Georg Ludwig Hartig (* 2. September 1764 in Gladenbach; † 2. Februar 1837 in Berlin) war ein deutscher Forstwissenschaftler.
Wie Heinrich Cotta entstammt auch Georg Ludwig Hartig einer forstlich geprägten Familie – schon sein Vater Friedrich Christian Hartig (1734–1815) und Großvater Ernst Friedrich Hartig (1698–1759) übten diesen Forst-Beruf im Hessischen Hinterland aus. Seine Brüder Ernst Friedrich Hartig und Friedrich Karl Hartig wurden ebenfalls Forstwirte und Forstwissenschaftler. Nach einer zweijährigen Lehre hörte der von einem Lehrbrief des Onkels Freigesprochene an der Universität Gießen Kameralwissenschaft, was in der damaligen Zeit für Förster eher ungewöhnlich war. Im Jahre 1786 trat er als Oberförster in Hungen in den Dienst des Fürsten zu Solms-Braunfels und gründete eine forstliche Meisterschule. 1797 berief ihn der Fürst von Oranien-Nassau als Landesforstmeister nach Dillenburg. Dort richtete er wiederum eine Forstschule ein, an der angehende Forstbeamte aus dem In- und Ausland ausgebildet wurden. 1806 folgte er einem Angebot König Friedrichs I. von Württemberg und ging als Oberforstrat der württembergischen Forstverwaltung nach Stuttgart, von wo er 1811 als Oberlandforstmeister und Mitdirektor für Forst- und Jagdangelegenheiten in die preußische Generalverwaltung der Domänen und Forsten nach Berlin berufen wurde. 1821 richtete er an der Universität zu Berlin einen Lehrstuhl für Forstwirtschaft ein, aus dem später die Forstliche Hochschule Eberswalde wurde.
In einem frühen Werk trug Hartig alle damals bekannten Regeln zur Gründung und Pflege von Waldbeständen zusammen. Zu kurzen Lehrsätzen zusammengefasst, veröffentlichte er sie 1791 als Anweisung zur Holzzucht für Förster. Vier Jahre später ließ er seine Anweisung zur Taxation der Forsten folgen, in der er ausformulierte, wie das Prinzip der Nachhaltigkeit in der forstwirtschaftlichen Praxis umgesetzt werden kann. Die Bezeichnung
nachhaltend im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung von Wäldern geht auf den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz zurück. Dieser hatte den Begriff der Nachhaltigkeit schon in seinem 1713 als Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht erschienenen Werk Sylvicultura oeconomica als Erster geprägt.
In einer späteren Auflage von 1804 schrieb Hartig dann die häufig zitierten Sätze zum Nachhaltigkeitsprinzip in der Forstwirtschaft:
Im Folgenden erklärt er, wie die nachhaltige Nutzung des Waldes über das von ihm konzipierte Massenfachwerk erreicht werden kann. Beim Massenfachwerk werden jeder Wirtschaftsperiode Flächen gleicher Haubarkeitsmassen zugewiesen. Für einige ausgewählte Bestände arbeitete Hartig 120- bis 180-jährige Wirtschaftspläne mit genauen Maßgaben zur Behandlung aus. Das sklavische Festhalten an diesen Plänen wurde von Heinrich Cotta angezweifelt und brachte ihm einen unschönen wissenschaftlichen Disput mit dem kritischen Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil ein.
Hartig veröffentlichte 1808 sein Lehrbuch für Förster, das fast siebzig Jahre lang immer wieder aufgelegt wurde. Dieses Standardwerk enthielt auch die Generalregeln zur Bestandesbegründung.
Nach der Niederlage Preußens in den napoleonischen Kriegen reformierte Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom Stein das Staatswesen von Grund auf. Hartig wurde die Stelle des Oberlandforstmeisters angeboten. Vor ihm lag die gewaltige Aufgabe, die völlig desolate Forstverwaltung neu zu strukturieren. Eine schulische Unterrichtung der Förster war seit Jahren ausgesetzt worden. Die Angehörigen des Reitenden Feldjägerkorps waren eher eine militärische Formation als eine Verwaltungseinheit. Sie wurden größtenteils in Naturalien, den so genannten Accidentien, bezahlt, was der Korruption Tür und Tor öffnete.
Hartig konsolidierte den staatlichen Forstbetrieb, indem er unfähige Förster pensionieren ließ und die oft zerstückelte Waldfläche durch Zukauf, Tausch oder Verkauf arrondierte. Es gelang ihm auch, den ungehemmten Verkauf von Staatswald (zur Verbesserung des Haushaltes) zu stoppen. Er übernahm das ihm vertraute süddeutsche Revierförstersystem für die Organisation der Verwaltung. Er führte auch ein neues Taxationsverfahren von Waldflächen ein, nachdem er festgestellt hatte, dass das bisherige Verfahren die Bestände viel zu niedrig bewertete. Die peinlich genaue Beachtung von Grundsätzen der Nachhaltigkeit brachte den Forstleuten sogar die Anerkennung Friedrich Schillers ein, der sich sehr lobend über ihr Wirken äußerte.
Hartig setzte die Gründung einer forstlichen Akademie in Berlin durch, deren erster Direktor auf sein Betreiben Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil wurde. Trotz aller Leistungen erkannte Hartig nicht den Wandel, der durch seine Reformen in Bewegung gesetzt wurde. Sein uneinsichtiges Festhalten an Generalregeln und an einer schematischen Vorgehensweise führte dazu, dass er noch miterleben musste, wie die von ihm geschaffene Ordnung in den preußischen Staatsforsten abgelöst wurde.
Georg Ludwig Hartig starb am 2. Februar 1837 in Berlin. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden. Sie wurde von der Stadt als Ehrengrabstätte Berlins anerkannt.
Insgesamt ist Georg Ludwig Hartig wohl der bedeutendste der so genannten „Forstlichen Klassiker“ (Enzyklopädisten), die einen ungeheuren Einfluss auf die Forstwirtschaft in Deutschland und in der ganzen Welt hatten.
Er war seit 1787 mit Theodora Elisabeth Klipstein (1767–1837), Tochter des Staatsministers Jakob Christian Klipstein (1715–1786) verheiratet. Aus der Ehe gingen sechs Söhne und eine Tochter hervor.
Friedrich Karl Theodor von Hartig (1788–1850), preußischer Forstmeister
Sophie Charlotte Friederike Hartig, ⚭ Theodor Krüger, Oberförster in Peisterwitz bei Brieg
Carl Wilhelm Hartig (1791–1868), Oberförster in Hammer bei Buchholz
Leopold Heinrich Hartig (1793–1815), Leutnant, freiwilliger Jäger
Franz Hartig (1796–1842), Administrator in Wilhelmswalde