Georg Friedrich Schmidt (* 24. Januar 1712 in Schönerlinde bei Berlin; † 25. Januar 1775 in Berlin) war ein deutscher Kupferstecher, Radierer und Pastellmaler, der als Hofkupferstecher unter Friedrich II. wirkte. Er gilt auf seinem Gebiet als ein Meister des friderizianischen Rokokos.
Georg Friedrich Schmidts Eltern waren arme Tuchmacher. Ihr Sohn war eigentlich dazu bestimmt, wie der Vater das Tuchmacherhandwerk zu erlernen. Doch damit war der Knabe keineswegs einverstanden, denn er begeisterte sich schon früh für die zeichnende Kunst. Nachdem die Familie, zu der auch zwei Schwestern des Künstlers zählten, von Schönerlinde, seinem Geburtsort, nach Berlin gezogen war, gestattete man daher dem vierzehnjährigen Georg Friedrich, am unentgeltlichen Zeichenunterricht an der Berliner Kunstakademie teilzunehmen. Nachdem dort sein Talent offensichtlich wurde, gaben die Eltern auf Anraten der Akademielehrer ihren Sohn nach allgemeiner Auffassung beim Kupferstecher Georg Paul Busch 1727 in eine dreijährige Lehre, wohl auch deswegen, weil ein Maler für die künstlerische Ausbildung des jungen Georg Friedrich gerade nicht zur Verfügung stand. Laut Karl von Lützow allerdings soll Schmidts eigentlicher Lehrer der preußische Hofkupferstecher Johann Georg Wolfgang gewesen sein; für Busch hätte der äußerst begabte junge Schmidt nur nebenbei aus finanziellen Gründen als Stecher gearbeitet. Ähnlich schreibt auch Edwin von Campe über Schmidt: „Er erlernte an der Berliner Akademie die Kunst des Kupferstechens und kam dann zu G. P. Busch als Gehilfe, den er an Können bald übertraf.“ Um sich als Künstler zu vervollkommnen, belegte Schmidt neben Zeichenkursen wohl auch Malkurse an der Berliner Kunstakademie, zumal er auch an der Malerei Interesse hatte.
Ab 1730 absolvierte der junge Künstler seinen Militärdienst in der preußischen Armee und wurde dort Kanonier. In seiner Freizeit besuchte er weiterhin die Kunstakademie und arbeitete auf eigene Rechnung als Kupferstecher. Erste Erfolge hatte Schmidt in den frühen 1730er Jahren mit Kupferstich-Porträts des Kronprinzen Friedrich, die er teilweise noch für Georg Paul Busch stach. Mit Genehmigung von Friedrichs Mentor Feldmarschall Friedrich Wilhelm von Grumbkow verließ Schmidt allerdings 1736 vorzeitig den Militärdienst und machte sich selbständig.
Auf der Kunstakademie hatte er Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff kennengelernt, der zu einem langjährigen Freund wurde. Auch mit dem preußischen Hofmaler und Akademiedirektor Antoine Pesne, der wie Knobelsdorff mit Friedrich II. „in intimem, persönlichem Verkehr“ stand, schloss er Freundschaft. Der aus Frankreich stammende Pesne versorgte Schmidt mit einem Empfehlungsschreiben an Nicolas Lancret. Mit dieser Empfehlung ging der deutsche Kupferstecher 1736 nach Paris, um dort sein Stecher-Handwerk zu perfektionieren. Auf dem Weg dorthin begleitete ihn sein Freund, der Dekorationsmaler Friedrich Wilhelm Hoeder, der wie sein anderer Freund Knobelsdorff wohl auch bei Pesne an der Berliner Akademie ausgebildet worden war.
Enge Freundschaft mit Johann Georg Wille
Unterwegs freundete sich Schmidt in Straßburg mit dem Kupferstecher Johann Georg Wille an. Schmidt, Wille und Hoeder trafen Ende Juli 1736 in Paris ein. In der französischen Metropole bezogen Schmidt und Wille mehrere Jahre lang bis zu Schmidts Aufnahme in die Académie royale de peinture et de sculpture eine gemeinsame Wohnung. Wie eng die Beziehung der beiden Künstler war, verdeutlicht Wille rückblickend in seinen Mémoires: Dort erinnert er an die glückliche Freundschaft, die sich zwischen ihm und Schmidt während der Reise von Straßburg nach Paris entwickelte und die in der französischen Metropole „immer stärker und stärker“ wurde, wobei er betont, dass die beiden Künstler in ihrem Denken und Handeln übereinstimmten und „nicht genug davon bekommen konnten, zusammen zu sein“. Langeweile kam dabei nie auf. Wille erwähnt auch, dass der geistreiche Schmidt trotz „edler“ Prinzipien etwas satirischer veranlagt war als er. Weiter beschreibt Wille ausführlich, wie er und Schmidt, des Öfteren „Kohldampf schiebend“, mit ihren Skizzenblöcken ständig die Gegend um Paris unsicher machten, laufend die verschiedensten Motive zeichneten und sich dabei auch immer wieder in allen möglichen Stellungen gegenseitig skizzierten. Laut Wessely war die Freundschaft der beiden Stecher „so innig, dass sie sich [auch] wechselseitig an ihren Kupferplatten betheiligten; einer stach das Portrait, der andere das Beiwerk…“ Als dann Schmidt nach Jahren des gemeinsamen Lebens in eine größere eigene Wohnung zog, fühlte sich Wille einsam und trauerte der glücklich zusammen verlebten Zeit nach, denn wo gebe es zwei andere junge Künstler, die aufrichtigere Freunde seien als Wille und Schmidt! Das freundschaftliche Verhältnis wurde aber trotz der Aufgabe der gemeinsamen Wohnung und auch noch, nachdem Schmidt als Hofkupferstecher nach Berlin berufen worden war (siehe unten), bis zum Lebensende Schmidts aufrechterhalten, wie dem regelmäßigen Briefwechsel der beiden Künstler zu entnehmen ist.
Vervollkommnung der Ausbildung und Erfolge als Stecher in Paris
Friedrich II., der sich bereits als Kronprinz für Schmidt interessiert hatte, unterstützte direkt nach seiner Thronbesteigung 1740 den nach Paris gegangenen Schmidt mit einem Jahrgeld oder einer „Pension“ von 3000 Livre, wodurch sich Schmidt in der französischen Metropole mehr Freiheiten erlauben konnte, sowohl die Fortschritte seiner Kunst als auch private Vergnügungen betreffend.
Schmidt und Wille, der anfänglich für Waffenschmiede Büchsenschäfte mit Gravuren verziert hatte und erst etwas später das hohe Stecherhandwerk erlernte, fanden in Pariser Künstlerkreisen relativ schnell Kontakte zum Hofmaler Hyacinthe Rigaud und zum Präsidenten der königlichen Kunstakademie Nicolas de Largillière. Während Wille sich zunächst mit Verzierungen von Gewehren durchschlug und sich in der Kupferstichtechnik noch intensiver schulen musste, hatte Schmidt es dem Empfehlungsschreiben Pesnes zu verdanken, dass ihm Lancret einen Platz in der Werkstatt seines Stechers Nicolas de Larmessin (1684–1755) verschaffte. Larmessin, der „Graveur du Roy“, nahm Schmidt als seinen Schüler in die Werkstatt, die er in seinem Haus betrieb, auf, wo er eine siebenmonatige Ausbildung absolvierte. In dieser Zeit entstanden einige Stiche nach Werken Lancrets („Die schöne Griechin“; „Der verliebte Türke“). Schmidt erwarb sich unter Larmessin einen hervorragenden Ruf, perfektionierte sein Stecherhandwerk und stach eine Weile im Auftrag von Kunsthändlern und für andere Künstler Porträts. In der Anfangszeit machte er dabei sogar zahlreiche Überstunden, wenn er etwa in den frühesten Morgenstunden und an Sonn- und Festtagen für den Verleger Michel Odieuvre einige kleine Bildnisse stach, um sich ein Zubrot zu verdienen.
Um 1740 konnte er sich allmählich selbstständig machen. Dabei half ihm Rigaud, der ihm 1739 erlaubt hatte, sein Ölporträt des Grafen d’Evreux zu stechen. Schmidts Kupferstich, der zur vollen Zufriedenheit des Malers und des Grafen ausfiel, fand auch den Beifall der Kunstfreunde. Dazu trug bei, dass Schmidt sich die um 1740 erfundene und zum Erfolg entwickelnde Crayonmanier zu Eigen machte. Nach weiteren erfolgreichen Stichen, etwa dem nach einem Gemälde von Rigaud gestochenen Porträt des Erzbischofs von Cambrai, Louis Charles de Saint-Albin (1741), erteilte 1742 König Ludwig XV. der königlichen Kunstakademie eine Sondergenehmigung, den Protestanten Schmidt in die sonst nur für katholische Künstler zugängliche Institution aufzunehmen. In der Zwischenzeit hatte Schmidt geholfen, seinen Freund Wille soweit in der Kupferstichtechnik auszubilden, dass dieser an seinen Werken mitwirken konnte. Durch einen Porträt-Stich nach Rigaud war Wille 1743 sogar zu einem ersten eigenständigen Erfolg gekommen.
Im gleichen Jahr stach Schmidt in Paris ein Porträt Friedrichs II., wie 1742 bereits Wille. Ihre Vorlage war vermutlich ein für den französischen Hof bestimmtes Gemälde Pesnes, das der preußische Hofmaler 1742 durch die Wiederholung seines Kronprinzenporträts aus dem Jahr 1738 angefertigt hatte. Als Vorbild könnte aber auch ein 1740 und 1741 veröffentlichter Porträtstich von Johann Georg Wolfgang gedient haben. Zur Kupferstichversion von Wille, die derjenigen von Schmidt recht ähnlich sieht, aber in der Ausführung etwas härter und im Beiwerk nüchterner wirkt, meinte allerdings Charles Étienne Jordan, dass er nur wenig Ähnlichkeit [mit dem Monarchen] darauf habe entdecken können.