Georg Ernst Stahl (* 21. oder 22. Oktober 1659 in Ansbach; † 14. Mai 1734 in Berlin) war ein deutscher Alchemist, Chemiker, Mediziner, Hof- und Leibarzt sowie Metallurg, der als Professor der Medizinischen Fakultät in Halle (Saale) wirkte. Als Chemiker entwickelte er die Theorie vom hypothetischen „Phlogiston“, als Mediziner war er Vertreter der auch als frühe Form eines psychodynamischen Krankheitskonzepts angesehenen Anima-Lehre.
Georg Ernst Stahls Großeltern waren Johann Burkhard Meelführer (1603–1637; Sohn von Johannes Meelführer) und die Pfarrerstochter Anne Margaretha Cöler (andere Schreibweise Köhler) (1607–1652). G. E. Stahls Eltern, miteinander seit dem 28. April 1655 verheiratet, waren Johann Lorenz Stahl (1620–1698), seines Zeichens Hofratssekretär in Ansbach, dann ab 1664 Konsistorialsekretär und 1672 Ehegerichtssekretär (nach anderen Quellen evangelischer Pfarrer) in Ansbach und seine Mutter Marie Sophie Meelführer (1635–1680).
Nach Besuch des Gymnasiums in Ansbach, das damals mit der Mark Brandenburg (als Fürstentum Ansbach) assoziiert war, studierte Stahl ab 1679 in Jena Medizin und Chemie, zusammen mit Friedrich Hoffmann jr. (1660–1742), der ihm später half, einen Ruf für seine Professur in Halle (Saale) zu erlangen. Stahl war ein gottesfürchtiger Mensch und durch den im lutherischen Ansbach vorherrschenden Pietismus geprägt. Er hörte intensiv Vorlesungen von Georg Wolfgang Wedel. Im Jahre 1684 wurde Stahl in Jena promoviert; der Titel seiner Dissertation lautet De intestinis: eorumque morbis ac symptomatis, cognoscendis & curandis. Kurz darauf habilitierte er sich an der Universität Halae Magdeburgicae mit dem Titel Propempticon inaugurale, de fistula lacrymali (1702) und nahm eine Lehrtätigkeit auf.
1687 wurde er Hofarzt des Herzogs Johann Ernst von Sachsen-Weimar und erhielt 1694 eine Stelle als Professor der Medizin an der im Jahr zuvor neu gegründeten Universität Halle. In Halle (Saale) heiratete er 1694 Catharina Margarethe Miculci (1668–1696) aus Zerbst. Sie starb im Wochenbett, das frisch geborene Töchterchen drei Monate später. Seine zweite, ihm 1705 angetraute Frau Barbara Eleonore Tentzel (1686–1706) aus Halle (Saale) ereilte – kaum 20 Jahre alt – das gleiche Schicksal. Beide Schicksalsschläge beeinflussten den Charakter dieses sensiblen Menschen nachhaltig. Gegner nannten ihn deshalb einen Misanthropen, da er sich im gesellschaftlichen Umgang starr und verschlossen gezeigt haben soll. Durch seinen Dogmatismus versammelte er keinen ernstzunehmenden Kreis von Schülern um sich. Als einen seiner bedeutendsten Schüler nennt Stahl den auch durch Albrecht von Haller gerühmten Johann Simon Bauermüller, welcher in Würzburg Garnisonsmedikus sowie Professor für Anatomie und Chirurgie wurde. Ein weiterer in Würzburg tätig gewordener Schüler Stahls war der 1699 in Halle promovierte Anatom Johann Michael Glaschke († 1731). Der Hallenser Mediziner Johann Juncker war einer der eifrigsten Verteidiger von Georg Ernst Stahl. Einen wichtigen Einfluss hatte er auf die Schule von Montpellier.
Im Jahr 1715 wurde Stahl als Leibarzt des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm I. berufen und ihm die Position als Präsident des Collegium-Medicum in Berlin angetragen. Dies führte zur Errichtung einer Ausbildungsstätte für Medizin. Am 27. September 1725 erließ Friedrich Wilhelm I., der sogenannte Soldatenkönig, das Allgemeine und neu geschärfte Medicinal-Edict. Den Entwurf zu diesem Edikt hatte Stahl in Zusammenarbeit mit dem brandenburgischen Leibarzt Johann Theodor Eller erstellt. Erstmals wurde damit die Ausbildung der Apotheker gesetzlich geregelt.
Sein umfangreiches Werk – Stahl hinterließ insgesamt fast 240 Publikationen – ist in teilweise unverständlicher Weise formuliert, was, obgleich die deutsche Klinik durch die Stahlsche Schule beeinflusst war, eine weitreichende Rezeption verhinderte.
Georg Ernst Stahl war drei Mal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er mit Catharina Margaretha Miculcin (± 1668; † 15. Mai 1696 Halle (Saale)). Seine zweite Ehe schloss er am 12. Februar 1705 in Halle (Saale) mit Barbara Eleonora Tentzel (* 27. Mai 1686 in Halle; † 17. April 1706 ebenda), der Tochter des kurfürstlich brandenburgischen Steuerrats in Halle (Saale) Johann Christian Tentzel. Seine dritte Ehe ging er 26. Februar 1711 in Halle (Saale) mit Regina Elisabeth Wesener (* 30. September 1683 in Halle (Saale); † 10. November 1730 ebenda), der Tochter des Stadtarztes in Halle Wolfgang Christoph Wesener (1640–1706), ein.
Johann August Stahl (* 9. Dezember 1694 in Halle (Saale))
Christina Catharina Sophia Stahl (* April 1696 in Halle (Saale); † 17. Juli 1696 ebenda)
Eleonora Stahl (* 12. April 1706 in Halle (Saale); † 16. Oktober 1708 ebenda)
Regina Ernestina (* 9. Januar 1712), verheiratet mit Johann August Arends (1702–1747)
Georg Ernst Stahl der Jüngere (* 6. Mai 1713 in Halle (Saale), † 1772 in Berlin), Arzt in Berlin, verheiratet mit Johanna Elisabeth Schrader (1725–1763), Tochter des Apothekers Johann Christoph Schrader (1683–1744).
Johann Christoph Stahl (* 10. August 1714 in Halle (Saale))
Catharina Charlotta Louisa Stahl (1717–1784) verh. 1735 mit Johann Samuel Friedrich von Böhmer (1704–1772) königlich preußischer Hofrat u. Prof. jur. Uni. Halle
Sophia Rosina Stahl verh. 1740 mit dem Hofkriminalrat und Postrat in Berlin Johann Georg Buchholtz (1714–1771) in Berlin
Wissenschaftliche Beiträge und Ansichten
Stahl tritt in seiner Fundamenta chymiae dogmaticae et experimentalis (1723) für eine Trennung einer chymia experimentalis und einer chymia rationalis ein.
Sein Prinzip der genauen Entsprechung von Zerlegung (vergleiche Analytische Chemie) und Zusammensetzung (Synthese) zur chemischen Bestimmung eines chemischen Körpers, stellte einen Fortschritt für die sogenannte chymia experimentalis dar; für Stahl ein Prinzip, dem er konsequent bei seinen Arbeiten folgte.