Georg Herrnreiter (* 2. Mai 1891 in Reisbach; † 28. Januar 1916 bei Arras) war ein hochdekorierter deutscher Scharfschütze im Ersten Weltkrieg aus dem Mannschaftsstand. Er zeichnete sich u. a. dadurch aus, dass er innerhalb einer relativ kurzen Zeit eine enorme Anzahl an Abschüssen erzielen konnte. Dies lag daran, dass er die Abschüsse größtenteils am Anfang des Krieges erzielte und die Alliierten diese Abschüsse für Zufallstreffer oder Querschläger hielten. Die Alliierten waren zu diesem Zeitpunkt mit dem deutschen Scharfschützenwesen bzw. mit Scharfschützen allgemein nicht vertraut. Erst als sie die ersten Zielfernrohrgewehre in den deutschen Schützengräben entdeckten, erkannten sie, dass es sich um gezielte Schüsse von Scharfschützen handelte.
Namensproblematik/Schreibweise
Für Herrnreiter gibt es vier verschiedene Schreibweisen. So wird er in mehreren Publikationen mit dem Namen Georg Herrenreiter angegeben, so z. B. findet man im Nachruf des Lokalblattes und beim Straßennamen in München die Schreibweise Herrenreiter. In der Stammrolle und auf dem Sterbe/Gebetsbild wird aber der Name Herrnreiter genannt. Im Gemeindearchiv des Marktes Reisbach unterschrieb der Vater 1891 mit Herrnreither. Der damalige Bürgermeister Engel beurkundete die Geburt aber mit dem Namen Hernreiter. Auf dem Kriegerdenkmal von Kirchberg (Gemeinde Kröning) findet man folgende Inschrift: Herrnreither Georg 28.01.1916, Arras, 2. Inf. Rgt., vermisst. Die Gefallenen wurden in der Regel auf den Kriegerdenkmälern des letzten Wohnortes niedergeschrieben. In Reisbach bzw. der näheren Umgebung lässt sich über das Telefonbuch nur der Name bzw. die Schreibweise Herrnreiter finden.
Geboren wurde er am 2. Mai 1891 in Reisbach, als Sohn von Georg und Katharina Herrnreiter. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Erdarbeiter. Nebenbei fiel er strafrechtlich als Wilderer auf.
Am 8. August 1914 wurde er an die Westfront zum 2. Infanterie-Regiment einberufen. Herrnreiter wurde in „Bayerns Goldenem Ehrenbuch“ als verwegener Soldat der 3. Kompanie des 2. Infanterie-Regiments beschrieben. So meldete er sich am 26. September 1914 freiwillig zum täglichen Beziehen eines Baumpostens. Von dieser exponierten und somit gefährlichen Stelle bzw. Stellung gab er wichtige feindliche Truppenbewegungen an die Kompanieführung durch und betätigte sich zusätzlich als Scharfschütze. In der Beschreibung seiner Tätigkeit wird explizit erwähnt, dass Herrnreiter nur „lohnende“ Ziele beschoss. Des Weiteren lenkte er als vorgeschobener Beobachter die eigene Artillerie ins Ziel.
Dabei hatte er teils intensiven feindlichen Beschuss mit Mörsern und gezieltem Einzelbeschuss zu überstehen; u. a. wurde er durch einen Streifschuss verwundet und zwei Gewehre wurden ihm praktisch in der Hand vom Feind zerschossen. Trotzdem hielt er stets in stoischer Ruhe seinen Posten.
Er erzielte 121 bestätigte Tötungen. Einzelne Quellen berichten von 150 Abschüssen. Es ist anzunehmen, dass er die Zahl 121 bis zu seiner Verleihung der Tapferkeitsmedaille erzielte und 150 sein Gesamtergebnis ist. Ihm wurde trotz seiner kriminellen Vergangenheit als Wilderer die Bayerische Tapferkeitsmedaille, die höchste Tapferkeitsauszeichnung Bayerns für Nicht-Offiziere, verliehen. Aufgrund seines einfachen Bildungsniveaus kam er nicht für eine Beförderung zum Unteroffizier in Frage. Herrnreiter fiel, durch einen Granatsplitter tödlich verletzt, am 28. Januar 1916 im Wald von La Folie (Vimyhöhen), bei Givenchy-en-Gohelle, nördlich von Arras.
Sein offizielles Grab ist auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Neuville St. Vaast, Block 2, Grab 196.
Gefechte, gesicherte Teilnahme
Laut seiner Stammrolle nahm er unter anderem gesichert an folgenden Gefechten teil:
Cirey: Gefecht (14. – 15. August 1914)
Saarburg: Schlacht (18. – 20. August 1914)
Ménil: Gefecht (26. – 27. August 1914)
Château de Villiers: Gefecht (28. – 30. August 1914)
Cartigny: Vorhutgefecht (23. September 1914)
Lihons: Vorhutgefecht, Angriff und Stellungskampf (24. September – 16. Oktober 1914)
Höhen westlich von Vimy: Stellungskampf (12. Oktober 1915 – 27. Januar 1916)
La Folie westlich von Vimy: Angriffsgefecht (28. Januar 1916)