An diesem Tag

Gene Austin

US-amerikanischer Sänger und Songwriter

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Gene Austin (* 24. Juni 1900 in Gainesville, Texas; † 24. Januar 1972 in Palm Springs, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sänger und Songwriter. Er gilt als einer der erfolgreichsten Künstler der 1920er- und 1930er-Jahre. Mit seinem einfühlsamen Gesangsstil wurde er zum Wegbereiter der Crooner. Zu seinen größten Erfolgen zählen Lieder wie My Blue Heaven, When My Sugar Walks Down the Street und The Lonesome Road, die zu Pop- bzw. Jazz-Klassikern wurden.

Neben zahlreichen Auftritten auf der Bühne und im Radio hatte er als The Voice of the Southland einige Filmauftritte als Nebendarsteller, oftmals an der Seite von Mae West. Außerdem spielte er in dem Western Songs and Saddles (1938) eine Hauptrolle als Singender Cowboy.

Gene Austin wurde als Lemuel Eugene Lucas geboren, den Namen Austin musste er nach der Scheidung seiner Eltern von seinem Stiefvater übernehmen.

Gainesville befand sich auf der Strecke des damals noch häufiger frequentierten Chisholm Trails, von den durchziehenden Cowboys lernte er die Lieder des alten Westens. Seine Mutter fürchtete jedoch, er könnte von den Rindern zu Tode getrampelt werden und untersagte ihm daher weitere Ausflüge auf den Trail. Daraufhin führten ihn seine Streifzüge in das Rotlichtviertel, wo er den improvisierten Darbietungen der Klavierspieler in den „parlor houses“, d. h. den dortigen Etablissements, lauschte und für sie Botengänge erledigte.

Kurz nach der erneuten Heirat seiner Mutter brachte Austins Stiefvater, ein Hufschmied, seine neue Familie nach Yellow Pine, Louisiana, um Begegnungen mit dem Ex-Mann seiner Frau zu vermeiden. Der kleine Gene hasste seine neue Umgebung, insbesondere das schwüle Klima, und sehnte sich zurück in seine texanische Heimat. Vor allem hasste er jedoch seinen Stiefvater, der ihn häufig schlug und zu Arbeiten in der Schmiede heranzog.

Gleichwohl erfolgte hier seine musikalische Prägung. Um wenigstens zeitweise den Misshandlungen seines Stiefvaters zu entkommen, freundete er sich mit schwarzen Baumwollpflückern an und verbrachte viel Zeit mit ihnen, insbesondere mit seinem „Ersatzvater“ Uncle Esau. Dort lernte er deren Musik kennen und schätzen und fand vor allem die Geborgenheit, die er zu Hause schmerzlich vermisste.

Mit 15 Jahren beschloss er, seinem übermächtigen Stiefvater und seinem ungeliebten Heim zu entkommen. Nach verschiedenen Jobs bei einem Zirkus und auf Jahrmärkten schloss er sich einer Vaudeville-Show an, wo er erstmals als Sänger auftrat. Er sang dort eine bunte Mischung aus Cowboy-Songs, Uncle Esaus ‚schwarzen‘ Liedern und dem „parlor house blues“.

Nach diesen Wanderjahren verschlug es ihn nach New Orleans, wo er zunächst in einem Nachtclub als Pianist arbeitete und schließlich in die Armee eintrat. Dort diente er sowohl in Mexiko beim Feldzug gegen Pancho Villa als auch im Ersten Weltkrieg in Frankreich. Bei einem Aufenthalt in der Krankenstation lernte den Armee-Zahnarzt Lt. Knapp kennen, der ihm vorschlug, zu Hause sein Assistent zu werden. Zunächst jedoch arbeitete er für ein Jahr als Knapps Assistent in Paris.

Nach seiner Rückkehr in die USA studierte Austin also auf Knapps Anraten für kurze Zeit Zahnmedizin, danach Jura. Abends trat er jedoch weiterhin in einem Nachtclub auf. Dort lernte er den Sänger Roy Bergere kennen, der ihn überzeugte, gemeinsam in der Vaudeville-Branche aufzutreten, zunächst jedoch mit geringem Erfolg. Während dieser Zeit entdeckte Austin jedoch sein Talent als Songwriter. Eine seiner Kompositionen, How Come You Do Me Like You Do, war ein großer Erfolg für ihn und Bergere und verhalf ihnen zu einer Anstellung im Mahjong Club von Lou Clayton, der mit seinen Partnern Jimmy Durante und Eddie Jackson das berühmte Vaudeville-Trio Clayton, Jackson und Durante bildete. Nachdem Bergere geheiratet und sich mit seiner Frau eine Karriere aufbauen wollte, arbeitete Austin zunächst weiter im Club, bis dieser während der Prohibition geschlossen wurde.

Danach fand er Arbeit als Songwriter, zunächst für den Musikverlag Stark & Cowan, danach für den Verlag Jack Mills Inc., der bereits How Come You Do Me Like You Do verlegt hatte. Noch während seiner Zeit bei Stark & Cowan hatte er 1924 seine erste Ehefrau Kathryn Arnold geheiratet; insgesamt war er fünfmal verheiratet. Über Mills kam Austin mit Vocalion Records in Verbindung, die im Auftrag einer Laden-Kette aus Nashville Aufnahmen des blinden Hillbilly-Musikers George Reneau machen sollten. Da dessen „absolut unmögliche“ Stimme bei den Verantwortlichen nicht gut ankam, sie jedoch ihren Kunden nicht verprellen wollten, kam man aufgrund von Austins Herkunft aus den Südstaaten auf die Idee, ihn den Gesangspart übernehmen zu lassen. Austin selbst machte sich nichts aus dieser Art von Musik, als professioneller Sänger war er jedoch in der Lage, den gewünschten Stil genau zu treffen und sogar zu jodeln. Insgesamt veröffentlichte Vocalion auf diese Weise 6 Aufnahmen, verschwieg jedoch Austins Beteiligung. Erst nachdem diese sich gut verkauften, machten Austin und Reneau unter dem Namen Blue Ridge Duo im September 1924 einige weitere Aufnahmen für Edison Records.

Austins großer Durchbruch kam 1924, als er einige Lieder für Victors Star Aileen Stanley zusammenstellen sollte. Das erste Lied, das er ihr und Victors Musikdirektor Nat Shilkret vorstellte, war seine Eigenkomposition When My Sugar Walks Down the Street. Beide waren von seinem Lied und seiner Person so begeistert, dass Shilkret ihm ein Duett mit Stanley anbot und im Erfolgsfall einen festen Vertrag in Aussicht stellte.

Das Duett mit Aileen Stanley beeindruckte die Victor-Verantwortlichen so sehr, dass bald weitere Aufnahmen folgten. 1925 hatte Austin mit Yearning seinen ersten großen Hit als Solo-Künstler. Der Erfolg war so groß, dass Austin beschloss, seinen Job bei Mills zu kündigen und sich ganz auf seine Karriere als Sänger zu konzentrieren. Tatsächlich sollte in der Folgezeit Hit auf Hit folgen: In den nächsten zehn Jahren verkaufte Austin 80 Millionen Schallplatten, ein Rekord, der die nächsten 40 Jahre unangetastet bleiben sollte. Zwischen 1925 und 1934 konnte er 55 Titel in den Top 20 platzieren. Im Sommer 1925 führte ihn seine immense Popularität sogar nach London, wo er im berühmten Princess Club auftrat.

Ursache für Austins Erfolg war neben seinem Talent als Songwriter sein untrügliches Gespür für einen Hit. So griff er oftmals auf von Kollegen abgelehnte Stücke fremder Komponisten zurück und machte sie zu großen Erfolgen, etwa Yes Sir, That’s My Baby von Gus Kahn und Walter Donaldson, heute ein Klassiker, oder Forgive Me von Milton Ager und Jack Yellen. Umgekehrt wurden auch Austins eigene Werke zu großen Erfolgen für andere Künstler, etwa das mit Nat Shilkret im afroamerikanischen Stil komponierte The Lonesome Road (1927), das 1929 in der ersten Verfilmung des Musicals Show Boat verwendet wurde und seither von nahezu unzähligen Künstlern aus den unterschiedlichsten Genres aufgenommen wurde, unter ihnen Louis Armstrong, Sammy Davis, Jr. oder Judy Garland.

Da er es zu seiner großen Enttäuschung jedoch nicht schaffte, die Verantwortlichen bei Victor davon zu überzeugen, auch afroamerikanische Musik zu produzieren, gründete er wenig später seinen eigenen Musikverlag. Auf diese Weise – und durch zahlreiche Live-Auftritte – hoffte er, diese Musik populärer zu machen. Außerdem besuchte er regelmäßig die Clubs in Harlem, um dort Kontakte zu knüpfen. Hier lernte er Fats Waller kennen, der Grundstein für eine lange persönliche Freundschaft und eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Austin sollte 1929 u. a. Wallers Klassiker Ain’t Misbehavin’ aufnehmen und setzte ihn gegen rassistische Vorbehalte bei einigen Musikern als Pianist bei verschiedenen seiner Aufnahmen durch.

1927 häuften sich Streitigkeiten zwischen Austin und Shilkret über das Material, das Austin aufnehmen wollte. Nur gegen Shilkrets Widerstand gelang es Austin schließlich, das von Walter Donaldson und George Whiting komponierte Lied My Blue Heaven aufzunehmen. Es sollte Austins größter Hit werden, der sich 1927/1928 für insgesamt 26 Wochen in den Charts hielt – davon 13 Wochen auf der Spitzenposition – und sich über 5 Millionen Mal verkaufte.

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