Gaza [ˈgaːza], auch Gasa (arabisch غزة Ghazza, DMG Ġazza), im Gouvernement Gaza ist die flächen- und einwohnermäßig größte Stadt im Gazastreifen, der seit 1994 de jure unter Verwaltung des Staates Palästina bzw. der Palästinensischen Autonomiebehörde steht; die Stadt stand de facto von Juni 2007 bis Anfang 2024 unter der Verwaltung der Terrororganisation Hamas. In Gaza befanden sich der Verwaltungssitz der Autonomiebehörde und ein Seehafen am Mittelmeer. Die Bevölkerungszahl wurde 2017 mit 590.481 angegeben; in der Agglomeration Gazastreifen lebten im selben Jahr mehr als 1,8 Millionen Menschen. Aktuelle Einwohnerzahlen nach kriegsbedingter Fluchtwellen und Rückkehrenden sind nicht bekannt.
Die Stadt erstreckt sich über etwa 46 km². Stadtkerne bilden die Ortsteile al-Zaytoun im Landesinneren nahe der Hauptstraße und Rimal, Scheikh Radwan und al-Nassr in Meeresnähe.
Gaza liegt 78 Kilometer südwestlich von Jerusalem, 71 Kilometer südlich von Tel Aviv-Jaffa und 30 Kilometer nördlich von Rafah. Ein Großteil der modernen Stadt ist entlang der Ebene unterhalb des Hügels gebaut, insbesondere im Norden und Osten. Der Strand und der Hafen von Gaza liegen drei Kilometer (1,9 Meilen) westlich des Stadtkerns und der Raum dazwischen ist vollständig auf niedrigen Hügeln bebaut.
Die Rasheed-Küstenstraße verläuft entlang der Küste des Gazastreifens und verbindet sie mit der übrigen Küstenlinie des Gazastreifens im Norden und Süden. Die Hauptstraße des Gazastreifens, die Salah al-Din Straße, verläuft mitten durch Gaza-Stadt und verbindet sie mit Deir al-Balah, Khan Yunis und Rafah im Süden sowie Jabalia und Beit Hanoun im Norden.
Die Omar-Mukhtar-Straße ist die Hauptstraße in der Stadt Gaza, die in Nord-Süd-Richtung verläuft. Sie zweigt von der Saladinstraße ab und erstreckt sich von der Rimal-Küste bis zur Altstadt, wo sie am Goldmarkt endet.
Gaza hat ein heißes halbtrockenes Klima (Köppen: BSh) mit mediterranen Merkmalen, das sich durch milde, regnerische Winter und trockene, heiße Sommer auszeichnet. Der Frühling kommt etwa im März oder April. Der heißeste Monat ist der August mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 31,7 °C (89,1 °F). Der kühlste Monat ist der Januar mit Temperaturen von meist 17,96 °C. Regen ist selten und fällt fast ausschließlich zwischen November und März, wobei die jährliche Niederschlagsmenge etwa 542 Millimeter beträgt.
Das heutige Gaza wurde über der antiken Stadt erbaut. Im Altertum war Gaza als Hafenstadt bedeutend. Das alte Stadtgebiet erstreckte sich quadratisch über 1 km². Gesichert wurde es durch die Lage auf einem Hügel sowie durch eine Stadtmauer mit Toren in den vier Himmelsrichtungen.
Von Thutmosis III. bis Ramses IV. war Gaza Verwaltungssitz der Ägypter im damaligen Kanaan. Die Küstenstädte Gaza, Aschkelon und Aschdod waren Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. noch ägyptische Zentren, bis sie von den Philistern, vielleicht im Verlauf des sogenannten Seevölkersturms, erobert wurden. Die Philister begründeten einen Fünf-Städte-Bund, die Pentapolis, wobei die Vormacht im Verlauf der Zeit unter den Städten Aschdod, Aschkelon, Ekron (oder Akkaron, heute: Akir), Gat (vgl. Tell es-Safi) und Gaza wechselte. Die Städte wurden von einzelnen Fürsten regiert. Als die ägyptische Herrschaft schwand, übernahmen die Philister die Macht. Dabei kam es zwischen den Philistern, den Israeliten und Kanaanitern über mehrere Jahrhunderte immer wieder zu Kämpfen, von der biblischen Richterzeit bis zum Beginn der israelitischen Königszeit. Ausgrabungen bezeugen den Verzehr von Schweinefleisch in dieser Zeit. Laut der jüdisch-christlichen Tradition war Gaza der Ort der Gefangensetzung Simsons und seines Todes.Aufgrund seiner Lage am Ende der Weihrauchstraße stieg Gaza im 8. Jahrhundert v. Chr. zur wichtigsten Stadt der Gegend auf. Im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. wechselte die Stadt mehrfach den Besitzer. 734 v. Chr. wurde die Stadt von den Assyrern unter Tiglat-pileser III. erobert. Der König richtete in der Stadt ein Karum ein. Die Assyrer nannten Gaza „Stadt am Bach von Ägypten“ (Nahal Mušur). Im Nimrud-Prisma rühmt sich auch Sargon II., in Gaza ein karum eingerichtet zu haben. Hanunu von Gaza rebellierte 720 gegen Sargon II. Er wurde abgesetzt, die Stadt aber nicht zerstört.
609 v. Chr. wurde Gaza wieder ägyptisch; 605/4 fiel sie ans Neubabylonische Reich. 525 v. Chr. stellte sie sich dem persischen Vormarsch nach Ägypten in den Weg, wurde letztlich aber doch ins Perserreich einverleibt. Unter den Achämeniden genoss Gaza wegen seiner Bedeutung für den Handel mit Arabien weitestgehende Autonomie.
Als Alexander der Große Gaza während des Alexanderzuges erreichte, leistete die Stadt unter dem persischen Kommandanten Batis Widerstand. Nach zweimonatiger Belagerung wurde Gaza eingenommen, die Bevölkerung massakriert und Batis mit einem Streitwagen zu Tode geschleift.
Nach dem Ende des Alexanderreichs stritten sich die Ptolemäer und Seleukiden um Gaza, bis es 200 v. Chr. endgültig in seleukidische Hand kam. Zu dieser Zeit begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt, die ihre Rolle als Handelsmetropole nicht zuletzt an Alexandria verlor. Von Alexander Jannäus wurde die Stadt im Jahr 98 v. Chr. völlig zerstört.
Von den Römern, insbesondere dem Prokonsul Gabinius, in den letzten Jahren der Römische Republik, wurde Gaza Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. etwas südlich des alten Stadthügels neu aufgebaut. Bis ins 4. Jahrhundert wurde in Gaza vor allem der Stadtgott Marnas verehrt.
Mit Porphyrios von Gaza (347–420) setzte sich das Christentum in der Stadt durch. In der Spätantike und in byzantinischer Zeit (5.–6. Jahrhundert) war Gaza vor allem für seine Rhetorik-Schule berühmt. Die Rhetorik-Schule von Gaza war eine Gruppe einflussreicher Gelehrter. Viele von ihnen pflegten eine Lehrer-Schüler-Beziehung und nahmen als Redner am lokalen öffentlichen Leben teil. Zu den berühmten Vorsitzenden der Schule gehörten Aineias von Gaza (gestorben um 518), ein christlicher Neuplatoniker, der die christliche Auferstehungslehre verteidigte, Prokopios von Gaza (465–528), der Kommentare zu Büchern des Alten Testaments verfasste, die zu den frühesten Beispielen der so genannten katenischen Kommentare zählen, und sein Schüler Chorikios von Gaza. Die Rhetorische Schule in Gaza trug dazu bei, das byzantinische Palästina zu „einem der wichtigsten Zentren des Lernens und der intellektuellen Aktivität in der Spätantike“ zu machen, das sogar andere große Städte im Mittelmeerraum wie Athen und Alexandria in den Schatten stellte. Die Soft Power, die die Schule und die zeitgenössische Bibliothek von Caesarea-Palaestina darstellten, gewährte Palästina in der byzantinischen Ära ein gewisses Maß an lokaler Autonomie. Als die Gaza-Triade wurden die drei christlichen Theologen Aineias, Prokopios und Zacharias von Mytilene Scholasticus (gestorben um 540), ein früher Kirchenhistoriker, bezeichnet.
Im 5. Jahrhundert wurde die Stadt mehrheitlich christlich. Zudem bestand in römischer und in byzantinischer Zeit eine jüdische Gemeinde. Im Jahr 635 wurde Gaza von den Arabern in der Islamischen Expansion erobert. Gaza, das seine Bedeutung als Handelsort zwischenzeitlich eingebüßt hatte, wurde wieder zu einem wichtigen Umschlagplatz auf der Weihrauchstraße, insbesondere im Handel mit Mekka.
Die Kreuzfahrer unter Balduin I., König von Jerusalem um 1100, eroberten die Stadt, die damals in Ruinen lag und Gadres genannt wurde. Balduin III. ließ 1149 eine kleine Burg in Gaza errichten und übergab diese und die Umgebung nach deren Fertigstellung dem Templerorden, der in der Folgezeit den gesamten Siedlungshügel wiederbefestigte. Durch die Befestigung von Gaza schnitten die Kreuzfahrer die Festungsstadt Aschkelon vom Landweg nach Ägypten ab. Aschkelon war damals das letzte Bollwerk der ägyptischen Fatimiden-Dynastie in Palästina und wurde daraufhin 1153 erobert. 1170 belagerte Saladin erfolglos die Stadt. Nach der Schlacht bei Hattin 1187 wurde sie 1188 schließlich kampflos an Saladin übergeben, im Austausch gegen den in der Schlacht gefangen genommenen Templer-Großmeister Gérard de Ridefort. 1192 wurde Gaza kurzzeitig von den Teilnehmern des Dritten Kreuzzugs unter Richard Löwenherz besetzt, doch 1192 beim Friedensschluss zwischen Richard und Saladin diesem überlassen und die Befestigungen dazu geschleift. Sowohl in der Schlacht bei Gaza (1239) als auch in der Schlacht von La Forbie (1244) unterlagen die Kreuzfahrer nahe der Stadt muslimischen Heeren. Die Muslime wandelten die Johannes dem Täufer geweihte Kirche zur Großen Moschee um.