Günter Herburger (* 6. April 1932 in Isny im Allgäu; † 3. Mai 2018 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.
Günter Herburger – Sohn eines Tierarztes – besuchte von 1945 bis 1950 das evangelische Internat Urspringschule in Schelklingen. Anschließend studierte er an der Universität München die Fächer Sanskrit, Philosophie und Theaterwissenschaft. Das Studium brach Herburger im Jahr 1954 ab und begab sich auf Reisen. Er lebte zeitweise auf Ibiza, in Madrid und Oran und war mit Gelegenheitsarbeiten beschäftigt. In Paris hatte er Kontakt zu dem Autor Joseph Breitbach. 1956 war er aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, nach München zurückzukehren. Er arbeitete an seinem ersten Roman. Nachdem er in München seine erste Frau, Brunhilde Braatz, geheiratet hatte, zog das Paar gemeinsam quer durch Europa. Nach der Trennung 1957 ging Herburger zurück nach Isny im Allgäu.
Er bemühte sich um eine Anstellung beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart und arbeitete ein Jahr lang an der Produktion von Livesendungen und Dokumentarfilmen mit. Während dieser Zeit gelang es Herburger durch Vermittlung Helmut Heißenbüttels, Kontakte zu anderen Schriftstellern zu knüpfen und erste Texte zu veröffentlichen. 1962 heirateten Günter Herburger und die Schauspielerin Ingrid Mannstaedt. Das Ehepaar zog 1963 nach Celle. Das Schreiben wurde nunmehr zu seiner Hauptbeschäftigung, und 1964 erschien ein erster Prosaband, der von der Kritik positiv aufgenommen wurde; daneben entstanden Hörspiele und Filmdrehbücher. Ab 1964 nahm Herburger an den Tagungen der Gruppe 47 teil. 1967 zog die Familie Herburger nach Berlin-Friedenau, wo der Autor rege Kontakte zu zahlreichen dort ansässigen Schriftstellerkollegen und zur beginnenden Studentenbewegung unterhielt.
Nach dem Scheitern seiner zweiten Ehe kehrte er 1973 nach München zurück. Dort heirateten Günter Herburger und Rosemarie Leitner. Und der Schriftsteller begann die Arbeit an der „Thuja-Trilogie“, einem Romanzyklus, der ihn bis in die 1990er Jahre beschäftigen sollte. Herburger engagierte sich politisch als Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und hielt sich zeitweise zu Studienzwecken in der DDR auf; später setzte bei ihm jedoch angesichts des dogmatischen Kurses der Partei eine gewisse Ernüchterung ein.
Im Jahr 1973 gründete Günter Herburger in München – gemeinsam mit Martin Gregor-Dellin, Michael Krüger, Paul Wühr, Christoph Buggert und Tankred Dorst – die erste genossenschaftlich organisierte Autorenbuchhandlung. Doch 1974, nach der Geburt einer behinderten Tochter, zog sich Herburger mehr und mehr aus dem Literaturbetrieb zurück, der ihn auch, ungeachtet zahlreicher ihm verliehener Preise, immer weniger zur Kenntnis nahm. 1975 veröffentlichte er das Gedicht „Zur Verbesserung des Feuilletons“, in dem er seine Ablehnung von Wolfram Siebeck und anderen Autoren ausdrückte. Siebeck antwortete in der Glosse „Mit deutscher Zunge“. Günter Herburger nahm im Juni 1977 am Lyrikfestival in Hamburg teil.
Ab 1983 entwickelte sich Herburger zum passionierten Läufer, der regelmäßig die Marathondistanz und längere Strecken absolvierte und über seine Erfahrungen mit diesem Extremsport in mehreren Büchern berichtet hat.
Herburger, der anfangs zu den von Dieter Wellershoff geförderten „Neuen Realisten“ zählte, wurde seit den 1970er Jahren zum Urheber sozialistisch geprägter, fantasievoll-utopischer Welten und nahm in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur eine Außenseiterstellung ein. Er war Verfasser von Gedichten, Kinderbüchern, Hörspielen und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.
Günter Herburger starb am 3. Mai 2018 im Alter von 86 Jahren in Berlin –, zwei Wochen nach dem Tod seiner Ehefrau Rosemarie Leitner. Er wurde auf dem Städtischen Friedhof in Isny im Allgäu beigesetzt.
1965: „Preis der Jungen Generation“, Literatur (Förderungspreis des Berliner Kunstpreises)
1967: Adolf-Grimme-Preis mit Gold und DAG-Fernsehpreis in Gold für das Drehbuch zu Der Beginn (zusammen mit Peter Lilienthal und Gérard Vandenberg)
1979: Gerrit-Engelke-Preis (zusammen mit Günter Wallraff)
1992: Hans-Erich-Nossack-Preis
1997: Literaturpreis der Landeshauptstadt München
2008: Preis der SWR-Bestenliste für Der Kuss
2011: Johann-Friedrich-von-Cotta-Literatur- und Übersetzerpreis der Landeshauptstadt Stuttgart
Eine gleichmäßige Landschaft. Erzählungen., Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln Berlin 1964.
Ventile. Gedichte. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln Berlin 1966.
Die Messe. Roman. Luchterhand Literaturverlag, Neuwied Berlin 1969.