Georg C. Brack (* 28. Januar 1931 in Berlin; † 21. Februar 2014 in Halle (Saale)) war ein deutscher Ingenieur und Professor für Automatisierungstechnik. Er gehört zu den Pionieren der Automatisierungstechnik für stoffwandelnde Prozesse und ist Mitbegründer der Ausbildung von Diplom-Ingenieuren im Fachgebiet Automatisierungstechnik für verfahrenstechnische Prozesse in Deutschland.
Georg Brack wurde in Berlin als Sohn des Ingenieurs Helmut Brack und seiner Ehefrau Margarethe geboren. In Zella-Mehlis besuchte er von 1937 bis 1941 die Grundschule und danach die Schiller-Schule, wo er 1949 sein Abitur ablegte. Anschließend durchlief er eine Facharbeiterausbildung zum Werkzeugmacher im August-Bebel-Werk in Zella-Mehlis, die er 1951 erfolgreich beendete.
Sein Studium führte ihn 1951 an die Technische Hochschule Dresden, wo er in der Elektrotechnik die Fachrichtung Schwachstromtechnik im Jahre 1956 als Diplomingenieur abschloss. Er begann unmittelbar danach seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent an dem 1955 neu gegründeten Institut für Regelungstechnik (Direktor: Heinrich Kindler). Dieses Institut der TH Dresden war das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum, und Brack war hier nach Heinz Töpfer und Günther Pohl der dritte Assistent. Zu den damals von ihm betreuten Studenten gehörten auch die späteren Professoren Herbert Ehrlich (Leipzig), Wolfgang Weller (Berlin) und Hans-Joachim Zander (Dresden).
Seine Forschungsarbeit widmete Brack der Analyse eines nichtlinearen Reglers mit halbproportionalem Verhalten. Die Dissertation verteidigte er 1961 an der Fakultät für Elektrotechnik mit dem Prädikat „summa cum laude“. Zugleich war dies die erste Dissertation auf regelungstechnischem Gebiet, die an diesem neuen Institut erarbeitet und abgeschlossen wurde. Er bevorzugte danach eine Praxistätigkeit, sein Industrieeinstieg erfolgte daher im Institut für Regelungstechnik (IfR) Berlin – eine große industrielle Forschungs- und Entwicklungseinrichtung mit mehr als 1000 Mitarbeitern.
Brack war mit seiner früheren Kommilitonin und Diplomingenieurin für Elektrotechnik Margitta Brack, geb. Heide verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder.
Wirken als Regelungstechniker in der Industrie
Brack arbeitete seit 1961 im Institut für Regelungstechnik (IfR) Berlin im Direktionsbereich Geräteentwicklung (Technischer Direktor: Bruno Golecki, Träger des Stalinpreises von 1953, höchste Auszeichnung der Sowjetunion, später umbenannt in Friedenspreis, dann in Staatspreis der UdSSR) in der Hauptabteilung Regelungstechnik (Leiter: Zeumer). Hier war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter einer Gruppe, die sich mit Systemarbeit für elektrische und pneumatische analoge Automatisierungsgeräte befasste. Zur praktischen Umsetzung solcher Arbeiten war er parallel im Reglerwerk Dresden (RWD) maßgeblich am Aufbau einer Entwicklungsstelle (Leiter: Hans-Werner Bittner) sowie an der Entwicklung der analogen pneumatischen Einheitsregler Cronibal beteiligt. Im Unterschied zur bisher vorherrschenden Stapelbauweise basierten diese Regler auf dem Wippe-Wellrohr-Prinzip (Cronibal ist abgeleitet von Crom-Nickel-Faltenbalg/Wellrohr). Brack war hierfür auch Mitinhaber mehrerer Patente.
Dieses von Brack geprägte industrielle Reglersystem war eine Reihe von Jahren in der Produktion sowie im Einsatz, bevorzugt in der Chemie-Industrie, besonders auch für explosionsgefährdete Anlagen. Es wurde bei seiner Projektierung komplettiert durch Produkte anderer Hersteller: Messumformer (Transmitter) sowie Stelleinrichtungen, mit denen sich Brack auch vergleichend befasst hatte. Weiterhin wurden diese analogen Systeme durch das binäre Steuerungssystem DRELOBA ergänzt (Dresdner Logik-Bausteine, 1964 Nationalpreis 2. Klasse für Wissenschaft und Technik), das ebenfalls in der von Brack aufgebauten Entwicklungsstelle im Reglerwerk Dresden produktionsreif entwickelt und in diesem Werk produziert wurde. Alle diese Systeme basierten auf dem Einheitssignal 0,2 bis 1,0 bar („Normaldruck“). Im Wettbewerb hierzu stand das System „unalog“ der Geräte- und Regler-Werke (GRW) Teltow bei Berlin, das den Signalpegel „Niederdruck“ (0 bis 100 mm Wassersäule) verwendete und mit dem sich Brack (sowie auch Heinz Töpfer in seiner Dissertation) wissenschaftlich sowie gelegentlich auch polemisch auseinandersetzte (Erfinder: Nationalpreisträger Valentin Ferner, Heinz Hänel).
Das Institut für Regelungstechnik (IfR) Berlin bildete in der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Regelungstechnik, Gerätebau und Optik (RGO) die zentrale Forschungs- und Entwicklungseinrichtung für mehr als 10 Produktionsbetriebe. Im IfR erbrachte Brack neben seinen Arbeiten zur Geräteentwicklung daher auch Beiträge zur Systemarbeit für Automatisierungsgeräte sowie zu der zugehörigen internationalen Koordinierung der Ostblock-Länder im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, im Westen auch COMECON genannt). Seine Kenntnisse und Erfahrungen aus der Automatisierungsindustrie fasste Brack später unter dem Buchtitel Technik der Automatisierungsgeräte zusammen, das durch hohe Systematik und neuartige Darstellung dieses Fachgebietes gekennzeichnet war und durch Heinz Töpfer und Werner Kriesel mit dem Buch „Funktionseinheiten der Automatisierungstechnik“ im Einvernehmen mit Brack inhaltlich weitergeführt wurde.
Das ursprünglich von der staatlichen Planung vorgegebene Koordinierungsziel, ein RGW-einheitliches Automatisierungssystem zu entwickeln und arbeitsteilig in den einzelnen RGW-Ländern zu produzieren, wurde aus verschiedenen Gründen jedoch nicht erreicht. Um den anwachsenden Nachlauf hinter dem westlichen Markt aufzufangen, entschlossen sich die VVB RGO und das IfR Berlin schließlich zur eigenständigen Entwicklung eines universellen Systems von Geräten und Einrichtungen zur Automatisierung technologischer Prozesse, das insbesondere auch auf den konzeptionellen inhaltlichen Systemarbeiten von Brack u. a. aufsetzte. Dies führte zu einem industriellen Gesamtsystem, das später unter der Bezeichnung ursamat bekannt wurde und auch in Buchform dargestellt ist (1967 Nationalpreis 1. Klasse für Wissenschaft und Technik für das Leitungskollektiv Hanns Haas, Gerhard Obenhaus, Siegfried Spieß, Helmut Wiedmer).
Das IfR Berlin hat als Leitinstitut generell enge Wissenschaftskooperationen mit Hochschulen, Universitäten und Akademieinstituten unterhalten und gefördert. Brack übte also zugleich von 1962 bis 1968 eine nebenamtliche Lehrtätigkeit als Lehrbeauftragter für Elemente der Regelungstechnik an der TU Dresden sowie an der Hochschule für Verkehrswesen (HfV) Dresden aus.
Aus dem IfR Berlin sind eine Reihe von Professoren hervorgegangen, zu denen neben Gunter Schwarze, Wolfgang Weller, Achim Sydow, Hans Fuchs und Jürgen Beuschel in Berlin, Bernhard Rodenbeck in Koblenz, Werner Kriesel in Leipzig und Merseburg eben auch Georg Brack in Merseburg gehörte. Er erhielt zunächst 1964 eine Berufung als Hochschuldozent für das Fach Automatisierung chemischer Prozesse an die damalige TH für Chemie Leuna-Merseburg (THL-M).
An dem neu gegründeten Institut für Automatisierung chemischer Prozesse der THL-M fungierte Brack zunächst kommissarisch und dann hauptamtlich als Direktor. 1968 wurde er zum ordentlichen Professor berufen und im Zuge der Hochschulreform von 1968 zum Leiter des Wissenschaftsbereiches (WB) Automatisierungstechnik an der Sektion Verfahrenstechnik ernannt. Zum WB gehörten als Fachgebiete, die durch Hochschullehrer vertreten wurden: Automatisierungstechnik (G. Brack), Regelungstechnik (A. Helms), Prozesssteuerung (P. Metzing), Prozessanalyse (G. Lorenz) und Prozessmesstechnik (H. Hart, ab 1969 H.-J. Hörig, ab 1974 M. Uhlmann). Hier erfolgte die Ausbildung von Diplomingenieuren in der Vertiefungsrichtung Automatisierungstechnik im Rahmen der Fachrichtung Systemverfahrenstechnik.
Im Jahre 1976 erlangte Brack seine Habilitation mit einer Arbeit zum Thema: Beiträge zur Rationalisierung und Algorithmierung des Entwurfsprozesses von Automatisierungssystemen für Fließprozesse (Dissertation B).