An diesem Tag

Günther Uecker

Deutscher Maler und Objektkünstler

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Günther Uecker (* 13. März 1930 in Wendorf; † 10. Juni 2025 in Düsseldorf) war ein deutscher Maler und Objektkünstler. Bekannt wurde er vor allem mit seinen reliefartigen Nagelbildern. Ein Teil seiner künstlerischen Objekte kann der kinetischen Kunst zugeordnet werden. In späteren Jahren wandte er sich auch der Glaskunst zu und entwarf Kirchenfenster.

Günther Uecker wuchs ab 1936 auf der Halbinsel Wustrow auf, wo sein Vater als Ingenieur auf einem Versuchsflugplatz der Luftfahrtindustrie angestellt war. Dort erlebte er das Ende des Zweiten Weltkriegs. Als die Rote Armee die Halbinsel Wustrow beanspruchte und die deutschen Zivilisten sie verlassen mussten, übernahm sein Vater eine Neubauernstelle in Groß Schwansee. Günther Uecker besuchte die örtliche Diesterweg-Schule im ehemaligen Gutshaus Groß Schwansee.

Nach der Schulzeit machte Uecker in Grevesmühlen eine Anstreicher- und Schreinerlehre. Danach studierte er bis 1953 Malerei, zuerst in Wismar, dann an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Anlässlich der Weltjugendfestspiele 1951 in Ost-Berlin nutzte er die Gelegenheit, erstmals West-Berlin zu besuchen, und kam dort in Kontakt mit Werken der abstrakten Kunst. 1953, nach dem Aufstand des 17. Juni, verließ er die DDR und siedelte nach West-Berlin über. Dort beschäftigte er sich mit Religion und Philosophie, was sein Werk beeinflussen sollte.

Weil Uecker bei seinem Idol Otto Pankok studieren wollte, ging er 1955 nach Westdeutschland. Sein Weg führte über das Notaufnahmelager für männliche jugendliche DDR-Flüchtlinge in Sandbostel, in dem er nach eigenen Angaben wochenlang als vermeintlich von der DDR Eingeschleuster verhört wurde. Im selben Jahr holte er seine Schwester Rotraut aus Groß Schwansee in den Westen.

Günther Uecker setzte von 1955 bis 1957 sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Otto Pankok fort. 1956/1957 entstanden erstmals die für ihn typischen Nagelbilder: dreidimensionale, weiß bemalte Reliefs aus Nägeln, die durch die Ausrichtung der Nägel und die Wechselwirkung von Licht und Schatten ihre eigene Dynamik erhalten. Ab 1962 versah Uecker Alltagsgegenstände wie Möbel mit Nagelreliefs.

1961 wurde Uecker Mitglied in der von Heinz Mack und Otto Piene gegründeten Künstlergruppe ZERO, woraufhin er sich auch der kinetischen Lichtkunst zuwandte. Gemeinsam mit Gerhard Richter inszenierte er die Demonstration Museen können bewohnbare Orte sein. Die Aufführung des Terrororchesters in der Kunsthalle Baden-Baden, einer lärmenden Installation aus zwanzig Maschinen, Staubsaugern, einer Wäschetrommel sowie Hammer und Sichel, erregte bundesweit Aufsehen. In den 1960er Jahren bewohnte Uecker zeitweise eine alte Scheune in Düsseldorf-Oberkassel für eine Monatsmiete von 50 Mark. Als die Stadt Düsseldorf ihm kündigen wollte, brannte er nach eigenen Angaben das Gebäude nieder, was er 2016 mit den Worten kommentierte: „Ich war immer von dieser radikalen Art.“

Zusammen mit Thomas Lenk, Heinz Mack und Georg Karl Pfahler war Uecker 1970 deutscher Vertreter auf der Biennale von Venedig. Von 1971 bis 1974 folgten Arbeitsaufenthalte in Südamerika, Afrika und Asien sowie von 1984 bis 1985 Aufenthalte in Japan, Sibirien, China, Island und der Mongolei. Seit den 1980er Jahren nahm er in seinen Werken zu politischen Fragen Stellung: So reagierte er auf die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl mit dem Zyklus Aschebilder. Weitere politische Bezüge finden sich in Werken über den Irak, zu Umweltproblemen und anderem.

Von 1974 bis 1995 unterrichtete Uecker als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zu seinen Meisterschülern zählten Halina Jaworski, Klaus Schmitt und Matthias Hintz. 1999 gestaltete er den Andachtsraum im Reichstagsgebäude in Berlin. 2004 konzipierte er das Freilichtbühnenbild für eine Aufführung des Dramas Wilhelm Tell von Friedrich Schiller auf der Rütliwiese in der Schweiz.

Im Dezember 2008 war Uecker Mitbegründer der Stiftung ZERO-Foundation. Weitere Gründer waren die ZERO-Künstler Heinz Mack und Otto Piene sowie die Stiftung museum kunst palast. Die Stiftung hat ihren Sitz im Düsseldorfer Medienhafen; sie hat sich zum Ziel gesetzt, die ZERO-Bewegung zu erhalten, zu präsentieren, zu erforschen und zu fördern.

Uecker lebte und arbeitete überwiegend in Düsseldorf-Oberkassel sowie in St. Gallen. Von 2002 bis 2008 bewohnte er zudem, mit Einverständnis der Kommune, eine Hütte auf der Halbinsel Wustrow, bis ihm dies vom Landratsamt mit Hinweis auf den Naturschutz verboten wurde. In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit sagte er jedoch im April 2025, er sei der einzige Einwohner der Insel Wustrow und halte sich manchmal dort auf. Weil das Gebiet unter Naturschutz stehe, habe er sein Haus auf hohe Pfähle gestellt. Ein weiteres Atelier Ueckers befindet sich in der Berliner Gartenstadt Atlantic des Architekten Rudolf Fränkel.

Ueckers Hauptwerke, wie seine genagelten Reliefs, werden am Kunstmarkt auf eine halbe Million Euro oder mehr taxiert, so z. B. Spirale I, 1968, bei Sotheby’s (New York) $ 600.000 bis $ 800.000 oder Feld/Field, 2012–13, bei Dorotheum (Wien) auf € 400.000 bis 600.000 € Anfang der 1970er Jahre wurden solche Bilder noch zu Preisen um 10.000 € gehandelt. Die städtische Kunstsammlung Bonn erwarb damals ein Nagelbild Ueckers zum Freundschaftspreis von nur 4.000 DM.

Anlässlich der Ausstellung „Die achtziger Jahre“ des Kaiserringträgers im Mönchehaus-Museum in Goslar erschien 1989 eine Serie von Offsetlithografien mit dem Motiv „Poesie der Destruktion“ (1987), Format 86 × 59,5 cm, von denen einige wenige Exemplare von Uecker signiert wurden.

Uecker starb im Alter von 95 Jahren in Düsseldorf.

Günther Uecker war der Bruder der Künstlerin Rotraut und Schwager des verstorbenen Künstlers Yves Klein. Uecker war seit 1958 mit Inge Hardung und später in zweiter Ehe mit der gelernten Buchhändlerin und späteren Fernsehansagerin des Westdeutschen Fernsehens Christine Steinfeld verheiratet; sie hatten einen Sohn.

Mack, Piene, Uecker, O – Zero, mit einer Einführung von Wieland Schmied. Ausstellungskatalog zur Ausstellung 7. 1964/1965 der Kestner-Gesellschaft, Hannover.

Dieter Honisch / Museum Folkwang Essen (Hrsg.): lenk mack pfahler uecker, XXXV biennale di venezia padiglione tedesco, Essen und Stuttgart 1970. Ausstellungskatalog des deutschen Pavillons der XXXV. Biennale Venedig 1970, darin 4 Einzelhefte mit Textbeiträgen von Dieter Honisch, Thomas Lenk, Heinz Mack, Georg Karl Pfahler und Günther Uecker, darin 4 Einzelhefte mit Originalgrafiken, Atelier- und Ausstellungsfotos.

Günther Uecker: Schriften. Gedichte, Projektbeschreibungen, Reflexionen. Hrsg. von Stephan von Wiese. Erker-Verlag, St. Gallen 1979

Günther Uecker. Schatten. Schein. In: Dokumente unserer Zeit. Band IV, Mit Texten von Dorothea van der Koelen, Siegfried Salzmann, Günther Uecker (deutsch, engl.) 84 S., 99 Abb., davon 23 farbig, Mainz 1987, ISBN 3-926663-04-9.

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