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Günter de Bruyn

Deutscher Schriftsteller

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Günter Martin de Bruyn [də ˈbʀɔɪn] (* 1. November 1926 in Berlin; † 4. Oktober 2020 in Bad Saarow) war ein deutscher Schriftsteller.

Günter de Bruyn wurde 1926 als jüngstes von vier Kindern einer katholisch geprägten Familie geboren. Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Berlin-Neukölln im Ortsteil Britz (Rudower Allee 8, seit 1947 Buschkrugallee). Von 1943 bis 1945 nahm er als Luftwaffenhelfer und Soldat in Böhmen am Zweiten Weltkrieg teil. Infolge einer schweren Kopfverletzung durch Granatsplitter kurz vor Kriegsende wurde sein Sprachzentrum gelähmt. Nach lebensrettendem Lazarettaufenthalt und abenteuerlicher Flucht nach Bayern wurde er auch seines jugendlichen Alters wegen schon bald aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen und fand zeitlich begrenzt eine Stelle als Landarbeiter in Niedersachsen. Seinen Vater und zwei Brüder hatte er im Krieg verloren. Schon im Sommer 1945 konnte er nach Zernsdorf bei Berlin zurückkehren und ließ sich in Potsdam mit Stipendium zum Neulehrer ausbilden. Ab 1946 war er drei Jahre lang als Lehrer in Garlitz im Havelland tätig.

Von 1949 bis 1953 absolvierte de Bruyn eine Ausbildung zum Bibliothekar. Danach arbeitete er bis 1961 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Bibliothekswesen in Ost-Berlin. Er war in jener Zeit auch als Dozent tätig und veröffentlichte bibliothekswissenschaftliche Arbeiten.

Seit 1961 arbeitete de Bruyn als freier Schriftsteller. Mit dem Romandebüt Der Hohlweg von 1963, einem antifaschistischen Tugendspiegel über die Ankunft in der sozialistischen Gesellschaft, versucht er das Trauma zu verarbeiten, das seine Generation in den Kriegs- und Nachkriegsjahren erfüllte. Den Entschluss hatte er noch als verwundeter Soldat im Zustand der Sprachlosigkeit gefasst. Nach 17-jähriger Arbeit erschien das Buch, doch galt ihm das Ergebnis als Ärgernis: „Es wurde mit einem Preis geehrt und milde beurteilt. Mein eigenes Urteil lautet: Thema verfehlt, fünf“. Trotzdem ist Der Hohlweg der Beginn einer erfolgreichen Karriere.

Ab 1965 war de Bruyn Mitglied des – zahlenmäßig bis über einhundert Angehörige umfassenden – Zentralvorstandes des Deutschen Schriftstellerverbands (1973 umbenannt in Schriftstellerverband der DDR) sowie ab 1974 im Präsidium des PEN-Zentrums der DDR. Wegen des Interesses de Bruyns am Vorhaben von Schriftstellerkollegen, durch Gründung eines „Selbstverlags“ die Zensur in der DDR zu umgehen, trat 1974 das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an ihn heran. De Bruyn sollte zwecks Verhinderung des Projekts „unter Legende“ als inoffizieller Mitarbeiter (IM „Roman“) angeworben werden. Der Vorgang wurde wegen Erfolglosigkeit Anfang 1976 eingestellt. Im Jahr 1983 setzte das MfS die Bearbeitung de Bruyns nunmehr als operative Personenkontrolle (OPK „Roman“) fort, denn es „verfestigten sich bei dem B. politisch-ideologische Unklarheiten und oppositionelle Einstellungen und Widersprüche zur sozialistischen Entwicklung“. Gründe der Einschätzung waren u. a. sein Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976, der zunächst den Ausschluss aus dem Berliner Vorstand des Schriftstellerverbands und auf dem VIII. DDR-Schriftstellerkongress im Mai 1978 auch aus dem Zentralvorstand zur Folge hatte, und 1981 seine Stellungnahme gegen die Verfolgung der DDR-Friedensbewegung beim IX. Schriftstellerkongress:

Ziel der OPK war, einen „Missbrauch“ de Bruyns als „personeller Stützpunkt gegnerischer Kräfte innerhalb und außerhalb der DDR“ zu verhindern. Die bereits gedruckte Erstauflage seines Romans Neue Herrlichkeit wurde auf Geheiß der zweiten Instanz der Zensur makuliert. Erst nachdem der Roman Neue Herrlichkeit 1984 in der Bundesrepublik Deutschland bei Fischer erschienen war, konnte er 1985 auch in der DDR beim Mitteldeutschen Verlag erscheinen. Das MfS nannte als Grund für das Erscheinen in der DDR ein „abgestimmtes Vorgehen der gesellschaftlichen und staatlichen Stellen“. Es sei dadurch verhindert worden, de Bruyn zum „oppositionellen Schriftsteller hochzuspielen und zur Hetze gegen die Kulturpolitik der DDR auszunutzen“, und stellte die OPK 1986 ein.

Auf dem X. Schriftstellerkongress der DDR im November 1987 forderten er und Christoph Hein die Abschaffung der Zensur in der DDR. Im Oktober 1989 lehnte de Bruyn die Annahme des Nationalpreises der DDR ab. Als Begründung nannte er die „Starre, Intoleranz und Dialogunfähigkeit“ der Regierung. Nach Einschätzung von Tilman Spreckelsen hat er „wie kein zweiter DDR-Autor das eigene Verhalten öffentlich hinterfragt“.

Nach der Wende war er Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und des Kuratoriums der Akademie für gesprochenes Wort in Stuttgart.

De Bruyn lebte in Berlin. Um sich der dortigen Atmosphäre, die er als einengend empfand, zu entziehen, verbrachte er ab 1967 die meiste Zeit zurückgezogen im Görsdorfer Ortsteil Blabber am Blabbergraben bei Beeskow. Günter de Bruyn starb im Oktober 2020 im Alter von 93 Jahren im Krankenhaus von Bad Saarow. Ein Sohn ist der Schriftsteller und Museumsdirektor Wolfgang de Bruyn.

Die Günter-de-Bruyn-Stiftung kümmert sich entsprechend dem letzten Willen von de Bruyn, seinen Nachlass zu inventarisieren und wissenschaftlich zu erschließen, und ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Günter de Bruyns Werk besteht zum einen aus häufig autobiographisch gefärbten, realistischen Romanen und Erzählungen, die sich dem „staatlich alimentierten Bildungsbürgertum der DDR“ (Gustav Seibt) – Kulturschaffenden, Professoren, Lehrern, Akademiemitarbeitern und Bibliothekaren – widmeten, zum anderen aus Essays zu literaturwissenschaftlichen und historischen Themen, insbesondere zur Geschichte Preußens. Jean Paul und Theodor Fontane beeinflussten de Bruyns Stil.

Er war Herausgeber einer Reihe von Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts mit Bezug zu Berlin und zur Mark Brandenburg, die unter dem Titel Märkischer Dichtergarten (mit Gerhard Wolf) erschien.

Großen Erfolg hatte er in den 1990er-Jahren mit den beiden Bänden seiner Autobiographie: Zwischenbilanz (über seine Kindheit und Jugend in Berlin) und Vierzig Jahre: Ein Lebensbericht. Frank Schirrmacher schrieb über die Zwischenbilanz, sie sei „das erste Buch, das nicht mehr der geteilten, sondern der gesamtdeutschen Literatur zugeschlagen werden kann“.

Am 4. November 2025 wurde an seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Britz, Buschkrugallee 144, eine Berliner Gedenktafel enthüllt.

Über die Arbeit in Freihandbibliotheken. Zentralinstitut für Bibliothekswesen, Ost-Berlin 1957, DNB 450660370.

Hochzeit in Welzow. Mitteldeutscher Verlag, Halle an der Saale 1960, DNB 450660397.

Wiedersehen an der Spree. Erzählung. Mitteldeutscher Verlag, Halle an der Saale 1960, DNB 450660443.

Einführung in die Systematik für allgemeinbildende Bibliotheken. Zentralinstitut für Bibliothekswesen, Ost-Berlin 1961, DNB 450660389.

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