An diesem Tag

Gemma Galgani

Italienische Heilige und Mystikerin

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Gemma Umberta Maria Pia Galgani (* 12. März 1878 in Borgo Nuovo di Camigliano, Ortsteil der Gemeinde Capannori, Provinz Lucca; † 11. April 1903 in Lucca) war eine italienische Heilige und Mystikerin. Sie wird zu den Stigmatisierten gerechnet und auch als „Tochter der Passion“ bezeichnet. Sie beschrieb ihr Erleben und ihre Visionen in einer Autobiografie, die sie zwischen Februar und Mai 1901 auf Anweisung ihres geistlichen Leiters P. Germano Ruoppolo verfasste. Sie wurde 1933 von Papst Pius XI. selig- und 1940 von Papst Pius XII. heiliggesprochen und im Habit der Passionistinnen beigesetzt; ihr Gedenktag ist der 11. April, im Erzbistum Lucca und bei den Passionisten wird dieser am 16. Mai begangen.

Kindheit und Jugend (1878–1897)

Gemma Galgani wurde am 12. März 1878 in Borgo Nuovo di Camigliano (heute offiziell Camigliano Santa Gemma), etwa 12 km nordöstlich von Lucca, als fünftes von acht Kindern des Apothekers Enrico Galgani und seiner Frau Aurelia Landi geboren. Laut dem Taufregister lauten ihre Vornamen Gemma Umberta Pia, nach dem Geburtenregister aber Gemma Umberta Maria; die Gründe für diese Diskrepanz sind unklar. Am 13. März spendete Don Pietro Quilici, Pfarrer von San Michele in Camigliano, ihr das Sakrament der Taufe. Im April 1878 zog die Familie nach Lucca. Ab 1880 besuchte Gemma in Lucca einen privaten Kindergarten (eine Art Vorschule), geführt von Elena und Ersilia Vallini. Am 26. Mai 1885 spendete ihr der Erzbischof von Lucca, Nicola Ghilardi, in der Kirche San Michele in Foro das Sakrament der Firmung. Ihre Mutter starb am 17. September 1886 an Tuberkulose; Gemma wurde zeitweise bei Onkel und Tante mütterlicherseits in S. Gennaro untergebracht, um sie vor Ansteckung zu schützen. 1887 und 1888 besuchte sie zunächst eine Privatschule, danach eine Gemeindeschule in Lucca. Am 17. Juni 1887, dem Fest des Heiligsten Herzens Jesu, empfing sie die Erstkommunion, feierlich erneuert in ihrer Pfarrei San Frediano am 19. desselben Monats. Beichtvater seit der Erstkommunionvorbereitung war Giovanni Volpi, der spätere Bischof von Arezzo. Von 1889 bis 1893 besuchte sie als externe Schülerin das Institut der Oblatinnen des Heiligen Geistes (der Schwestern der heiligen Zita) in Lucca, einer von der heiligen Helena Guerra gegründeten Kongregation. Am 11. September 1894 starb ihr älterer Bruder Gino, ein Seminarist. Im Mai 1896 musste sie sich aufgrund einer Knochenkaries am Fuß einer Ausschabung ohne Betäubung unterziehen. Am 11. November 1897 starb der Vater an Kehlkopfkrebs; die Familie geriet in wirtschaftliche Not. Gemma verbrachte in der Folge ein Jahr bei ihrer Tante Carolina in Camaiore, wo ihr zwei Heiratsanträge gemacht wurden, die sie aber ablehnte und nach Lucca zurückkehrte.

Krankheit und Heilung (1898–1899)

In den Jahren 1898/99 erkrankte Gemma schwer (unter anderem an einer Osteitis der Lendenwirbel und einer Mittelohrentzündung, zudem verlor sie den Gebrauch der Beine); behandelnder Arzt war der Hausarzt der Familie Galgani, Dr. Lorenzo Del Prete. Am 3. März 1899 trat unerwartet eine Besserung ein. Ihre Heilung schrieb sie der Fürsprache der hl. Margareta Maria Alacoque zu, die sie zuvor in einer Novene angerufen hatte. Ihre Verehrung von Gabriel von der schmerzhaften Muttergottes begann nach Galganis autobiographischen Beschreibungen, nachdem sie seine Biographie gelesen hatte. Anfang Juli 1899 lernte sie während einer Volksmission in Lucca die Passionisten und die Familie Giannini kennen.

Mystisches Erleben und Spiritualität

Gemma Galgani ist vor allem wegen ihrer mystischen Visionen (hauptsächlich von Jesus, Maria und ihrem Schutzengel) bekannt. Schon sehr jung fühlte sie sich zu einem gottgeweihten Leben berufen. Mehrmals versuchte sie, in ein Kloster (bei den Heimsuchungsschwestern in Lucca und bei den Passionistinnen in Corneto/Tarquinia) einzutreten, doch wegen ihrer schwachen Gesundheit und aufgrund ihrer mystischen Erlebnisse wurde sie immer wieder abgewiesen. Bereits in der Weihnachtsnacht 1896 legte sie vor ihrem Beichtvater Giovanni Volpi ein Privatgelübde der Keuschheit ab. Volpi wies sie im Sommer 1900 auch an, ein Tagebuch zu führen, das neben ihrer Autobiografie und ihren Briefen eine wichtige Quelle für ihr mystisches Erleben darstellt. Als weitere wichtige Quelle gelten zudem die ekstatischen Gespräche, welche von Mitgliedern der Familie Giannini zwischen 1899 und 1903 aufgezeichnet wurden.

Die Spiritualität Gemma Galganis war wesentlich geprägt von einer intensiven Passions- und Herz-Jesu-Frömmigkeit. Sie verstand ihre Leiden als Teilhabe an den Erlösungsleiden Christi und bot sich im Oktober 1901 als Opfer für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne für die Sünden der Welt an. Von ihrem Charakter her wurde sie von Zeitgenossen als natürlich, einfach und eher zurückhaltend, im Umgang mit anderen als sanftmütig beschrieben. Eine kritische Haltung ihr gegenüber nahm ihre Schwester Angela ein, die ihre Klassenkameradinnen mitbrachte und aufforderte: "Kommt, lasst uns Gemma beobachten, wenn sie in Ekstase gerät."

Stigmata und Untersuchungen durch Pietro Pfanner

Am 8. Juni 1899, in jenem Jahr der Vorabend des Herz-Jesu-Festes, sollen im Rahmen einer Vision an ihrem Körper Stigmata erschienen sein. Die Wunden von Galgani, die kirchlicherseits als Stigmata angesehen werden, wurden von dem Arzt Pietro Pfanner untersucht. Dieser kannte Galgani bereits seit ihrer Kindheit. So hatte er bei der 10-Jährigen den Befund eines „hysterischen Hustens“ erstellt, also eines Hustens ohne körperlichen Befund. Außerdem stellte er eine völlige Empfindungslosigkeit ihrer Handflächen fest. Er folgerte damals, dass bei Galgani eine „Form der Neurose“ vorliege. Pfanner, von Beruf Chirurg, untersuchte Galgani am 3. März 1899 erneut und attestierte ihr hysterische Lähmungen. Dabei handelte es sich um eine im späten 19. Jahrhundert weit verbreitete medizinische Diagnose, die nicht mit heutigen psychiatrischen Kategorien gleichgesetzt werden kann.

Auf Bitten ihres Beichtvaters Giovanni Volpi untersuchte Pfanner am 8. September 1899 die Wunden an Gemmas Händen. Er fand aufgetragenes Blut, aber keine offenen Verletzungen der Handflächen vor. Pfanner vermutete eine Simulation und wurde darin von Galganis Pflegemutter Cecilia Giannini bestätigt, die auf dem Boden eine Nähnadel gefunden hatte. Demgegenüber bezeugten mehrere Personen aus dem unmittelbaren Umfeld Galganis das Vorhandensein durchgehender, die Handflächen vollständig durchdringender Wunden: ihr geistlicher Leiter P. Germano Ruoppolo, der spätere Erzbischof Pietro Paolo Moreschini sowie mehrere Mitglieder der Familie Giannini, in deren Haus Gemma seit 1900 lebte – darunter Matteo und Giustina Giannini und insbesondere die unverheiratete Cecilia Giannini, Matteos Schwester, die ihre Einschätzung der Geschehnisse vom 8. September 1899 geändert hatte.

1923 fand im Rahmen des kanonischen Prozesses eine Rekognitions- bzw. Exhumierungsphase statt. Pietro Pfanner war daran beteiligt bzw. trat als Zeitzeuge im Umfeld dieses Prozesses auf. In diesem Kontext äußerte er sich positiv über Gemma Galgani, sprach von ihrer Heiligkeit und zeigte persönliche Verehrung. Giovanni Volpi, Galganis Beichtvater seit ihrer Kindheit, war stets zurückhaltend, wenn er über sie sprach, zeigte aber Hochachtung und Verehrung für sie und leistete im Kanonisationsprozess einen wertvollen Beitrag zum tieferen Verständnis Galganis. In seinem Testament verfügte er zudem, in ihrer Nähe bestattet zu werden. Eine Bitte, die am 9. Dezember 2000 mit der Überführung seiner Gebeine in das Heiligtum von Santa Gemma in Lucca erfüllt wurde.

Geistliche Begleitung und letzte Lebensjahre (1900–1903)

Ab September 1900 stand Gemma Galgani in geistlicher Begleitung von P. Germano Ruoppolo (Briefkontakt bereits ab Januar 1900), mit dem sie einen umfangreichen Briefwechsel führte. Zur selben Zeit nahm sie die Familie Giannini in Lucca in ihrem Haus auf, in dem sie bis kurz vor ihrem Tod lebte; eine mütterliche Rolle übernahm dabei Cecilia Giannini. 1902 starben innerhalb weniger Monate ihre Schwester Giulia und ihr Bruder Antonio. Im Januar 1903 wurde sie wegen ihrer fortschreitenden Tuberkulose in ein benachbartes Haus verlegt, um den Kontakt mit den Kindern der Familie Giannini zu vermeiden. Sie starb am Karsamstag, dem 11. April 1903, im Alter von 25 Jahren. Ihr Leichnam ruht im Passionistinnenkloster in Lucca, ihre Herzreliquie befindet sich seit 1985 im Santuario de Santa Gema in Madrid.

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