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Gamal Abdel Nasser

Ägyptischer Offizier und ehemaliger Staatspräsident Ägyptens

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Gamal Abdel Nasser (ägyptisch-Arabisch für جمال عبد الناصر Dschamāl ʿAbd an-Nāsir, DMG Ǧamāl ʿAbd an-Nāṣir; * 15. Januar 1918 in Alexandria; † 28. September 1970 in Kairo) war ein ägyptischer Offizier und Staatsmann. Von 1952 bis 1954 war er Ministerpräsident Ägyptens, von 1954 bis 1970 dann Staatspräsident sowie in der Periode der Vereinigung Ägyptens mit Syrien Präsident der Vereinigten Arabischen Republik.

Nasser, dessen Vater Abd el Nasser Husein Postbeamter war und aus dem kleinen oberägyptischen Dorf Banī Murr in der Nähe von Asyut stammte, wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine Mutter, Fahima Mohammad Hammad, Tochter eines Kohlehändlers aus Alexandria, die mit dem Vater Abdel Nassers seit 1917 verheiratet war, starb bereits 1926. Da der Vater oft versetzt wurde, begann Abdel Nasser seine Schulausbildung in Asyut. Um die wiederholten Schulwechsel zu vermeiden, beschlossen die Eltern, ihr Kind zum Onkel nach Kairo zu schicken, als dieser sieben Jahre alt war. Trotzdem hielt er sich oft in dem Heimatdorf auf, aus dem seine Familie stammte, wo er aus erster Hand die Armut der Dorfbewohner beobachten konnte, die oft als Angestellte des Staates in Lohn und Brot kamen, oft erreichten sie dieses Ziel auch durch höhere Bildungsabschlüsse. Erstmals konnte Abdel Nasser während seiner Kairoer Schulzeit an der al-Naḥḥasīn-Schule unvorstellbare Armut und völlig überfüllte Wohnquartiere in der ägyptischen Hauptstadt aus erster Hand erleben. Während seiner Zeit in der ägyptischen Hauptstadt erreichte ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Weil der Vater recht bald wieder heiratete, wendete sich der junge Abdel Nasser gegen seinen Vater und wurde unabhängiger, außerdem sagte man ihm nach, er sei seitdem wesentlich ernsthafter und nachdenklicher geworden. Als er kurz darauf mit seinem Studium begann, begann er, sich an militanten Aktionen gegen die Präsenz Großbritanniens und die Politik seines Landes zu beteiligen.

Somit wendete sich Abdel Nasser bereits in seiner Jugend politisch gegen ausländische Einflüsse auf die ägyptische Politik, insbesondere die auch nach ihrem formellen Ende 1922 weiter wirksame britische Herrschaft. Bereits als Schüler nahm er an antibritischen Demonstrationen teil, die 1923 von der ultranationalistischen Jungägyptischen Gesellschaft organisiert wurden. 1935 kam er wegen „umstürzlerischer Tätigkeit“ in Untersuchungshaft. Mehrfach bewarb er sich beim Militär und der Polizei, erst durch die Unterstützung einer einflussreichen Person gelang ihm dieser Schritt 1936 und so konnte er die Militärakademie Kairo besuchen. Diese schloss er 1940 ab. Er lehnte den britischen Einfluss ab, der sich auch auf die ägyptischen Streitkräfte erstreckte: Im Februar 1942 umstellten britische Panzer den Königspalast und zwangen König Faruq I., die Regierung durch eine pro-britische zu ersetzen. Viele ägyptische Offiziere verließen daraufhin die Armee, da sie es nicht vermochte, den eigenen König zu schützen. Nasser gehörte nicht zu diesen Offizieren. Er war der Meinung, dass ein solcher König keinen Schutz verdiene, dass er eher gestürzt werden müsse. Nach einem Aufenthalt im Sudan begann er 1943 eine Tätigkeit als Lehrer an der Militärakademie. Hier beteiligte er sich an der Gründung des illegalen „Komitees freier Offiziere“. 1947 besuchte er die Generalstabsschule. Von 1948 bis 1949 nahm er als Hauptmann am Palästinakrieg teil. Als Mitglied der ägyptischen Delegation beteiligte er sich an den Waffenstillstandsverhandlungen mit Israel auf der griechischen Insel Rhodos. 1951 war er Ausbilder an der Stabsschule der Infanterie in Kairo. Nassers erklärte Vorbilder waren der Prophet Mohammed, George Washington, Voltaire und Gandhi.

Beginn der politischen Aktivität

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Nasser mit deutschen und italienischen Agenten zusammen und plante gemeinsam mit weiteren ägyptischen Militärs einen Putsch gegen die Briten. Die Zusammenarbeit mit den Achsenmächten war nicht nur in Nassers Antikolonialismus, sondern auch in seiner Judenfeindschaft begründet – er war überzeugt von der Authentizität der antisemitischen Protokolle der Weisen von Zion und ließ sie als einer der ersten arabischen Staatschefs nachdrucken.

Nasser gründete 1949 das Komitee der Freien Offiziere. Alle neun (später elf) Mitglieder waren aber zu jung, um nach einem Militärputsch in der Bevölkerung Vertrauen zu erlangen, da Ägypten sehr patriarchalisch geprägt ist. General Muhammad Nagib wurde u. a. auch deswegen als ranghöchster Offizier an die Spitze des Komitees gewählt. In dieser Zeit kam es auch zeitweise zu einer Annäherung an die Muslimbrüder. Hasan al-ʿAschmāwī, ein Freund, der der Muslimbruderschaft angehörte, ermöglichte Nasser Ende 1950, auf dem Grundstück seines Vaters ein geheimes Waffenlager anzulegen.

Staatsstreich und Machtkampf mit Nagib

Unter der Führung von Nagib und Nasser stürzten die Freien Offiziere in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1952 König Faruk I. General Nagib wurde Präsident, Nasser Premier und Innenminister. In den Folgejahren gerieten Nasser und Nagib jedoch zunehmend in Konflikt über den künftigen Weg Ägyptens. Nagib war für eine Rückkehr der Armee in die Kasernen und die Erstellung eines demokratischen Gemeinwesens mit den aus der Monarchie übernommenen alten Parteien, während Nasser für die Fortsetzung der Militärherrschaft und einen gesellschaftlichen Umbau war und die politische Opposition, zunächst vor allem die Kommunisten, unterdrücken ließ. Am 26. Februar 1954 setzte Nasser Nagib ab und stellte ihn unter Hausarrest. Im gleichen Jahr wurde er zum Vorsitzenden des Revolutionären Kommandorats. Als Nasser Nagib stürzte, wurden bei dem Ex-Präsidenten drei Millionen Dollar in bar gefunden. Nasser vermutete, dass das Geld von US-Außenminister John Foster Dulles stammte. Der Bruder des damaligen CIA-Chefs Allen Dulles hatte wenige Monate zuvor mit Nagib verhandelt. Nasser ließ mit dem Geld den Fernsehturm Kairo bauen. Später pflegte Nasser zu Freunden, mit Blick auf den Turm zu sagen: „Sprecht leise, die CIA hört mit.“

Nasser wurde am 23. Juni 1956 zum Präsidenten Ägyptens gewählt. Er behielt das Amt bis zu seinem Tod.

Zu Beginn seiner Herrschaft vertrat Nasser vor allem die Idee des ägyptischen Nationalismus. Auch nahm er eine konziliantere Haltung gegenüber dem Staat Israel ein, den er als Produkt einer gelungenen Befreiung von kolonialer Herrschaft betrachtete. Nach seiner Machtübernahme verschrieb er sich immer mehr dem Panarabismus. Eine Begründung für seinen Sinneswandel gab Nasser selbst 1953 gegenüber einem engen Freund: „Früher habe ich weder an die Araber noch an den Arabismus geglaubt. Jedes Mal, wenn du oder jemand anderer mit mir über die Araber geredet hatten, habe ich darüber gelacht. Aber dann habe ich das ganze Potential der arabischen Staaten erkannt! Dadurch habe ich meine Meinung geändert.“

1954 publizierte er das programmatische Buch Die Philosophie der Revolution mit der Hilfe des Chefredakteurs der Zeitung Al-Ahram Muhammad Heikal. Nassers darin enthaltene „Drei-Kreise-Theorie“ begründete eine Führungsrolle Ägyptens sowohl in der arabischen als auch in der afrikanischen bzw. der islamischen Welt.

Dennoch verhandelte Nasser auch mit Israel; seine Gespräche mit dessen Premier Mosche Scharet über eine die Palästinenser einschließende Friedenslösung wurden von David Ben-Gurion durch westdeutsche Waffenlieferungen an Israel sabotiert. Infolge seiner dadurch verstärkten Hinwendung zum arabischen Nationalismus vertrat Nasser auch eine aggressivere Haltung gegenüber Israel, dessen Existenzrecht er schließlich ablehnte. Zudem gewährte er mehreren bekannten Nationalsozialisten Zuflucht und gab 1964 der rechtsextremen National-Zeitung ein Interview, in dem er den Holocaust leugnete. Nasser nutzte Radiostationen, um seine Ideologie in Afrika und vor allem in der arabischen Welt zu verbreiten. Dazu bediente er sich oberflächlich islamischer Rhetorik. Seine Hinwendung zum Panarabismus half Nasser dabei, sich gegenüber seinen politischen Gegnern – zunächst vor allem Nagib und der Muslimbruderschaft – ideologisch abzugrenzen. Dabei entlehnte er viele Inhalte dem arabischen Sozialismus der Baath-Partei, geriet bald aber auch mit dieser in der Frage in Konflikt, ob die arabische Einheit oder soziale Reformen Vorrang haben sollten.

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