Georg Emmerich (* 1422 in Glatz, Königreich Böhmen; † 21. Januar 1507 in Görlitz, auch Georg Emerich geschrieben) war ein reicher Kaufmann und mehrmals Bürgermeister von Görlitz (1483, 1488, 1494, 1498, 1502). Er war an der Erbauung des Heiligen Grabes zu Görlitz beteiligt, Vater des Rektors in Bologna Caspar Emmerich und Urgroßvater des Görlitzer Bürgermeisters Hans Emmerich.
Seine Liebschaft mit der Tochter des Nikolaus Horschel steht in unmittelbarerem Zusammenhang mit der Görlitzer Pulververschwörung.
Georgs Mutter hieß Margarethe Sauermann und kam aus Breslau.
Georgs Vater Urban Emmerich, ein reicher Kaufmann und Bürgermeister aus dem Geschlecht der Emmerich, wanderte etwa zehn Jahre nach Georgs Geburt nach Görlitz ein. Er brachte die „Stadtbehörde“ hauptsächlich unter seinen Einfluss, nachdem er Margarethe, Tochter des Bürgermeisters Paul Rinkengießer, geheiratet hatte, der die Grundlage dieses Einflusses gewesen ist. Agneta von der Heide war seit 1459 in Görlitz seine dritte Ehefrau.
Georgs älterer Bruder hieß ebenfalls Urban (* um 1400 in Glatz oder Leopoldshain bei Görlitz), seine drei Schwestern Dorothea, Hedwig und Regina und seine zwei jüngeren Halbgeschwister Margarethe Wenzel. Nikel Emrich, wohnhaft in Lauban, dessen Tochter Anna den Hans von Stromnitz, Kanzler von Glogau geheiratet habe, ist nach der Emrichschen Familienchronik ein weiterer Halbbruder aus dieser Ehe, was Richard Jecht aber bezweifelte, da er in den vollständig erhaltenen Görlitzer Stadtbüchern dieser Zeit nicht zu finden ist.
Georg sei ein „(fast) sehr langer Mann“ mit „lang grau Haar“ gewesen, habe als Kleidung eine Schaube oder Pelz von schwarzem Otterfutter mit Peuscheln und ein „Leibröcklein“ getragen und sei durch seine Körperstatur in Quellen auch als „der lange Georg“ bezeichnet worden. Sein Haus, der große Brauhof am Untermarkt 1, den schon sein Vater Urban, zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Ermelreichs (Franziskus Ermelreich und seine Kinder) und darauffolgend Paul Rinkengießer besaßen, stand „in der Webergasse an der Ecke des Untermarktes und reichte bis zu Bäckergasse“. Es wurde 1853 bei der Verbreiterung der Webergasse abgebrochen. Georg hielt sich an die Stadtverordnungen und verlangte dies auch von den Bürgern. Seine Schrift ist zwar nicht leicht leserlich, wie aus einer Reihe von seinen Originalschreiben festgestellt wurde, aber sein Schreibstil, im Gegensatz zu dem seines Unterstützers Johannes Frauenburg, klar, kurz, sachlich, mit einfacher Satzbildung und in diesem Sinne „modern“, wie Jecht beschreibt. Er sei auch „gewaltig und so verhalten gewesen“, dass ihm niemand gerne widersprochen habe. Seinen Reichtum habe er sich zwar ehrlich aber auch zum Schaden der Stadt und mit „vielfältiger Beschwerung von Arm und reich erworben“. In seine Fußstapfen als größter Kaufmann der Stadt Ende des 15. Jahrhunderts trat sein jüngerer Zeitgenosse Hans Frenzel, der seine Lehre als Handelsdiener zumindest gegenüber seinen Eltern sehr sparsam begann und einen Zuschuss ablehnte, weil er sie nicht „unnützlich“ ums Geld bringen wollte. Hans besaß seit 1499 den Brauhof Untermarkt 5.
Georg studierte in Leipzig nach Jecht Jura und erwarb im Wintersemester 1453 das Baccalaureat, das allerdings nur in der Philosophischen Fakultät verzeichnet ist. Nach Waldemar Lippert (1901) war die Baccalaureusprüfung am 9. März 1454. Erst Anfang der 1460er Jahre kehrte er nach Görlitz zurück. Möglicherweise machte er noch in Leipzig Handelsgeschäfte, die er später nach Görlitz verlagerte.
Nach Görlitz zurückgekehrt, entwickelte er sich durch seine scheinbare, nicht immer rücksichtsvolle Zuneigung zu Frauen bereits zu einem Ärgernis.
Georg sorgte für Familienstreitigkeiten durch die Liebschaft mit der Tochter Benigna Horschel des benachbarten Görlitzer Tuchmachers und hochrangigen Ratsherrn Nikolaus Horschel. Diese wurde 1464 schwanger, doch die Familie Emmerich verweigerte die Ehe. Gunhild Roth berichtet von einer Vergewaltigung Benigna Horschels am Pfingstsonntag des Jahres 1464 im Haus ihres Vaters durch Georg Emmerich. Eine Schwangerschaft sei nicht nachweisbar. Die Familie Horschel habe daraufhin „die übliche Strafe für solche Vergehen“, nämlich Heirat, materielle Genugtuung und Buße gefordert. Der Streit beider Familien wurde in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Der Rat zog Georg Emmerich wegen der darauf gefolgten „Ausschreitungen“ zur Rechenschaft und nicht wegen der Sache selbst, die weil sie geistlich gewesen ist auch mehr ein Fall für den Offizial zu Bautzen und in nächster Instanz den Bischof zu Meißen gewesen wäre. Georg Emmerichs Vater Urban gelobte die Zahlung von 800 rheinischen Gulden zu Weihnachten 1464. Dass Urban Emmerich Senior am 10. Oktober erneut Bürgermeister wurde, ist möglicherweise der Grund dafür, dass er die Zahlung dieser enormen Summe abwenden konnte. Offenbar verklagt Georg Emmerich Benignas Vater und ihren Onkel Martin Lauterbach später sogar noch in Leipzig, woraufhin einige Zeit später der Rat Partei gegen die Familie Horschel ergreift.
Nikolaus Horschel und Martin Lauterbach gehörten zu den Beteiligten der Görlitzer Pulververschwörung, einem Konflikt von 1466–1468 zwischen dem Görlitzer Stadtrat und dem böhmischen König Georg von Podiebrad, der Ende Dezember 1466 von Papst Paul II. für abgesetzt erklärt wurde. „Nickel“ Horschel stand auf Seiten Georg von Podiebrads, der mit dem ungarischen König Matthias Corvinus im Streit um die böhmische Krone stand. Corvinus war seit 1461 mit Georgs Tochter Katharina (* 1449) verheiratet, die aber schon Anfang 1464 nach einer Totgeburt verstarb. Georg Emmerich stand mit Johannes Frauenburg, der Emmerichs Partei folgte, auf Seiten Matthias’, der sich letztendlich auch durchsetzte, weil Georg von Podiebrad 1471 verstarb.
Die Pilgerreise nach Jerusalem, die er 1465 auf geistlichen Rat und wohl auch auf Bemühen seines Vaters antrat, war nicht nur Ausdruck tiefer Religiosität, sie endete für Emmerich auch mit der Absolution seiner Sünden: er wurde am 11. Juli zum Ritter des Ritterorden vom Heiligen Grab geschlagen. Als er zurück nach Görlitz kam, folgte er seinem Vater, Urban Emmerich, als Schöppe und Bürgermeister. 1470 wurde er Ratsherr und übte dieses Amt bis in das Jahr vor seinem Tod aus. Von 1479 bis 1502 kaufte er sich die Dörfer Thielitz, Nickrisch, Leopoldshain, Stolzenberg, Hermsdorf, Lissa, Zodel, Hennersdorf, Sohra, Neundorf, Sercha, Stadt Schönberg, Halbendorf und Leschwitz. 1478 unternahm er eine politische Geschäftsreise, die über Dresden, Regensburg und Pressburg nach Ofen zu Matthias Corvinus führte. 1481 saß er fest und wohlangesehen im Sattel der städtischen Politik, als der Bau des Heiligen Grabes begann. Nach einigen Jahren ließ er das Spital gegenüber der Frauenkirche erbauen.
Nach seiner Jerusalemreise heiratete Emmerich spätestens im Januar 1468 die vermögende Barbara Knebel aus Breslau, Tochter der Dorothea von Hörnig und des Breslauer Ratsherren Georg Knebel († 1452), und kam so „zum großen Teil“ seines Vermögens, wenn weitere Güter trotzdem erst nach seiner zweiten Ehe hinzukamen. Bis etwa 1480 hatte er nur Nickrisch und das durch seinen Vater ererbte Ludwigsdorf besessen. Die meisten der späteren Güter Georg Emmerichs habe Georg Knebel besessen – was in der Zwischenzeit seit 1452 damit geschah, ließ Oskar Pusch offen. Mit Barbara Knebel hatte Georg Emmerich neun Kinder. Nach dem Tod der Gattin heiratete er Ende der 1470er Jahre Peter Eschlauers Tochter Klara, die ihm drei Kinder gebar.
Georg Emmerich starb 1507 und wurde auf dem Nikolaifriedhof in Görlitz bestattet.
Das Testament, das er hinterlassen hatte, war „in sehr ungleicher Weise“ unter seinen Kindern aufgeteilt. Es entstand ein Rechtsstreit ums Erbe bis ins Jahr 1512.
Kinder aus erster Ehe (Barbara Knebel): Peter, Martin, Hans der Ältere, Katharina, Apollonia, Barbara, Magdalena, Margaretha und Dorothea und aus zweiter Ehe (Klara Eschlauer): Caspar, Hans der Jüngere und Anna
Martin Luther soll Georg Emmerich einst den „(ungekrönten) König von Görlitz“ genannt haben. Dieses Gerücht ist nicht mehr nachweisbar, hält sich aber in der Lokalüberlieferung. So sei Emmerich von Luther „irgendwo“ so genannt worden (Manlius Hoffmann).