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Galicien

Autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens

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Galicien ([ɡaˈliːt͡si̯ən], galicisch Galicia [ɡaˈliθjɐ] oder Galiza [ɡaˈliθɐ], spanisch Galicia [gaˈliθja]; offiziell galicisch Comunidade Autónoma de Galicia, spanisch Comunidad Autónoma de Galicia) ist eine Autonome Gemeinschaft im Nordwesten Spaniens. Sie gliedert sich in die vier Provinzen A Coruña, Lugo, Ourense und Pontevedra.

Der Name geht auf die Gallaeker (lateinisch Gallaeci) zurück, eine Gruppe keltisch beeinflusster Völker, die im Altertum in der Region siedelten.

Galicien liegt in Nordwest-Spanien und erstreckt sich etwa zwischen 42° N 009° W und 44° N 007° W. Im Norden grenzt Galicien an das Kantabrische Meer, im Westen an den Atlantischen Ozean. Im Süden grenzt es an Portugal und im Osten an die spanischen autonomen Gemeinschaften Kastilien und León und Asturien.

Prägend für die Region sind die Riasküste und hohe Bergketten, die Galicien vom Rest Spaniens abschotten. Mehr als die Hälfte des Gebietes liegt über 400 Meter. Die höchste Erhebung ist mit 2127 Metern die Peña Trevinca. Der ausgeprägte Küstenverlauf Galiciens mit einer Gesamtlänge von rund 1659 Kilometern, von denen über 800 Kilometer aus Steilküste und rund 300 Kilometer aus Strandabschnitten bestehen, umfasst rund ein Drittel der spanischen Atlantikküste. Charakteristisch für Galiciens Küste sind die Rías, schlauch- und trichterförmige, fjordähnliche Flussmündungen, in die das Meer eingedrungen ist.

Im Gegensatz zu Fjorden weisen die Rías allerdings nur eine geringe Tiefe auf. Unterschieden werden die Rías Baixas (span. Rías Bajas) und die Rías Altas. Die Rías Altas im Norden reichen von Ribadeo bis A Coruña. Die Rías Baixas reichen vom Kap Finisterre (galic. Cabo Fisterra) bis zur portugiesischen Grenze. Hauptunterscheidungsmerkmal der beiden Küstenabschnitte ist die jeweils sehr spezifische Küstencharakteristik. Während die Rías Baixas sanft ins Meer laufen, ist der Verlauf der Rías Altas wesentlich steiler. So finden sich an den Rías Altas auch die höchsten Kliffs des europäischen Kontinents. Diese liegen an der Serra da Capelada nordöstlich von Ferrol und erreichen eine Höhe von 620 Metern. Die größte Ría ist die zu den Rías Baixas gehörende Ría de Arousa. Diese hat eine Länge von 37 Kilometern und eine Tiefe von maximal 69 Metern. Auffällig sind die zahlreichen Holzflöße, an denen Miesmuscheln gezüchtet werden.

Charakteristisch für Galicien sind überdies die weitläufigen Wälder, die zum Teil aus angepflanzten Eukalyptusbäumen bestehen. Das Waldgebiet in der Autonomen Gemeinschaft entspricht etwa 30 Prozent des Gesamtwaldbestandes in Spanien. Die Flüsse, die direkt Richtung Atlantik fließen, sind naturgemäß recht kurz; der wichtigste Fluss im Inneren Galiciens ist der Rio Miño. Dieser fließt durch Lugo und Ourense, sowohl durch diese Provinzen wie durch ihre namensgebenden Hauptstädte, und hat im Río Sil einen bedeutenden Nebenfluss.

In Galicien liegt das Ziel des sowohl kulturell als auch touristisch bedeutenden Jakobsweges, der Pilger und andere Interessierte zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto bis nach Santiago de Compostela führt.

Bedeutende Städte sind A Coruña, Ferrol, Lugo, Ourense, Pontevedra, Santiago de Compostela und Vigo.

Das Klima der Region wird vom Atlantik geprägt und ist ausgesprochen mild, dabei jedoch sehr feucht. Kennzeichnend für Galicien sind milde Winter mit heftigen Niederschlägen und nicht allzu heiße Sommermonate. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei 1.989,4 Stunden pro Jahr. Die mittleren Temperaturen an der Küste liegen im Jahresdurchschnitt in A Coruña bei 13,8 °C und in Vigo bei 14,7 °C. Im Binnenland erreicht Ourense 14 °C. In den Bergen liegen die Durchschnittstemperaturen deutlich darunter, so etwa bei 9,7 °C im „Alto de Rodicio“ oder 8 °C in „Pedrafita do Cebreiro“. Der Nordwesten Galiciens weist rund 150 Regentage im Jahr auf und ist damit die regenreichste Region Spaniens. Diese Zahl reduziert sich zunehmend in Richtung Südosten. Hier werden rund 100 Regentage und weniger im Jahr registriert. Am regenintensivsten sind in abnehmender Reihenfolge der Winter, der Herbst und der Frühling. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 1.404,8 l/m².

Das feuchte Klima, häufige Nebel und Winde sowie die grüne bergige Landschaft, insbesondere im Herbst und im Winter, lassen Assoziationen mit Irland oder der Bretagne aufkommen.

Die meteorologischen Vorhersagen in Galicien stammen von MeteoGalicia.

Verglichen mit dem übrigen Spanien wird Galicien jedes Jahr im Sommer von überdurchschnittlich vielen Waldbränden heimgesucht. Im Jahr 2006 erreichten die Brände einen vorläufigen Höhepunkt: Nach amtlichen Angaben verbrannten innerhalb zweier Wochen zu Beginn des Monats August rund 70.000 Hektar Wald und Buschland; gezählt wurden über 1.600 Brandherde. Bei diesen Feuern kamen auch Menschen zu Schaden (vier Tote) und Häuser wurden zerstört; der Rauch der brennenden Wälder führte zu einem erheblichen Smog an der Küste, zeitweise mussten deshalb sogar Straßen gesperrt werden. Der Gesamtschaden wird allein 2006 auf 500 Millionen Euro geschätzt. Die Ursachen für diese Brände – die zunächst verwundern, da Galicien im Vergleich zum übrigen Spanien sehr feucht und regenreich ist – sind vielfältig. Einerseits sind die Wälder Galiciens großteils Monokulturen aus Eukalyptus und Nadelgehölzen, die besonders leicht entflammbar sind. Die Wälder gelten auch als „vernachlässigt“, d. h. nur mangelhaft bewirtschaftet; viel trockenes Unterholz trägt zur Ausbreitung von Feuern bei. Neben natürlichen Bränden durch Blitzschlag oder Selbstentzündung bei Hitze sind jedoch viele Brände auf Brandstiftung zurückzuführen. Diese rühren teilweise von Bodenspekulationen – trotz eines Gesetzes, wonach Brandflächen 30 Jahre nicht bebaut werden dürfen. Auch wurden schon Feuerwehrleute der Brandstiftung überführt, da die meist privaten Feuerwehren Prämien für Einsätze bekommen. Schließlich kommen auch unachtsam weggeworfene Zigarettenkippen und Grillfeuer mitunter als Ursachen in Betracht. Die Vielfalt der Ursachen machen eine wirkungsvolle Bekämpfung bzw. Prävention sehr schwierig. Allerdings haben die sehr starken Feuer 2006 in der Bevölkerung offenbar einen Umdenkprozess eingeleitet. Man besinnt sich zunehmend des ökologischen und ökonomischen Werts der Wälder.

Insbesondere die galicischen Brände haben zur Annahme eines Beschlusses des Europäischen Parlaments am 6. September 2006 geführt,

die von einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Parlamentariern eingebracht wurde. Darin wird die EU-Kommission u. a. aufgefordert, für eine nachhaltige Entwicklung der Wälder Europas Sorge zu tragen sowie Maßnahmen zur Prävention von Waldbränden und Überschwemmungen zu entwickeln und besser zu koordinieren.

Die Einwohnerzahl Galiciens liegt bei 2.703.353 Einwohnern (Stand: 2024), von denen 48,2 % Männer und 51,8 % Frauen sind (Stand: 2016). Die deutsche Bezeichnung für die heimische Bevölkerung lautet Galicier (spanisch gallegos, galicisch galegos).

In Galicien wird neben Spanisch die mit dem Portugiesischen eng verwandte galicische Sprache (Eigenbezeichnung galego, span. gallego) gesprochen. Das Galicische ist seit Beginn der 1980er Jahre Amtssprache in der Region neben dem Spanischen. Im November 2005 wurde Galicisch als „offizielle Sprache“, nicht jedoch als eine der Amtssprachen der Europäischen Union anerkannt.

Eine Umfrage des Statistischen Instituts der Regionalregierung zum Sprachgebrauch stammt aus dem Jahre 2008. Es handelt sich nicht um eine Befragung der gesamten Bevölkerung, sondern um eine Stichproben-Erhebung, die sich an Personen ab fünf Jahren richtete. Zur Frage nach der Muttersprache gaben 47,4 % der Befragten Galicisch, 27,1 % Spanisch und 23,1 % beide Sprachen an. Zur Selbsteinschätzung der Galicisch-Kenntnisse wurden folgende Angaben gemacht:

In Galicien wurden vereinzelt Spuren gefunden, die in das Spätpaläolithikum, zwischen 25.000 und 16.000 v. Chr. datiert werden. Die ältesten Spuren menschlicher Aktivität wurden in Budiño, Porriño, gefunden und stammen aus der Zeit um 25.000 v. Chr. Ab 8000 v. Chr. sind die Funde von Steinwerkzeugen recht häufig. An der Küste wird seit dem Mesolithikum Fischerei betrieben und es werden Muscheln gesammelt. Die Periode wird auch als asturianische Kultur bezeichnet und ist entlang der Küste von Vigo bis Asturien verbreitet. Es taucht erste Keramik auf. Erste Megalith­anlagen werden ab 4000 v. Chr. errichtet. Etwa 5.000 Mámoa genannte Hügel, die meist im Zentrum liegende Dolmen bedecken, sind hier zu finden. Leider fanden in den Grabhügeln durchweg Raubgrabungen statt, die bis heute fortdauern. Bekannt sind die Anlagen der Dolmen von Dombate, Dolmen von Axeitos, Dolmen von Maus de Salas oder Pedra da Arca.

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