An diesem Tag

Georg Christoph Lichtenberg

Deutscher Naturforscher, Hochschullehrer und Schriftsteller (1742-1799)

Anúncio

Georg Christoph Lichtenberg (* 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt; † 24. Februar 1799 in Göttingen) war ein Physiker, Naturforscher, Mathematiker, Schriftsteller und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik im Zeitalter der Aufklärung. Lichtenberg gilt als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus.

Georg Christoph Lichtenberg war, nach acht Totgeburten, das neunte, lebendgeborene, und gleichzeitig jüngste Kind aus der Ehe des protestantischen Pfarrers Johann Conrad Lichtenberg (1689–1751) und dessen Frau Catharina Henriette, geb. Eckard (1696–1764). 1745 zog die Familie nach Darmstadt, nachdem der Vater am 29. März 1745 zum dortigen Stadtprediger ernannt worden war. Zunächst in der Stadtschule unterrichtet, besuchte er (wie zuvor schon ab 1704 sein Vater) seit 1752 das Darmstädter Pädagog. Während der Schulzeit, die er 1761 abschloss, wurde er mehrfach als hervorragender Schüler öffentlich ausgezeichnet.

Dank eines landgräflichen Stipendiums, das mit der von Lichtenberg allerdings nie eingelösten Auflage verbunden war, nach dem Studium Professor an der heimatlichen Universität Gießen zu werden, und das in seiner Höhe von insgesamt 400 Gulden nicht länger als zwei Jahre ausreichte, konnte er sich am 21. Mai 1763 an der Universität Göttingen immatrikulieren. Dort studierte er, unter anderem bei Abraham Gotthelf Kästner, Johann Christoph Gatterer, Gottfried Achenwall und Christian Wilhelm Büttner, bis 1767 Mathematik, Physik, zivile und militärische Baukunst, Ästhetik, englische Sprache und Literatur, Staatengeschichte Europas, Diplomatik und Philosophie. Seinen Lebensunterhalt sicherte er sich schon in den letzten Jahren seines Studiums und noch danach durch Korrekturlesen, vor allem aber als Informator oder Hofmeister wohlhabender englischer Studenten der Universität, welche durch die Personalunion eng mit Großbritannien verbunden war.

Im April 1770 reiste Lichtenberg in Begleitung von zweien seiner englischen Studenten zum ersten Mal nach London. Dort traf er mit Georg III., dem König von Großbritannien und Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg in Hannover, in der königlichen Sternwarte in Richmond upon Thames zusammen, worauf dieser die Ernennung Lichtenbergs zum außerordentlichen Professor für Philosophie empfahl. Der erste Kurator und eigentliche Gründungsrektor der Göttinger Universität, Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen, vollzog die Ernennung Ende Mai.

Lichtenbergs sogleich zum Wintersemester 1770/71 aufgenommene Lehrtätigkeit (Antrittsvorlesung: Betrachtungen über einige Methoden, eine gewisse Schwierigkeit in der Berechnung der Wahrscheinlichkeit beim Spiel zu heben), wurde in den Jahren 1772/73 durch den amtlichen Auftrag zu astronomischen Ortsbestimmungen im Kurfürstentum Hannover unterbrochen. 1772 reiste Lichtenberg dafür zunächst über Hannover (Treffen mit dem Arzt Johann Georg Zimmermann und dem jüdischen Gelehrten und Leibniz-Schüler Rafael Levi), das Steinhuder Meer (wahrscheinlich mit Überfahrt zur schaumburg-lippischen Landesfestung Wilhelmstein), Stadthagen (Besichtigung des fürstlichen Mausoleums mit dem Grab- und Auferstehungsmonument von Adriaen de Vries), Bückeburg (Bekanntschaft mit Johann Gottfried Herder) nach Osnabrück (Bekanntschaft mit Justus Möser). Im April 1773 führte eine zweite Reise über Hannover, Celle (dort anwesend bei einem öffentlichen Essen der wegen ihrer Affäre mit Johann Friedrich Struensee auf das Celler Schloss verbannten ehemaligen Königin von Dänemark und Norwegen, Caroline Mathilde), Hamburg (Begegnung mit Friedrich Gottlieb Klopstock) nach Stade. Während dieser letzten Reise unternahm Lichtenberg auch eine Seereise nach Helgoland.

Eine zweite Reise nach England, während der er zum ordentlichen Professor an der Göttinger Universität ernannt wurde, unternahm Lichtenberg vom August 1774 bis Ende Dezember 1775. Wiederum hatte er Umgang mit König Georg III. und der königlichen Familie, lernte Teilnehmer der zweiten Weltreise James Cooks kennen (so etwa Georg und Johann Reinhold Forster) und begegnete bekannten Wissenschaftlern wie James Watt, Joseph Banks oder Joseph Priestley sowie bedeutenden Instrumentenmachern wie Jeremiah Sisson oder James Short. Am 27. September 1775 traf er in London auch mit Rudolf Erich Raspe zusammen. Er besuchte, u. a. im Drury Lane Theatre, zahlreiche Theatervorstellungen, wobei er den Schauspieler David Garrick traf, und besichtigte außerdem die psychiatrische Klinik Bedlam. Dieser zweite Aufenthalt in England wurde so zu einem nachhaltigen Bildungserlebnis. Während dieser Reise besuchte er auch die Seebäder Margate und Deal, und war von ihnen so beeindruckt, dass er später in seinem Aufsatz Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad? (s. u.) anregte, auch in Deutschland Seebäder einzurichten.

Bei seiner Rückkehr nach Göttingen bezog Lichtenberg eine Wohnung im Haus des Buchhändlers und Verlegers Johann Christian Dieterich in der Gotmarstraße 1 (s. die nebenstehend abgebildete Gedenktafel) und nahm, in einem Hörsaal unter demselben Dach, im Sommersemester 1776 seine Vorlesungen wieder auf. Im Sommersemester 1778 begann er seine Hauptvorlesung zur „Experimentalphysik“, die er auf den Anfangsgründen der Naturlehre von Johann Christian Polycarp Erxleben aufbaute. Der demonstrative Charakter dieser Vorlesung, die er bis zu seinem Tod hielt, machte Lichtenberg über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ab 1784 übernahm er die Herausgabe des Kompendiums von Erxleben, der 1777 früh verstorben war. Bis 1794 folgten drei weitere Überarbeitungen. Die Anfangsgründe waren über Jahre hinweg das Standardwerk unter den Physiklehrbüchern im gesamten deutschsprachigen Raum.

Ebenfalls als Nachfolger von Erxleben wurde Lichtenberg schon 1777 Herausgeber des seit Herbst 1775 im Verlag seines Vermieters Dieterich erscheinenden Göttinger Taschen-Calenders. Dieses populärwissenschaftliche Periodikum betreute er bis zu seinem Tod im Jahr 1799. Von 1780 bis 1785 gab er, ebenfalls im Verlag Dieterichs, zusammen mit Georg Forster das Göttingische Magazin für Wissenschaften und Litteratur heraus.

Bereits 1774 zum außerordentlichen Mitglied ernannt, wurde Lichtenberg Ende 1776 ordentliches Mitglied der Königlichen Societät der Wissenschaften zu Göttingen. 1782 wurde er zum Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig ernannt, 1793 zum Mitglied der Royal Society in London. Schließlich wurde er 1795 Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg.

Lichtenberg führte eine umfangreiche Korrespondenz mit Freunden, wie etwa seinem Göttinger Wohnungsgeber Johann Christian Dieterich, und bedeutenden Zeitgenossen, darunter u. a. Johann Friedrich Blumenbach, Johann Georg Forster, Christian Gottlob Heyne, Johann Wolfgang von Goethe, Abraham Gotthelf Kästner, Immanuel Kant, Christoph Friedrich Nicolai, Johann Daniel Ramberg, Samuel Thomas Sömmering. Sein Briefwechsel stellt nicht nur eine wichtige wissenschaftshistorische Quelle dar, sondern ist überdies ein herausragendes Beispiel für die Epistolographie im 18. Jahrhundert.

Lichtenberg litt sein ganzes Leben lang an einer zunehmenden Kyphoskoliose (Wirbelsäulenverkrümmung), die nicht nur zu einem ausgeprägten Buckel und geringer Körpergröße führte, sondern auch das Atmen immer mehr erschwerte. Seine körperliche Behinderung und seine ständige Anfälligkeit für Krankheiten machten ihn in außergewöhnlichem Maße empfindsam. Seine Sensibilität und Beobachtungsgabe richteten sich nicht nur auf naturwissenschaftliche Erscheinungen, sondern auch auf Umwelt und Mitmenschen.

1777 machte Lichtenberg die Bekanntschaft von Maria Dorothea Stechard (1765–1782). Von 1780 bis zu ihrem frühen Tod war sie Lichtenbergs Lebensgefährtin („ohne priesterliche Einsegnung meine Frau“). Der Brief über den Tod der „kleinen Stechardin“, den Lichtenberg wohl im Herbst 1782 an seinen Darmstädter Schulfreund Gottfried Hieronymus Amelung (1741–1800) schrieb, wurde von Walter Benjamin in die Briefsammlung Deutsche Menschen aufgenommen.

1782 trat Margarete Elisabeth Kellner (1768–1848) als Haushälterin in seinen Dienst, mit der er 1783 ein eheähnliches Verhältnis begann. Als im Oktober 1789 infolge der Wirbelsäulenverkrümmung krampfartige Asthmaanfälle einsetzten, die Lichtenberg monatelang ans Bett fesselten, veranlasste Lichtenberg die Legalisierung der Beziehung, um seiner Gefährtin und den gemeinsamen Kindern das Erbe zu sichern. Der Verbindung entstammten insgesamt vier voreheliche und vier eheliche Kinder, von denen zwei bereits vor der Eheschließung gestorben waren.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Georg Christoph Lichtenberg | World in Stories