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Georg Friedrich Daumer

Deutscher Religionsphilosoph und Lehrer von Kaspar Hauser (1800-1875)

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Georg Friedrich Daumer (* 5. März 1800 in Nürnberg; † 13. Dezember 1875 in Würzburg, Pseudonyme: Dr. Amadeus Ottokar, Eusebius Emmeran) war ein deutscher Religionsphilosoph und Lyriker. Bekannt wurde er auch als Erzieher von Kaspar Hauser.

Georg Friedrich Daumer war der Sohn eines Nürnberger Kürschnermeisters. Er besuchte das Aegidianum oder Egidiengymnasium in Nürnberg, wo Georg Wilhelm Friedrich Hegel damals Rektor war. Seit 1933 heißt es Melanchthon-Gymnasium.

Nach seinem Schulabschluss begann er 1817 ein Studium der Theologie an der Universität Erlangen. Während seines Studiums wurde er in Erlangen im Winter-Semester 1817/18 Mitglied der Burschenschaft der Bubenreuther. In Erlangen schloss er sich einem pietistischen Studentenzirkel an, dessen asketisches Selbstverständnis Daumer für den Rest seines Lebens prägte: Ein Kommilitone starb an einer Selbstkastration, ein anderer verfiel dem Wahnsinn, in einer parallel dazu agierenden Gemeinschaft kam es zu einem Selbstmord, ein beamteter Theologe wurde wegen eines Sittlichkeitsdeliktes aus dem Amt entfernt. Daumer selbst versuchte, durch neuntägiges Fasten seinem Leben ein Ende zu machen. Der Philosoph Ludwig Feuerbach, einer der wenigen Freunde, die er besaß, bezeichnete die Erlanger Studentengemeinschaft damals als pietistische Mistpfütze. Daumers Predigt-Konzepte wurden von seinen Professoren als zu rationalistisch oder zu mystisch kritisiert. Schließlich brach er das Studium ab und wechselte nach Leipzig zum Fach Philologie.

Nach Beendigung seines Philologiestudiums wurde Daumer 1822 Lehrer an der Lateinschule und bald darauf 1823 Professor an seinem ehemaligen Gymnasium in Nürnberg. Konflikte mit seinem Rektor, anhaltende Kränklichkeit und Augenleiden zwangen ihn jedoch schon 1828 zu vorläufiger und 1830 zu endgültiger Pensionierung.

Im Juli 1828 wurde Daumer vom Nürnberger Rat mit der Erziehung des Findlings Kaspar Hauser betraut, den er in seine Wohnung aufnahm. Nachdem Hauser dort im Oktober 1829 angeblich Opfer eines Attentats geworden war, schien seine Sicherheit bei Daumer, dessen Gesundheit sich weiter verschlechtert hatte, nicht mehr gewährleistet. Kaspar Hauser wurde bei der Kaufmannsfamilie Biberbach untergebracht. In den folgenden Jahren verfasste Daumer insgesamt vier Publikationen über Hausers mysteriöse Herkunft und über seine Entwicklung.

1834 heiratete Daumer Marie Friederike Rose, die Schwester von Heinrich Rose, dem Rektor der Nürnberger Gewerbeschule. Die Ehe gestaltete sich durch Geldmangel, schlechte Küche und Eifersucht sehr schwierig. Das Ehepaar lebte öfter getrennt.

1840 gründete Daumer mit seinem Schwager den 1. Deutschen Tierschutzverein. Sie erhielten eine briefliche Beifallskundgebung von König Ludwig I. von Bayern.

1844 wurde die Tochter Ottilie geboren.

1856 zog Daumer mit der Familie nach Frankfurt am Main und 1860 nach Würzburg. Er wirkte dort als Privatgelehrter und bestritt seinen Lebensunterhalt mit einer kleinen Pension, geringen Einnahmen aus seinen Schriften und mit finanzieller Unterstützung seiner Brüder.

Am 15. August 1858 trat Daumer zum Katholizismus über.

Im November 1874 erlitt Daumer einen Schlaganfall. Gottlieb von Tucher, Nürnberg und Marie Amalie von Baden unterstützten ihn finanziell.

Am 13. Dezember 1875 starb Georg Friedrich Daumer in Würzburg.

Auf seinem Grabstein in Würzburg stehen die Worte

(„Der einmal als Saulus die Spur des Paulus betrat“).

Aufgrund seiner Erlanger Erfahrungen entwickelte sich Daumer zu einem scharfen Kritiker des protestantischen Christentums, insbesondere des Pietismus.

Seine frühen Werke basieren auf den Einflüssen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Franz von Baader und Jakob Böhme und weisen romantisch-theosophischen Charakter auf.

Mit der 1832 erschienenen Schrift Ist die Cholera Morbus ein Strafgericht Gottes? griff er erstmals das Christentum offen an. Er warf darin den Predigern, die in der damals grassierenden Cholera-Epidemie eine Strafe Gottes sahen, alttestamentliches Denken vor.

Mit der Schrift Der Feuer- und Molochdienst der alten Hebräer, die 1842 veröffentlicht wurde, versuchte er nachzuweisen, dass die ursprüngliche Religion der alten Hebräer der Molochdienst gewesen sei, der sich erst später zu humaneren Formen gewendet habe und noch in dem alten Jahwe-Bild fortlebe. Seine Ansichten kulminierten in dem Satz Jehova und Moloch waren ursprünglich ganz ein und derselbe Gott. Im selben Jahr 1842 publizierte in Nürnberg sein Freund Friedrich Wilhelm Ghillany eine ebenso unwissenschaftliche wie judenfeindliche Schrift.

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