Gabriel Moïse Charpentier (* 13. September 1925 in Richmond, Québec; † 7. November 2019 in Montréal) war ein kanadischer Komponist und Lyriker.
Charpentier hatte zunächst Klavierunterricht in seiner Heimatstadt bei Estelle Letarte, dann in Trois-Rivières bei Joseph-Antonio Thompson und schließlich von 1940 bis 1945 am Jean-de-Brébeuf College in Montreal bei Hervé Cloutier und Fernand Graton sowie bei Jean Papineau-Couture. Bis 1947 studierte er im Benediktinerkloster von St-Benoît-du-Lac gregorianischen Gesang bei Dom Bergeron; bis 1953 studierte er schließlich in Paris bei Nadia Boulanger (Komposition), Annette Dieudonné (Solfège), Andrée Bonneville und Norbert Dufourcq.
Von 1954 bis 1980 war Charpentier Programmkoordinator und künstlerischer Berater für Musiksendungen im französischen Fernsehprogramm der CBC. In Zusammenarbeit mit Françoys Bernier, Pierre Mercure, Pierre Morin und anderen produzierte er Serien wie Concerts pour la jeunesse, L’Heure du concert, Musiques folles des années sages, und Les Beaux Dimanches. Hier wurden auch Werke zeitgenössischer Komponisten wie Serge Garants ...chant d’amours und das Ballett von Brian Macdonald und Harry Freedman The Shining People of Leonard Cohen vorgestellt.
1955 und 1956 gab Charpentier Sommerkurse in Musikgeschichte an der McGill University. Von 1961 bis 1964 unterrichtete er Musikgeschichte und Rhythmik an der National Theatre School. Von 1959 bis 1972 war er musikalischer Direktor des Théâtre du Nouveau Monde. Er komponierte Vokal- und Instrumentalmusik, wurde aber vor allem mit seinen Opern, Schauspiel- und Filmmusiken bekannt. Insgesamt schuf er mehr als sechzig Werke für das Musiktheater.
Infolge einer degenerativen Erkrankung verbrachte er die letzten Lebensjahre in einem Pflegeheim in Montréal, wo er im Herbst 2019 starb. Über seinen Tod wurde fast zwei Jahre lang Stillschweigen gewahrt, ein Nachruf erschien erst im Oktober 2021.
1948 erhielt Charpentier für seine Lyriksammlung Aire den Prix de la poésie moderne in Paris. Er schrieb die Texte für Pierre Mercures Cantate pour une joie und Dissidence und für Jocelyne Binets Trois Poèmes und übersetzte R. Murray Schafers Opern Loving und Beauty and the Beast.
Klondyke für 21 Sänger-Schauspieler, 4 Sänger-Tänzer, zwei Tenöre, Bariton, Bass, Instrumentalensemble und Tonband, 1965
Orphée I/Orpheus II für zwölf Schauspieler, Solisten, Chor, Instrumentalisten und Tonband, 1969, 1972
Clara on the Bridge für zwei Soprane, Kontraalt, Schauspielerin und zwei Cembali
Claracello ou Répertoire für Klavier, Klarinette und Cello, 1985
Clara et les philosophes, „opera cocktail“ für zwei Soprane, Kontraalt, Bariton, Bass, Flöte, Klarinette und Klavier, 1976
An English Lesson or Clara-Teacher, „opera-happening“ für Sprecher, Schauspielerin, zwei Tenöre, Bariton, Bass und Instrumentalensemble, 1968
Clara, la nuit für Kontraalt und Cello
A Tea Symphony or The Perils of Clara, „a kitsch opera in nine drinks“ für Sopran, Flöte und Klavier, 1972
Clara, un masque für Mezzosopran, Flöte, Klarinette, Violine, Cello, Klavier und Perkussion
Clarabelle-Clarimage, „an operation“ für zwei Soprane, Bariton, zwei Flöten, Klarinette und zwei Klaviere, 1979
Clara-Committee, „a charivari“ für zwei Soprane, Mezzosopran, Kontraalt, zwei Tenöre, Bariton, Bass, Schauspielerin, Instrumentalensemble und Tonband
Ballade du Fils de l’homme für zwei Soprane, Mezzosopran, Kontraalt, Bariton, Schauspielerin, Cello, Orgel, elektrische Perkussion und Tonband