Gebhard Leberecht von Blücher, ab 1814 Fürst Blücher von Wahlstatt (* 16. Dezember 1742 in Rostock; † 12. September 1819 in Krieblowitz), war ein preußischer Generalfeldmarschall, der durch den Sieg über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo berühmt wurde. Volkstümlich „Marschall Vorwärts“ genannt, gehörte er zu den populärsten Helden der Befreiungskriege in Europa.
Nach dem Eintritt in die schwedische Kavallerie wurde Blücher 1760 von preußischen Truppen gefangen genommen und trat in ihren Dienst. Für seine Erfolge im Gefecht von Kirrweiler 1794 wurde er befördert und nahm als Brigadekommandeur 1806 an der Schlacht bei Auerstedt teil. Dabei lernte er seinen zukünftigen Chef des Stabes Gerhard David von Scharnhorst kennen. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 wechselte er zunächst ins Kriegsdepartement und ging dann in den Ruhestand.
Zu Beginn der Befreiungskriege trat Blücher wieder in den Dienst und nahm im Mai 1813 in führender Rolle an den verlorenen, aber für Frankreich verlustreichen Schlachten bei Großgörschen und Bautzen teil. Im August 1813 siegte er in der Schlacht an der Katzbach. Für seine Erfolge in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt. Im Januar 1814 überquerte er bei Kaub den Rhein. Nach schweren Kämpfen zog er im März 1814 mit den verbündeten Truppen in Paris ein. Anschließend wurde er zum Fürsten von Wahlstatt ernannt und zog sich auf Schloss Krieblowitz zurück.
Nach der Rückkehr Napoleons 1815 wurde Blücher, nun mit August Neidhardt von Gneisenau als Chef des Stabes, erneut Befehlshaber der preußischen Truppen. Er ließ die Armee vom Niederrhein zusammenstellen, die er in den Niederlanden mit den britischen und verbündeten Truppen unter Wellington einsetzte. Am 16. Juni 1815 wurde er in der Schlacht bei Ligny von Napoleon besiegt. Für einen späteren Vorstoß mit Wellington zog er seine Truppen unter hohem Risiko nach Wavre zurück. Am 18. Juni 1815 erreichten seine Truppen die seit mehreren Stunden tobende Schlacht bei Waterloo in der entscheidenden Phase und attackierten die rechte Flanke der französischen Truppen. Dies führte zusammen mit dem Vorstoß Wellingtons zur endgültigen Niederlage Napoleons.
Blücher stammte aus dem alten Adelsgeschlecht Blücher. Sein Vater war der hessen-kasselsche Rittmeister Christian Friedrich von Blücher (1696–1761). Seine Mutter war Dorothea Maria von Zülow (1702–1769) aus dem mecklenburgischen Uradelsgeschlecht derer von Zülow. Die Familie von Blücher besaß ursprünglich das Rittergut Groß-Renzow. Gebhard Leberechts Urgroßvater verlor diesen Familienbesitz aber während des Dreißigjährigen Krieges. Um kriegerischen Auseinandersetzungen der Stände mit Herzog Karl Leopold zu entgehen, ging seine Mutter nach Rostock, wo Blücher am 16. Dezember 1742 geboren wurde. Die Stadt gehörte damals zum Herzogtum Mecklenburg-Schwerin. Das Geburtshaus befand sich in der ehemaligen Altbettelmönchstraße 23 (ab 1864 Blücherstraße, seit 1947 Rungestraße); es wurde 1894 zum Hotel Fürst Blücher umgebaut und 1942 durch einen Luftangriff zerstört. Gebhard Leberecht hatte sechs ältere Brüder und zwei Schwestern. Die durchaus ärmlichen Verhältnisse in Rostock veranlassten seine Eltern, den 14-Jährigen gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ulrich Siegfried zur Schwester auf die schwedische Insel Rügen (Venz) zu schicken. Sie war mit dem schwedischen Kammerherrn von Krackewitz verheiratet. Eine grundlegende geistige Schulbildung genossen die Brüder nicht, vielmehr widmeten sie sich fast ausschließlich der körperlichen Ertüchtigung. Nach Eintritt Schwedens 1757 in den Siebenjährigen Krieg schlossen sich die Brüder 1758 gegen den Willen ihrer Eltern dem schwedischen Husaren-Regiment Sparre an und kämpften gegen Preußen. Blücher wurde im August 1760 als Kornett bei einem Gefecht bei dem Dorf Kavelpaß von dem preußischen Husaren Gottfried Landeck gerettet, nachdem Blüchers Pferd verwundet wurde und er sich am Fuß verletzt hatte. Er wurde zunächst als Gefangener auf das Gut Galenbeck verbracht. Dort bewog ihn Oberst von Belling, der mit Blücher verschwägert war, in preußische Dienste einzutreten, und machte ihn bald darauf zu seinem Adjutanten. Fortan kämpfte er erfolgreich im Husaren-Regiment H8 und stieg vom Kornett bis zum Stabsrittmeister (1771) auf. Bei Kavelpaß erinnert der Blücherstein heute an seine Gefangennahme und den Übertritt in preußische Dienste.
Da Blücher bei Unruhen in Polen (1772) an einem verdächtigen Priester eine Scheinerschießung vornehmen ließ, überging man ihn bei der bevorstehenden Ernennung zum Major und Eskadronschef. Daraufhin verlangte er trotzig seinen Abschied (1773), der ihm von Friedrich dem Großen mit den Worten „Der Rittmeister von Blücher kann sich zum Teufel scheren“ gewährt wurde. Schnell bereute Blücher diesen Entschluss, doch Friedrich verweigerte ihm trotz wiederholter Gesuche und Eingaben den Wiedereintritt in die Armee. Blücher zog sich nach Schlesien zurück, wo er ein Gut erwarb. In Pottlitz (Kreis Flatow in Westpreußen) heiratete er 1773 Karoline Amalie von Mehling (1756–1791), mit der er sieben Kinder hatte. 1774–1780 pachtete er von seinem Schwiegervater, dem Oberst Friedrich Wilhelm von Mehling, der Generalpächter der Flatower Güter war, das Gut Gresonse, wo er seinen Wohnsitz nahm, sowie das benachbarte Gut Stewnitz.
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Blücher 1795 in Sandhorst bei Aurich Amalie von Colomb (1772–1850), eine Schwester des späteren Generals Peter von Colomb. Etwa 15 Jahre lang besaß Blücher Ländereien in Groß Raddow im Kreis Regenwalde in Hinterpommern. Am 6. Februar 1782 nahm ihn die Freimaurerloge „Augusta zur goldenen Krone“ in Stargard in Pommern als Mitglied auf.
Nach dem Tod Friedrichs II. stellte Friedrich Wilhelm II. 1787 Blücher wieder in sein altes Regiment ein und beförderte ihn zum Major. 1789 diente er als Oberstleutnant im Regiment der Graf Goltzschen Husaren und erhielt am 4. Juni 1789 von König Friedrich Wilhelm II. den Orden Pour le Mérite. Nach dem Feldzug gegen Holland 1790 wurde er Oberst. Nach dem Gefecht von Kirrweiler (gegen Frankreich), in dem er sechs Geschütze eroberte, wurde er 1794 Generalmajor. Blücher übernahm 1795 das Kommando über die gemäß dem Frieden von Basel zum Schutz der Demarkationslinie in Westfalen verbleibenden preußischen Truppen. Sein Hauptquartier war in Münster.
Von 1798 bis 1801 war Blücher Besitzer des Guts Nipnow in der Landgemeinde Schmaatz bei Stolp in Hinterpommern. In Hamm trat er 1799 der Freimaurerloge Zum hellen Licht bei. Zeitweilig war er auch als Ritterschaftsrat tätig.
Inbesitznahme des Hochstiftes Münster, des Stiftes Essen und der Reichsabtei Werden
Im Jahr 1801 ernannte König Friedrich Wilhelm III. Blücher zum Generalleutnant. Blücher wohnte zwei Jahre in Emmerich am Rhein, wo er sich der Freimaurerloge „Pax inimica malis“ (lat.: „der dem Bösen feindliche Friede“, frei übersetzt: „Der Friede ist Feind des Bösen“) anschloss, in der auch seine beiden Söhne und neun seiner Offiziere initiiert wurden.
Nach dem Frieden von Lunéville nahm Blücher 1802 das Hochstift Münster, das Stift Essen und die Reichsabtei Werden für Preußen in Besitz. Er schloss Freundschaft mit Freiherr Karl vom Stein, der als Vorsitzender der Spezialorganisationskommission die Verwaltung des neu geschaffenen Erbfürstentums Münster leitete. Von 1802 bis 1806 war Blücher Meister vom Stuhl der Loge „Zu den drey Balken“. Dort ließ er sich auch in freimaurerischer Bekleidung malen.
Bei Ausbruch des Krieges 1806 stieß er mit den westfälischen Truppen zum Korps des Generals Ernst von Rüchel. Vergeblich versuchten beide, den Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel zum Kriegseintritt auf preußisch-sächsischer Seite zu bewegen, anstatt neutral bleiben zu wollen. Unmittelbar vor Beginn der Schlacht bei Auerstedt erhielt Blücher am Morgen des 14. Oktober 1806 das Kommando einer neu formierten leichten Brigade als Vorhut der Hauptarmee unter Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig. Mit ihr griff er im Frühnebel ohne vorherige Erkundung zweimal die abwehrbereite französische Infanterie an und wurde zurückgeschlagen. Wenig später verlor die preußische Seite infolge der tödlichen Verwundung Karl Wilhelm Ferdinands ihre Leitung. Die Schlacht endete mit dem Rückzug der Hauptarmee, der in eine allgemeine Flucht überging, als sie auf die panikartig vom Schlachtfeld von Jena flüchtenden Truppen traf. Kurzfristig übernahm Blücher das Kommando über die zweihundert Mann starke Leibschwadron zum Schutz des Königs.