An diesem Tag

Georg Melchior von Ludolf

Deutscher Rechtswissenschaftler und Assessor am Reichskammergericht zu Wetzlar

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Georg Melchior Ludolf, ab 1712 von Ludolf (* 2. März 1667 in Erfurt; † 1. Februar 1740 in Wetzlar; auch Ludolph), war ein deutscher Jurist und Assessor (Richter) am Reichskammergericht in Wetzlar von 1711 bis zu seinem Tod.

Die Eltern von Georg Melchior Ludolf waren Georg Heinrich Ludolf (1619?–1669), zuletzt kurmainzer Regierungsrat und Mitglied des Rates der Stadt Erfurt, und Martha Benigna, geborene Schmid(t) († 1681). Auch sie stammte aus einer lutherischen Erfurter Ratsherrenfamilie. Heinrich Wilhelm Ludolf war ein Halbbruder von Georg Melchior Ludolf.

Georg Melchior Ludolf heiratete 1694 Sophia Dorothea Faligken (Faulicke) (1668–1740?). Bis zu ihrer Heirat war sie Kammerjungfrau von Herzogin Sophie Charlotte von Sachsen-Eisenach, geborener Prinzessin von Württemberg. Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor, darunter Wilhelmina Henrietta (1696–1724), Mitglied des Damenstifts Verden. Ihre Eltern setzen ihr ein Epitaph im Wetzlarer Dom.

Zunächst erhielt Georg Melchior Ludolf Privatunterricht. Eine erste Immatrikulation an der Universität Erfurt erfolgte bereits 1672 – Georg Melchior Ludolf war gerade 5 Jahre alt! 1681/82 studierte er dort Rechtswissenschaft, was er bis 1685 an der Universität Jena fortsetzte. Dort war einer seiner Lehrer Nikolaus Christoph Freiherr von Lyncker, der sein interesse am Staatsrecht weckte. Er verließ die Universität ohne formalen Abschluss, was im 18. Jahrhundert durchaus üblich war. Seine Promotion erfolgte erst im Zuge des Zulassungsverfahrens als Assessor am Reichskammergericht 1710 durch die Universität Jena.

Nach Ende seines Studiums 1685 ging Georg Melchior Ludolf als Sekretär mit seinem Oheim, dem herzoglich sächsisch-eisenachischen obersten Geheimen Rat Johann Jacob Schmidt, nach Wien. Nach dessen Rückkehr nach Eisenach blieb er ohne Dienstverhältnis zunächst bis 1688 in dessen Haus. 1688 bis 1691 war er Sekretär eines römisch-katholisch gewordenen Herzogs von Holstein, mit dem er wieder nach Wien und weiter bis Niš reiste, wo unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden im Rahmen der Türkenkriege eine Schlacht stattfand. Ab 1690 nahm er die Interessen seines Dienstherren am Kaiserhof wahr. 1691 wechselte er in den Dienst des Herzogs Johann Wilhelm Sachsen-Eisenach, der damals als Militär und Regimentsinhaber in den Diensten der Vereinigten Niederlande stand. 1692 wechselte er erneut, diesmal in die Dienste des älteren Bruders seines bisherigen Dienstherren, des regierenden Herzogs Johann Georg II. von Sachsen-Eisenach. Für ihn war er sowohl Geheimer Sekretär in der Regierungskanzlei als auch Kabinettsekretär. 1697 wechselte er als Hof- und Regierungsrat wieder in die Dienste Johann Wilhelms von Sachsen-Eisenach. Der wiederum beerbte seinen verstorbenen Bruder im Folgejahr. Georg Melchior Ludolf wurde nun Hof- und Regierungsrat in Eisenach, war mehrfach mit Gesandtschaften beauftragt und rückte im Hofrat bis auf den zweiten Platz nach dem Präsidenten auf, den er oft vertrat. Weiter unterrichtete er einen ausgewählten Kreis von Söhnen aus der Eisenacher Oberschicht in Philosophie und Rechtswissenschaft.

1710 verstarb Joachim Andreas von Bernstorff (1629–1710), der seit 1664 die Assessorenstelle innehatte, deren Besetzung der Obersächsische Reichskreis vorschlug. Der Obersächsische Reichskreis konnte theoretisch die Besetzung von vier Assessorenstellen vorschlagen. Da allerdings das Reichskammergericht notorisch unterfinanziert war, reichten die Mittel immer nur zur Besoldung eines seitens des Obersächsischen Reichskreises Vorgeschlagenen aus. Innerhalb des Obersächsischen Reichskreises entfiel das Vorschlagsrecht turnusgemäß auf Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach. Allerdings hatte Kurbrandenburg – das unstrittig am Vorschlagsrecht des Obersächsischen Kreises beteiligt war – zu einem früheren Zeitpunkt auf die Präsentation eines Kandidaten verzichtet und erklärte nun, das nachholen zu wollen. So präsentierte Sachsen Eisenach Georg Melchior Ludolf, Brandenburg aber Friedrich Wilhelm Posadowsky. Das Reichskammergericht ließ beide für die Prüfung zu, hielt beide auch für geeignet. Da der Vorschlag für Georg Melchior Ludolf zuerst beim Gericht eingegangen war, entschied es sich, diesen in das Richterkollegium aufzunehmen. Am 15. Juli 1711 leistete er seinen Amtseid. Auch in Wetzlar erteilte Georg Melchior Ludolf weiterhin Unterricht in den Rechtswissenschaften, nun auch Praktikanten am Reichskammergericht.

1719 bildete Georg Melchior Ludolf zusammen mit seinem Kollegen Philipp Friedrich Dresanus eine Delegation des Reichskammergerichts an den Immerwährenden Reichstag, um eine Reform der Finanzierung des Gerichts zu erreichen. Letztendlich waren sie erfolgreich: Die im Westfälischen Frieden festgesetzte – aber wegen Unterfinanzierung nie erreichte – Zahl von 50 Assessoeren wurde auf 25 reduziert, die Gehälter der Richter dafür im Gegenzug verdoppelt und der Kammerzieler um das 3,5-fache erhöht.

1722 wechselte Georg Melchior Ludolf auf die kurpfälzische Assesorenstelle im Reichskammergericht. Hintergrund war auf seiner Seite, dass dies eine im Protokoll ranghöhere Assessorenstelle war – der Rang der Assessorenstellen richtete sich nach dem Rang der Präsentierenden Fürsten in der Rangordnung des Reiches. Der Pfälzer Kurfürst hatte ein Interesse daran, die von ihm zu besetzende Stelle schnell und reibungslos zu besetzen. Bei einem schon amtierenden Assessor entfiel das aufwändige Prüfungsverfahren und die der Finanznot des Gerichts geschuldete, manchmal recht langen Wartezeit, vor der Aufnahme eines Richters in das Gericht. Die kurpfälzische Assessorenstelle hatte Georg Melchior Ludolf bis zu seinem Tod inne.

Kaiser Karl VI. erhob Georg Melchior Ludolf am 4. Januar 1712 in Frankfurt am Main, mit dem Prädikat „von“ in den Reichsritterstand.

Georg Melchior Ludolf gehört im 18. Jahrhundert zusammen mit Johann Ulrich von Cramer und Johann Heinrich von Harpprecht zu den produktivsten Autoren unter den Assessoren des Reichskammergerichts. Dabei behandelte er eine ganze Zahl von Themen, die das Reichskammergericht betrafen: Verfahren, Zuständigkeiten, Finanzierung, Personalverfassung und Urteilssammlungen. In der Regel schrieb er in Latein. Seine schriftstellerische Tätigkeit ging dabei auch manchmal zu Lasten seiner Tätigkeit als Richter. In Corpus juris cameralis, zuerst 1717 erschienen, dann in 2., veränderte Auflage 1724 erneut, stellte er alle seit 1495 verabschiedeten, das Reichskammergericht betreffenden Rechtsgrundlagen zusammen, die Kammergerichtsordnungen, Reichstagsabschiede, die Texte des Westfälischen Friedens, Visitationsabschiede und -memorialien und weiteres.

Der Expedite Referendarius, oder: Anleitung, wie man Gerichtliche Acten mit Nutzen lesen, geschickt excerpiren, und verständig referiren soll. Denen neu angehenden Juris Practicis auch theils in Judiciis versirenden Personen zum Besten ans Licht gestellet. Frankfurt und Leipzig 1725; Neuauflagen: Wetzlar 1739, 1765.

Discurs von gegenwärtigem Reichs-Tag Zu Regenspurg. Bielcke, Jena 1696.

De introductione iuris primogeniturae tractatus Nomico politicus. Bielk, Jena 1703, Neuauflage 1711.

Als Herausgeber und zusammen mit anderen Autoren: Electa Juris Publici. Worinnen Die Vornehmsten Staats-Affairen in Europa, Besonders in Teutsch-Land, aus bewährtesten Actis Publicis, mit Beyfügung der Schreiben, Memorialien, Conclusorum, Informationen, Responsorum, Kriegs- und Friedens-Sachen In Forma oder durch accuraten Extract recensiret werden. Officina Publica, 1709–1725.

Electa juris publici, Teil 1 1709 (weitere Auflagen: 1711, 1718), Teil 2, 1710.

De Jure foeminarum illustrium, Jena 1711 (Dissertation).

Dissertatio Inauguralis Juridica, De Jure Foeminarum Illvstrivm Inauguraldissertation vom 15. Juli 1710. Jena 1710.

Delineatio juris cameralis brevis et perspicua, 1711; als Commentatio systematica de jure camerali vermehrt 1719; durch Johann Jacob von Zwierlein erweitert 1741.

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