An diesem Tag

Fußball-Weltmeisterschaft 1954

Fünfte Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften

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Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 (französisch Championnat du Monde de Football, italienisch Campionato Mondiale di Calcio) war die fünfte Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften und fand vom 16. Juni bis zum 4. Juli 1954 in der Schweiz statt. Es traten 16 Nationalmannschaften zunächst in Gruppen- und danach in Ausscheidungsspielen gegeneinander an.

Die Fußballweltmeisterschaft 1954 war die erste, die offiziell die Bezeichnung Fußball-Weltmeisterschaft trug. Erstmals wurden die Spiele direkt im Fernsehen übertragen; etwa 90 Millionen Menschen sahen die Begegnungen des Turniers vor rund vier Millionen Schwarz-Weiß-Fernsehern.

Außenseiter Deutschland gewann das Turnier nach einem 3:2-Sieg über die favorisierten Ungarn im Finale von Bern und wurde damit zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Für viele Deutsche erhielt das „Wunder von Bern“ Symbolkraft als ein Zeichen des Aufbruchs nach dem verlorenen Weltkrieg und den Entbehrungen der Nachkriegszeit. Im Spiel um den dritten Platz besiegte Österreich den Titelverteidiger Uruguay mit 3:1. Vize-Weltmeister Brasilien scheiterte, wie auch der Gastgeber, im Viertelfinale.

Torschützenkönig des Turniers wurde mit elf Treffern der kopfballstarke ungarische Stürmer Sándor Kocsis.

Mit Jenő Buzánszky starb am 11. Januar 2015 der letzte Finalteilnehmer der ungarischen Mannschaft. Der letzte Spieler der deutschen Nationalmannschaft, Horst Eckel, starb am 3. Dezember 2021.

Als einzigem Bewerber wurde am 22. Juli 1946 in Luxemburg der Schweiz die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 1953 zugesprochen. Am gleichen Tag wurde Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft 1949 zugesprochen. Aus organisatorischen Gründen wurde die WM in Brasilien ins Jahr 1950 verschoben. Um den Vierjahres-Rhythmus zu wahren, verschob sich der Termin der Schweizer WM ins Jahr 1954.

Die Schweiz bewarb sich beim 25. FIFA-Kongress Ende Juli 1946 in Luxemburg (dem ersten FIFA-Nachkriegskongress) zunächst als Ausrichter der WM 1950. Die Bewerbung des Schweizerischen Fußballverbandes wurde zunächst vor allem auf Grund der geringen Größe des Landes und der Stadien mit großer Skepsis betrachtet. Daraufhin verwiesen die Schweizer auf ihre Verdienste als neutrales Land im Krieg sowie ihre bedeutende Rolle in der Organisation des Weltfußballs – unter anderem als Hauptsitz der FIFA. Nach hitzigen Debatten wurde von den 80 Delegierten auf dem Luxemburger Kongress schließlich ein Kompromiss ausgehandelt. Brasilien sollte die nächste Weltmeisterschaft austragen, die ursprünglich für 1949 geplant war. Die Schweiz bekam den Zuschlag für eine Zwischen-WM im Jahre 1951, bevor ab der WM 1954, für deren Austragung Schweden als Favorit galt, wieder auf den althergebrachten Vierjahres-Rhythmus gewechselt werden sollte.

Nachdem das FIFA-Exekutivkomitee am 18. Januar 1947 die Weltmeisterschaft in Brasilien „wegen Zeitknappheit für die Bildung der Ausscheidungsgruppen“ um ein Jahr auf 1950 verschoben hatte, wurde mit diesem Beschluss auch das Schweizer Interimsturnier gestrichen. Weil Schweden als Veranstalter für die Weltmeisterschaft 1954 jedoch so gut wie feststand, hätten die Schweizer bis 1958 warten müssen. Aufgrund des 1954 anstehenden Jubiläums der 50-jährigen FIFA-Mitgliedschaft bedrängten die Schweizer Verantwortlichen die Schweden, mit ihnen zu tauschen und hatten Erfolg. Schweden zog seine Kandidatur für 1954 zurück und ließ sich auf 1958 vertrösten, worauf die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 offiziell auf dem FIFA-Kongress 1948 in London an die Schweiz vergeben wurde.

Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in sechs Stadien in sechs verschiedenen Schweizer Städten ausgetragen.

Basel: Das innerhalb eines Jahres errichtete und am 24. April 1954 eröffnete St.-Jakob-Stadion, von Einheimischen auch „Joggeli“ genannt, war die Heimat des FC Concordia Basel. Die 54.800 Zuschauer fassende Spielstätte war Austragungsort von vier Vorrundenspielen, einem Viertelfinalspiel und dem Halbfinale zwischen Österreich und Deutschland. Insgesamt sahen 220.000 Zuschauer die sechs Spiele, im Schnitt 36.667. Die meisten (58.000) kamen zum Halbfinalspiel Deutschland gegen Österreich, womit mehr Zuschauer anwesend waren, als die Kapazität zuließ. Dagegen wollten nur 14.000 das Vorrundenspiel England gegen Belgien sehen, immerhin bekamen sie acht Tore zu sehen.

Bern: Das Stadion Wankdorf, die Heimstätte der Berner Young Boys, war mit 64.600 Plätzen das größte Stadion während der WM 1954. In dem für vier Millionen Schweizer Franken umgebauten und erweiterten Stadion fanden das Endspiel, ein Viertelfinale und drei Vorrundenbegegnungen statt. Insgesamt sahen 194.500 Zuschauer die fünf Spiele, im Schnitt 38.900. Nur 20.500 Zuschauer wollten das Spiel von Titelverteidiger Uruguay gegen die Tschechoslowakei sehen. Zum Endspiel kamen dagegen 62.500 überwiegend deutsche Zuschauer.

Genf: Im Stade des Charmilles von Servette Genf fanden drei Spiele der Vorrunde, sowie ein Viertelfinale statt. Während der WM 1954 fasste das reine Fußballstadion 36.000 Zuschauer. Insgesamt kamen 53.470 Zuschauer in das nahe der Grenze zu Frankreich gelegene Stadion zu den vier Spielen, im Schnitt 13.368. Die meisten (19.000) kamen zum Spiel Frankreich gegen Mexiko, die wenigsten (4.000) zum Spiel der Türkei gegen Südkorea, sahen dann aber immerhin sieben Tore.

Lausanne: Im Stade Olympique de la Pontaise fand am 16. Juni 1954 das Eröffnungsspiel zwischen Jugoslawien und Frankreich statt. Daneben fanden im 50.300 Zuschauern Platz bietenden Stadion, das für 7,5 Millionen Schweizer Franken neu erbaut wurde, zwei weitere Vorrundenbegegnungen, ein Viertelfinale und das Halbfinale Uruguay gegen Ungarn statt. 163.637 Zuschauer kamen zu den fünf Spielen, im Schnitt 32.727. Die meisten (45.000) kamen zum Halbfinale zwischen Titelfavorit Ungarn und Titelverteidiger Uruguay und sahen eins der besten WM-Spiele mit sechs Toren in 120 Minuten. Dagegen sahen nur 16.000 das Eröffnungsspiel.

Lugano: Im 35.800 Besucher fassenden Stadio di Cornaredo fand mit dem Vorrundenspiel Italien gegen Belgien lediglich ein Spiel der WM 1954 statt, das von 24.000 Zuschauern gesehen wurde.

Zürich: Das Hardturmstadion, Heimat des Fußballvereins Grasshopper Club Zürich, war Austragungsort von fünf Vorrundenspielen sowie des Spiels um Platz drei. Die 34.800 Plätze fassende Sportstätte war das kleinste Stadion der Weltmeisterschaft 1954, hatte aber im Schnitt (22.600) mehr Zuschauer als das größere Stadion in Genf. Insgesamt kamen 113.000 zu den sechs Spielen. Mit 13.000 Zuschauern hatte das Spiel Ungarn gegen Südkorea die wenigsten Zuschauer, die dann aber 9 Tore sahen. Zum kleinen Finale zwischen Österreich und Uruguay kamen dann die meisten Zuschauer: Mit 32.000 war das Stadion nahezu gefüllt.

Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar, übernachteten die Spieler der Nationalmannschaften von Brasilien und der Schweiz nur 20 Meter voneinander entfernt in Magglingen. Die deutsche Nationalmannschaft übernachtete während der Weltmeisterschaft in Spiez.

Die Bewerbungsfrist zur Teilnahme an der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 endete am 31. Januar 1953. Neben den als Titelverteidiger beziehungsweise Gastgeber direkt qualifizierten Mannschaften aus Uruguay und der Schweiz bewarben sich 43 weitere Nationen um die restlichen vierzehn Startplätze für das Endturnier in der Schweiz. Nachdem elf Anmeldungen – darunter die der früheren WM-Teilnehmer Niederlande, Bolivien und Peru – von der FIFA aufgrund ihrer verspäteten Anmeldung nicht zugelassen worden waren und Polen, die Volksrepublik China sowie Taiwan ihre Meldungen zurückgezogen hatten, nahmen schließlich 34 Nationalmannschaften an der Qualifikation teil, was einen neuen Teilnehmerrekord bedeutete. Mit Ausnahme Argentiniens waren somit zum ersten Mal alle großen Fußballnationen vertreten.

Die Qualifikationsgruppen wurden am Wochenende des 15. Februar 1953 durch das Organisationskomitee der FIFA-Weltmeisterschaft festgelegt. Hierbei wurden die Mannschaften den einzelnen Gruppen jedoch nicht per Los, sondern aufgrund mehr oder weniger geografischer Gesichtspunkte zugeteilt, was zum Teil zu heftigen Protesten führte.

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