Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 (englisch Football World Championship) war die achte Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 11. bis zum 30. Juli 1966 in England, dem „Mutterland des Fußballs“, statt.
Weltmeister wurde Gastgeberland England im Finale gegen die Bundesrepublik Deutschland, in dem mit dem Wembley-Tor eines der umstrittensten und gleichzeitig berühmtesten Tore der Fußballgeschichte fiel. Mit diesem Tor war die Vorentscheidung für Englands ersten und bisher einzigen Titelgewinn bei einem großen Endrundenturnier gefallen.
Der Portugiese Eusébio wurde mit neun Toren Torschützenkönig und führte seine Nationalmannschaft bei ihrer ersten WM-Teilnahme auf den dritten Rang. Titelverteidiger Brasilien schied bereits nach der Gruppenphase aus. Vize-Weltmeister Tschechoslowakei hatte sich nicht für das Turnier qualifizieren können.
Neben England hatten sich auch Spanien und die Bundesrepublik Deutschland um die Ausrichtung der WM 1966 beworben. Am 22. August 1960 wurde in Rom auf dem Weltkongress des Fußballs über die Vergabe abgestimmt. Spanien zog im Frühjahr 1960 seine Kandidatur unter Verweis auf das Motto der englischen Bewerbung zurück, die auf das Argument „100 Jahre Fußball in England“ aufgrund der Gründung der Football Association im Jahr 1863 baute. Somit verblieben nur noch zwei Bewerber, mit 34:27 Stimmen bei sechs Enthaltungen fiel schließlich die Entscheidung zu Gunsten von England aus.
Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in acht Stadien in sieben verschiedenen englischen Städten ausgetragen.
London (Wembley-Stadion): Das Wembley-Stadion in London war das größte Stadion der WM 1966. Es bot 98.600 Zuschauern Platz und wurde bereits im Vorfeld der WM für sechs Millionen Mark renoviert. Speziell für die WM wurden nur noch kleinere Renovierungen vorgenommen. Im Wembley-Stadion fanden fünf Vorrundenspiele der Gruppe A, ein Viertel-, ein Halbfinalspiel, das Spiel um Platz 3 und das Finale statt. Insgesamt sahen 778.034 Zuschauer die neun Spiele, ein Schnitt von 86.448 Zuschauern. Die meisten (98.270) kamen zum letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich.
London (White City Stadium): Im White-City-Stadion wurde lediglich ein Spiel der Vorrundengruppe A ausgetragen. Da sich der Besitzer des Wembley-Stadions weigerte, ein Greyhound-Rennen zu verlegen, wurde für die Partie Frankreich gegen Uruguay ein Ersatzstadion in London nötig. Im White-City-Stadion fanden 54.000 Zuschauer Platz und 45.662 Besucher verfolgten dieses Spiel.
Birmingham (Villa Park): Im Villa Park zu Birmingham, der Heimstätte des Erstligisten Aston Villa, fanden drei Spiele der Gruppe B statt. Für 1,3 Millionen Mark wurde das Stadion renoviert, das Zuschauervermögen wurde zu Gunsten von Sitzplätzen von 72.000 auf 55.000 reduziert. Insgesamt sahen 131.512 Zuschauer die drei Spiele, ein Schnitt von 43.837 pro Spiel.
Sheffield (Hillsborough Stadium): Das Hillsborough-Stadion in Sheffield hatte während der WM 58.000 Plätze. In der Heimstätte von Sheffield Wednesday wurde die Kapazität zu Gunsten von Sitzplätzen um 7000 Plätze verringert. Die Haupttribüne wurde für 1,5 Millionen Mark neu errichtet, auch ein neues Stahldach bekam das Stadion extra zur WM. Insgesamt wurden 2,5 Millionen Mark für die Renovierung des Stadions ausgegeben. Neben drei Vorrundenspielen der Gruppe B fand auch das Viertelfinalspiel mit der westdeutschen Mannschaft im Hillsborough statt. Insgesamt kamen 140.289 Zuschauer zu den vier Spielen, im Schnitt 35.072, die meisten zum Viertelfinale: 40.007.
Liverpool (Goodison Park): Der Goodison Park war mit 64.000 Plätzen das zweitgrößte Stadion der Fußball-WM 1966. Auch die Heimstätte des FC Everton wurde um 4.000 Plätze reduziert, um mehr Sitzplätze zu haben. Im Goodison Park fanden drei Spiele der Gruppe C, ein Viertelfinalspiel und eine Halbfinalpaarung statt. 235.695 Zuschauer sahen die fünf Spiele, im Schnitt 47.139, wobei das Halbfinale mit 38.273 Zuschauern die wenigsten hatte.
Manchester (Old Trafford): Im Old Trafford, der Heimat des Fußballclubs Manchester United, fanden während der WM 58.000 Zuschauer Platz. Um mehr Sitzplätze zu haben, wurde das Fassungsvermögen um 9000 Plätze reduziert. Insgesamt wurde eine Million Mark in die Renovierung gesteckt. Das Old Trafford war Schauplatz von drei Vorrundenspielen der Gruppe C. 79.453 Zuschauer sahen die drei Spiele, im Durchschnitt 26.484.
Sunderland (Roker Park): Im Roker Park zu Sunderland fanden während der WM 54.000 Zuschauer Platz. Für 700.000 Mark wurden zur WM ein neues Restaurant und neue Presseräume gebaut, die Gesamtkapazität wurde um 10.000 Plätze reduziert. Im Heimatstadion des AFC Sunderland fanden drei Vorrundenspiele der Gruppe D und ein Viertelfinalspiel statt. 97.863 Zuschauer sahen die vier Spiele, im Schnitt 24.466.
Middlesbrough (Ayresome Park): Der Ayresome Park war mit 40.000 Plätzen das kleinste Stadion der WM 1966. Im Heimatstadion des FC Middlesbrough wurde die Zuschauerkapazität um 9000 gesenkt. Die Renovierungskosten betrugen insgesamt 1,2 Millionen Mark. Das Stadion war Austragungsort von drei Partien der Gruppe D. Nur 54.627 Zuschauer sahen die drei Spiele und damit im Schnitt (18.209) die Wenigsten. Das Spiel zwischen Nordkorea und Chile hatte mit 13.792 Zuschauern die wenigsten Besucher aller Spiele.
71 Nationen meldeten ihre Teilnahme an der Qualifikation zur WM 1966, was ein neuer Rekord war. England als Gastgeber und Brasilien als Titelverteidiger waren automatisch qualifiziert, wodurch 69 Nationen um insgesamt 14 freie Plätze spielten. Alle afrikanischen Mannschaften zogen ihre Bewerbung zurück, nachdem sie gemeinsam mit Asien und Ozeanien lediglich einen Platz bekommen sollten. Europa standen neun Qualifikationsplätze zu, Südamerika drei. Auch den nord- und mittelamerikanischen Ländern wurde lediglich ein Platz zugestanden.
Beide Vize-Weltmeister der vergangenen WM-Turniere, Schweden und die Tschechoslowakei, scheiterten. Die beiden Nationalmannschaften von Nordkorea und Portugal waren erstmals bei einer WM-Endrunde dabei.
Nach 127 Qualifikationsspielen standen die folgenden 16 Mannschaften für die WM-Endrunde fest:
Die Gruppenauslosung, die am 6. Januar 1966 im Royal-Garden-Hotel in London stattfand, wurde erstmals im Fernsehen übertragen. Das Organisationskomitee hatte sich am Vorabend auf vier Lostöpfe à vier Mannschaften geeinigt.
Topf 1: Brasilien (Titelverteidiger), Argentinien, Chile, Uruguay