Georg Christoph Anton Wagenseil (* 29. Januar 1715 in Wien; † 1. März 1777 in Wien) war ein österreichischer Komponist der Vorklassik.
Er wurde als Sohn aus einem Augsburger Kaufmannsgeschlecht in Wien geboren und vom Hofkapellmeister Johann Joseph Fux ausgebildet. Wagenseil wurde 1736 als „Hofscholar in der Composition“ aufgenommen. Sein frühestes bekanntes Werk für den Wiener Kaiserhof ist die Missa spei, die am 6. Mai 1736 in der Schlosskapelle Laxenburg erklang. 1739 wurde Wagenseil offiziell zum Hofkomponisten ernannt. Er war zeitweilig auch als Organist und Cembalo-Spieler angestellt. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Josef Anton Steffan und Johann Baptist Schenk. Auch Marie-Antoinette brachte er das Klavierspiel bei; berühmt ist eine Episode, in der der junge Wolfgang Amadeus Mozart am Kaiserhof eines von Wagenseils Stücken vorspielt und diesen umzublättern bittet.
Wagenseil ist zwar heute weitgehend vergessen, war aber ein bekannter Musiker seiner Tage – was zu Zeiten von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart, die seine Werke kannten, viel zu bedeuten hat. Unter Posaunisten ist sein Concerto per trombone bis heute ein beliebtes Werk.
Er komponierte Opern, geistliche Musik, Symphonien, Konzerte, Klavier- und Kammermusik. Als Komponist gehörte er zusammen mit Matthias Georg Monn und Carl Ditters von Dittersdorf zur Frühen Wiener Schule. In seinen über hundert Sinfonien zeigt er sich dem frühen Haydn verwandt und der Mannheimer Schule verhaftet.
Im Jahre 1777 starb er an Lungensucht.
Mit Johann Christoph Wagenseil und Christian Jakob Wagenseil ist er nur entfernt verwandt.
Im Jahr 1912 wurde die Wagenseilgasse im 12. Wiener Bezirk Meidling nach dem Komponisten benannt.
Die folgenden Listen der Vokalwerke basieren auf den Angaben bei Grove Music Online und Corago.
Ariodante, dramma per musica in drei Akten; Libretto: Antonio Salvi nach Ludovico Ariosto; Herbst 1745, Venedig, Teatro San Giovanni Grisostomo; 1746 in Wien
La generosità trionfante, dramma per musica in drei Akten; Libretto: Francesco Silvani; 4. Oktober 1745, Wien, Burgtheater
La clemenza di Tito, dramma per musica in drei Akten; Libretto: Pietro Metastasio; 15. Oktober 1746, Wien, Burgtheater
Demetrio, dramma per musica in drei Akten (auch Egidio Duni zugeschrieben); Libretto: Pietro Metastasio; 26. Dezember 1746, Florenz, Teatro della Pergola; auch 1754 und 1760 in Prag, 1760 in Mailand, 1764 und 1778 in Lodi
Alessandro nell’Indie, Oper in drei Akten; Libretto: Pietro Metastasio; 11. August 1748, Wien, Burgtheater
Il Siroe, dramma per musica in drei Akten; Libretto: Pietro Metastasio; 4. Oktober 1748, Wien, Burgtheater
L’olimpiade, Oper in drei Akten; Libretto: Pietro Metastasio; 14. Mai 1749, Wien, Hoftheater
Antigono, dramma per musica in drei Akten; Libretto: Pietro Metastasio; 14. Mai 1750, Wien, Schönbrunn
Vincislao, dramma per musica; Libretto: Apostolo Zeno; 8. Dezember 1750, Wien, Schlosstheater
Le cacciatrici amanti, festa teatrale in zwei Akten, Libretto: Giacomo Durazzo; 25. Juni 1755, Wien, Laxenburg