Gabriel Urbain Fauré [ɡabʁi'ɛl yʁ'bɛ̃ fɔ'ʁe] (* 12. Mai 1845 in Pamiers, Département Ariège, Midi-Pyrénées; † 4. November 1924 in Paris) war ein französischer Komponist des Fin de siècle, der vor allem Vokal-, Klavier- und Kammermusik schrieb und 1905 Direktor des Pariser Konservatoriums wurde. 1877 bescheinigte ihm sein Lehrer Camille Saint-Saëns, mit seiner ersten Sonate für Klavier und Violine (A-Dur, op. 13) habe er sich in die Riege der Meister eingereiht. Faurés Stücke zeichnen sich durch „parfümfreien Charme und gebändigte Melancholie“ aus. Zu seinen Schülern zählten Nadia Boulanger, George Enescu, Reynaldo Hahn, Charles Koechlin und Maurice Ravel.
Gabriel Fauré, jüngstes von sechs Kindern eines Schulleiters, wuchs unweit von Carcassonne am Fuß der Pyrenäen auf. Wie viele Zeitgenossen wurde er zunächst zu einer Amme gegeben, später von einem Hauslehrer unterrichtet und kam dann auf ein Internat. Er konnte schon früh ein Harmonium spielen, das in einer in der Nähe gelegenen Kapelle stand. Mit acht Jahren spielte er bereits ausgezeichnet Klavier. 1854 wurde der Neunjährige an Louis Niedermeyers Pariser Schule für Kirchenmusik aufgenommen. Nach dem Tod des Schweizer Komponisten nahm sich ab 1861 der zehn Jahre ältere Camille Saint-Saëns des jungen Fauré an; sie blieben zeitlebens befreundet. Am Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 war Fauré als Kurier eines Infanterie-Regiments beteiligt. Heimgekehrt, zählte er 1871 zu den Gründungsmitgliedern der Société Nationale de Musique.
Fauré arbeitete schon früh als Organist, ohne besonders religiös zu sein. Nach einigen Jahren in Rennes bekam er 1870 eine Organistenstelle in Paris, wo er fortan blieb. Allerdings wurden die Organisten schlecht bezahlt; Fauré arbeitete auch mit Chören und gab Klavierunterricht. Tauchte er abends in den Pariser Salons auf, heimste er als glänzender Improvisator am Klavier, aber auch durch seine angenehme Erscheinung, viel Bewunderung ein. 1872 wurde er durch Saint-Saëns in den Salon der Familie Viardot eingeführt, wo er die Bekanntschaft von Ernest Renan, George Sand, Gustave Flaubert und Iwan Turgenjew machte. 1877 wurde seine erste Violinsonate im Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel gedruckt. Die Musikwelt Frankreichs war vom „Wagnerisme“ geprägt, und auch Fauré reiste nach München, Köln und Bayreuth, um Richard Wagners Opernaufführungen zu erleben. 1885 starb sein Vater, 1887 seine Mutter.
1892 wurde Fauré zum „Inspektor für Musikunterricht“ ernannt. 1896 wurde ihm, als Titularorganist, die große Orgel der Madeleine anvertraut (1896 bis 1905). 1896 übernahm er außerdem eine Professur für Komposition am Pariser Konservatorium in der Nachfolge von Jules Massenet. Er reiste zwischen 1894 und 1914 mehrere Male nach London, wo vor allem seine Kammermusikwerke und Lieder aufgeführt wurden. Großbritannien wurde zu einem der Länder, wo seine Werke besonders geschätzt wurden. Ab 1901 lehrte er an der École Niedermeyer.
Ab 1903 schrieb Fauré regelmäßig in der renommierten Tageszeitung Le Figaro über Musik. Im gleichen Jahr stellte er fest, dass sein Gehör stark nachließ.
1905 wurde er Direktor des Konservatoriums, was zu einem Skandal führte, weil er dort nicht studiert hatte. Er modernisierte den Lehrplan derart gründlich, dass ihn die alte Garde als „Robespierre“ beschimpfte. Nun durfte Richard Wagner studiert werden.
Im Jahr 1920 zwang ihn seine völlige Ertaubung zum Rücktritt als Direktor des Konservatoriums. Trotzdem komponierte er weiter. Vollständig gehörlos schuf er unter anderem zwei Cellosonaten (op. 109, op. 117) und ein Trio (Trio für Klarinette, Cello und Klavier op. 120).
Nach einer unglücklichen Verlobung um 1877 heiratete Fauré 1883 die Tochter des Bildhauers Emmanuel Frémiet, Marie (* 1856). Das Ehepaar hatte die Söhne Emmanuel (1883–1971) und Philippe (1889–1954). Philippe wurde Schriftsteller; er verfasste unter anderem eine Biographie seines Vaters. Um 1900 verliebte sich Fauré in die 24-jährige Pianistin Marguerite Hasselmans. Dieses Verhältnis wurde nicht verheimlicht, aber auch nicht durch Eheschließung „legalisiert“; es währte bis zu Faurés Tod.
1924 starb Fauré im Alter von 79 Jahren in Paris an einer Lungenentzündung. Nach seinem Tod erhielt er „ein pompöses Staatsbegräbnis in der Madeleine, das in merkwürdigem Kontrast zu seiner lebenslang geübten Zurückhaltung stand“. Bei der Trauerfeier wurde das von ihm komponierte Requiem aufgeführt. Fauré ruht auf dem Cimetière de Passy (Division 15, ungefähre Grablage: ).
1913 nahm ihn die Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique (Classe des Beaux-Arts) als assoziiertes Mitglied auf. 1920 erhielt er das Großkreuz der Ehrenlegion.
In Paris gibt es einen Gabriel-Fauré-Platz im 17. Arrondissement, in seinem Geburtsort eine nach ihm benannte Straße. Verschiedene Gymnasien in Paris, Annecy und Foix erinnern an ihn. 2002 wurde der Asteroid (8685) Fauré nach ihm benannt. Nach ihm ist das Fauré Inlet benannt, eine Bucht auf der Alexander-I.-Insel in der Antarktis.
Gabriel Fauré zählt in Frankreich zu den wichtigsten Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Obwohl von deutscher und französischer Romantik (Hector Berlioz, César Franck) beeinflusst, hat Fauré „eine eigenständige, poetisch nuancierte, stark diatonisch gebundene Tonsprache auf der Grundlage einer um mannigfaltige Differenzierungen bereicherten Harmonik“ herausgebildet.
Im Vergleich zum Zeitgenossen Claude Debussy oder zu seinem Nachfahren Maurice Ravel ist Fauré im internationalen Musikleben wenig präsent. Dies könnte auch daran liegen, dass er kaum großbesetzte Werke hinterlassen hat. Eine wesentliche Ausnahme stellt seine Musik zu dem nach Aischylos verfassten Stück Prométhée dar. Die Premiere fand im Jahr 1900 vor zehntausend Zuhörern in der Stierkampfarena von Béziers statt, einer Stadt in Faurés südwestfranzösischer Heimat. An ihr waren mehrere hundert Sänger und Instrumentalisten beteiligt, darunter allein 30 Trompeter. Das habe Fauré „mühelos“ bewältigt, schreibt R. Crichton. Die Musik zeige nichts von seiner gewohnten Zurückhaltung. Einer seiner größten Erfolge war die Oper Pénélope, die am 9. Mai 1913 im Rahmen der Eröffnung des Théâtre des Champs-Élysées uraufgeführt wurde.
Fauré hinterließ jedoch eine bemerkenswerte Zahl geistlicher Werke für den liturgischen Gebrauch. Sein Requiem wird bis heute häufig aufgeführt.
Zum Höhepunkt seines Schaffens fand Fauré nach Ansicht der meisten Kenner in der Vokalmusik, insbesondere in seinen Klavierliedern. Interessant ist, dass einige seiner Lieder, wie Après un rêve, außerhalb Frankreichs überwiegend in Instrumentalbearbeitungen (z. B. für Cello und Klavier) bekannt sind. Fauré schrieb ferner Kammermusik (je zwei Klavierquartette, Klavierquintette, Violinsonaten, Cellosonaten) und Klaviermusik.
Mélodies de Venise (Verlaine, 1891)
La Bonne Chanson (Verlaine, 1892–1894)
Zwei Lieder op. 87 (Paul-Armand Silvestre, 1904)