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Genf

Stadt und politische Gemeinde sowie Hauptort des gleichnamigen Kantons in der Schweiz

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Genf (schweizerdeutsch Gämf, Gänf, französisch [ʒ(ə)nɛv], frankoprovenzalisch Geneva [ðəˈnɛva, ˈzɛnəva], italienisch Ginevra, rätoromanisch ) ist eine Stadt und politische Gemeinde sowie der Hauptort des Kantons Genf in der Schweiz.

Die Stadt liegt am südwestlichen Zipfel der Romandie in der Genferseeregion am Ausfluss der Rhone aus dem Genfersee. Mit ihren 211'152 Einwohnern (31. Dezember 2025) ist Genf nach Zürich die zweitgrösste Stadt der Schweiz. 50,6 Prozent der Einwohner verfügen nicht über das Schweizer Bürgerrecht, womit Genf neben Basel und Lausanne zu den Schweizer Städten mit sehr hohem Ausländeranteil zählt. Mit einer statistischen Bevölkerungsdichte von 13'230 Einwohnern pro Quadratkilometer, einem extrem hohen Wert für Schweizer Verhältnisse, ist Genf die am dichtesten bevölkerte Gemeinde der Schweiz. Die 1,3 Millionen Einwohner (2020) zählende Metropolregion Genf-Lausanne ist ein erweiterter Ballungsraum und ist der bedeutendste der französischen Schweiz.

Die Stadt Genf beheimatet neben New York City weltweit die meisten internationalen Organisationen, darunter UNO, CERN, IKRK, WHO, IAO, ICN, IOM, ISO, IEC, ITU, WIPO, WMO, WOSM und WTO. Zusammen mit New York City (UNO-Hauptquartier) zählt Genf zu den wenigen Städten der Welt, die als Sitz einer der gemeinhin als wichtigste erachteten internationalen Organisationen fungieren, ohne die Hauptstadt eines Staates zu sein. Zudem sind hier 175 Staaten diplomatisch vertreten; so unterhalten einige die diplomatische Repräsentanz in der Schweiz nicht in der Bundesstadt Bern, sondern in Genf.

Genf ist nach Zürich der zweitgrösste Finanzplatz der Schweiz, danach folgt Lugano. In einer Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegt Genf im Jahr 2018 den 26. Platz.

Seit Jahren wird Genf neben Zürich und Basel als Teil der zehn Städte mit der weltweit besten Lebensqualität und zugleich mit den global höchsten Lebenshaltungskosten gelistet. 2018 waren 18,6 Prozent der Bevölkerung Millionäre (gerechnet in US-Dollar). Genf ist damit, hinter Monaco, die Stadt mit der zweithöchsten Millionärsdichte weltweit.

Genf liegt zwischen den Voralpen und dem Jura, am südwestliche Ende des Genfersees. Die Gegend befindet sich in einer von Bergen umgebenen Senke, welche unter anderem den Môle und den Vuache umfasst und ist Teil des Sillon alpin. Der Mont Salève im Süden der Stadt gilt als ihr Hausberg, er liegt allerdings bereits auf französischem Staatsgebiet. Die Stadtfläche beträgt 15,89 Quadratkilometer.

Das Stadtgebiet setzt sich seit 2013 aus acht Bezirken (französisch Quartiers de la Ville) zusammen. Die Bezirke sind weiter in 16 Quartiere (französisch secteurs GIREC) untergliedert und diese wiederum in 128 statistische Quartiere (französisch Sous-secteurs statistiques):

Die Jahresmitteltemperatur für die Normalperiode 1991 bis 2020 beträgt 11,0 Grad Celsius, wobei im Januar mit 2,1 Grad Celsius die kältesten und im Juli mit 20,6 Grad Celsius die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 73 Frosttage und 7 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 64, während normalerweise 17 bis 18 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Wetterstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von 411 m ü. M. am Flughafen Genf, ca. 6 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt (Luftlinie).

Die höchste je in Genf gemessene Temperatur betrug 39,7 Grad Celsius (7. Juli 2015). Dies ist gleichzeitig auch der höchste, je auf der Alpennordseite gemessene Wert. Der Höchstwert bei der durchschnittlichen Sonnenscheindauer des Monats Januar wurde 2020 mit 114,4 Stunden erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord von 2008 (104,3 Stunden) gebrochen.

Ursprung und Erstdokumentation

Genf war in der Keltenzeit eine befestigte Grenzstadt der Allobroger gegen die Helvetier. Der erstmals in Caesars De bello Gallico bezeugte Ortsname (58 v. Chr. Genava) wird herkömmlich auf keltisch *genaua ‹Mündung› (vgl. walisisch genau ‚Mund‘) zurückgeführt, wie ähnlich Genua und Arguenon. Da Genf nicht an einer Mündung, sondern an einem Abfluss liegt, wurde als Alternative vorgeschlagen, den Namen von indogermanisch *genu-, *gneu- ‹Knie, Ecke, Winkel› herzuleiten.

Wechselnde Herrscher bis in das 15. Jahrhundert

Genf gelangte um 120 v. Chr. unter die Herrschaft der Römer. Zur Zeit des Römischen Reiches diente es als Brückenkopf, von 400 bis 1536 war es ein Bischofssitz. Im fünften und neunten Jahrhundert fungierte es zudem als Sitz der burgundischen Könige. Im Jahr 563 wurden beim Tauredunum-Ereignis, einem Tsunami im Genfersee, viele Einwohner getötet.

Seit dem 10. Jahrhundert hat der Genfer Bischof eigene Silbermünzen prägen lassen. Ab dem Jahr 1026 gehörte Genf zum burgundischen Reichsteil des Heiligen Römischen Reichs, innerhalb dessen es ein bischöfliches Territorium wurde. Am 1. August 1034 wurde der Erwerb Burgunds durch Konrad II. (HRR) in der Genfer Kathedrale gefeiert. Der Rechtsbezirk des Bischofs wurde gegenüber den Ansprüchen des Grafen von Genf in der Urkunde Placitum de Seyssel von 1124 umschrieben. 1162 verlieh Friedrich I. dem Bistum Unabhängigkeit und Reichsunmittelbarkeit. Im 13. Jahrhundert wurde Genf eine bedeutende Messestadt, was dem städtischen Bürgertum mehr Einfluss brachte. Der Genfer Bischof verlieh der Stadt Genf 1387 verschiedene Freiheitsrechte wie etwa das Bürgerrecht. 1467 gewährten die Savoyer den Genfern Handelsfreiheit auf ihrem Territorium. Bischof Antoine Champion versammelte im Jahr 1493 etwa 500 Priester in der Kirche St. Pierre und prangerte den lasterhaften Lebenswandel der Geistlichen an:

Genf zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert

1526 trat Genf einem Städtebund zusammen mit Bern und Freiburg bei. Nach überzeugenden Predigten von Guillaume Farel wurde im Jahr 1536 die Reformation eingeführt und die unabhängige Republik Genf ausgerufen. Freiburg löste daher sein Bündnis mit Genf, worauf die Stadt mehrmals vergeblich versuchte, als Zugewandter Ort in die Schweizerische Eidgenossenschaft aufgenommen zu werden. Nur die evangelischen Städte Bern und Zürich schlossen 1584 ein Burgrecht mit Genf. Der französische Reformator Johannes Calvin gründete im Jahr 1559 die Genfer Akademie, aus der sich die heutige Universität Genf entwickelte. Nach dem missglückten Versuch, die Stadt in einer Dezembernacht 1602 zu überfallen (Escalade de Genève), erkannte Savoyen die Unabhängigkeit Genfs 1603 im Vertrag von Saint-Julien an.

Genf war von 1540 bis 1700 für französische und italienische evangelische Glaubensflüchtlinge, den Hugenotten und Waldensern, ein wichtiger Zufluchtsort geworden. So kamen am 30. August 1687 an einem einzigen Tag rund 8000 Hugenotten in Genf an, wobei die Stadt nur 16'000 Einwohner hatte. Nur ein kleiner Teil konnte bleiben. Die zugewanderten Familien waren aber nicht nur eine Last für die Stadt, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Bereicherung durch ihre Bildung und Kenntnisse in Seidenproduktion und -handel und in der Uhrmacherkunst, die sie mitbrachten und in Genf und Umgebung ansiedelten.

Im Jahr 1781 errangen Bürgertum und Arbeiterschaft die Vorherrschaft, woraufhin eine repräsentativ-demokratische Verfassung angenommen wurde, bevor im Jahr darauf mit Hilfe bernisch-savoyischer Truppen das Patriziat erneut die Macht ergriff und viele Industrielle als Exponenten des Bürgertums in die Emigration gingen. Die Auseinandersetzung 1781 war die letzte in einer Reihe von sozialen Konflikten im 18. Jahrhundert: die Affäre Fatio 1707, das Tamponnement 1734 bis 1738 und Rousseau 1762 bis 1768, die als Genfer Revolutionen bezeichnet werden. Es ging stets um wirtschaftliche Gleichstellung und erleichterten Zugang zur Neubürgerschaft. 1776 entstand die erste Société des Arts.

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