauschule fortzusetzen. Mit beiden Lehrern hielt er auch danach noch ebenso freundschaftlichen Kontakt wie mit Mitschülern bei letzterem, etwa Christoph und Friedrich Arnold und Heinrich Hübsch.
1806 schickte er Zeichnungen aus Karlsruhe nach Hannover, um der heimatlichen Verwaltung seinen Ausbildungsstand und Fleiß zu beweisen und ein staatliches Stipendium für seine Studienreise nach Italien zu erbitten.
In den Jahren 1807–1809 unternahm Georg Moller eine Studienreise nach Rom, wo er entscheidende Impulse durch die dortige deutsche Künstlerkolonie erhielt und sich nicht nur mit Architekten wie z. B. Karl von Fischer, sondern auch mit Malern anfreundete, darunter Johann Christian Reinhart, Joseph Anton Koch und Wilhelm Friedrich Gmelin, und mit Bildhauern wie Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen.
Reisen zur Bildung und zur Pflege von Kontakten führten ihn 1811 in Januar und Februar nach Paris und in Oktober und November nach Köln, 1827 erneut nach Paris und in die Niederlande, von Juli bis September 1830 gemeinsam mit Georg Laves nach England und im Juni 1834 nach München.
Überhaupt stand er über Landes- und Sprachgrenzen hinaus in Kontakt mit zahlreichen Persönlichkeiten, darunter beispielsweise Clemens Wenzeslaus Coudray, Johann Wolfgang Goethe, David Hansemann, Carl Alexander Heideloff, Justus Liebig, Ludwig Persius, Friedrich August Stüler, die britischen Publizisten John Britton, Thomas Leverton Donaldson, Henry Gally Knight und William Whewell oder der französische Schriftsteller und Politiker Ludovic Vitet.
Berufliches Wirken im weltlichen und kirchlichen Umfeld
Noch während seines Italienaufenthaltes wurden die Weichen für Mollers berufliche Zukunft gestellt, maßgeblich von seinem Onkel Georg von Wedekind, der gerade erst im Mai 1809 vom hessischen Großherzog zum Freiherrn geadelt worden war, und von seinem Lehrer Friedrich Weinbrenner.
Obwohl hannoveraner Staatsangehöriger und für den dortigen Staatsdienst vorgesehen, wurde Moller so unmittelbar nach der Rückkehr von seiner Italienreise 1810 Hofbaumeister und Baurat im staatlichen Bauamt des Großherzogtums Hessen-Darmstadt, für das er von nun an tätig war und dessen Bauwesen und -verwaltung er über Jahrzehnte prägte. 1812 wurde er zum Oberbaurat und Mitglied im hessischen Oberbaukolleg ernannt, 1821 zum Wirklichen Rat bei der Oberfinanzkammer, 1831 zum Hofbaudirektor, 1839 zum Geheimen Oberbaurat und 1844 zum hessischen Oberbaudirektor.
Unmittelbar mit seinem Amtsantritt am 1. März 1810 stellte sich ihm die anspruchsvolle Aufgabe, die Residenzstadt Darmstadt zeitgemäß und repräsentativ umzuplanen, wozu auch die Erweiterung der Stadt nach Westen durch die Neue Vorstadt gehörte, die er als rechtwinkliges, dabei flexibles Gerüst um Luisenplatz, Rhein- und Neckarstraße konzipierte und die auch als „Moller-Stadt“ bezeichnet wird. Für die Bebauung der neuen Straßen entwickelte Moller modellhafte Fassadenaufrisse.
Zu seinen Hauptwerken in Darmstadt zählen die St.-Ludwigs-Kirche, der erste katholische Sakralbau der Stadt nach Einführung der Reformation, deren Gestalt an das Pantheon in Rom angelehnt ist, sowie das ehemalige Landestheater, der Luisenplatz und das Logenhaus der Freimaurer – das heutige „Moller-Haus“. Er war Mitglied der Darmstädter Freimaurerloge Johannes der Evangelist zur Eintracht. Darüber hinaus plante er das Staatstheater Mainz, welches durch seine halbkreisförmige Fassade für Aufsehen sorgte, sowie das Stadtschloss Wiesbaden der Herzöge von Nassau, den heutigen Sitz des Hessischen Landtages.
In Darmstadt haben nur zwei von Georg Mollers größeren Bauwerken unversehrt den Zweiten Weltkrieg und andere Zerstörungen überstanden: Das großherzogliche Mausoleum auf der Rosenhöhe sowie die Ludwigsäule auf dem Luisenplatz, während der Rest teilweise zerstört, abgerissen oder stark vereinfacht rekonstruiert wurde.