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Fußball-Weltmeisterschaft 1930

Erste Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften

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Die Fußball-Weltmeisterschaft 1930 (spanisch Campeonato Mundial De Futbol) war die erste Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften und fand vom 13. bis zum 30. Juli 1930 statt. Gastgeber war Uruguay, wobei alle Spiele in der Hauptstadt Montevideo ausgetragen wurden. Im Finale zwischen den zwei großen Favoriten entschied die Heimmannschaft aus Uruguay gegen Argentinien den ersten Weltmeistertitel der Geschichte für sich.

Bereits früh wurde der Fußball in das Programm der Olympischen Spiele der Neuzeit aufgenommen. Das olympische Turnier von 1908, organisiert von der englischen FA unter Mithilfe der seit vier Jahren bestehenden FIFA, stellte den ersten internationalen Wettbewerb im Fußball dar. Nahezu sämtliche Teilnehmer an den Turnieren stammten zunächst vom europäischen Kontinent, da die Spiele abgesehen von denen in St. Louis ausnahmslos in Europa stattfanden und es außereuropäischen Mannschaften finanziell nicht möglich war, die lange Reise anzutreten. In der Fußballdisziplin nahm mit Uruguay bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris erstmals eine südamerikanische Mannschaft teil. Finanziert wurde die mehrwöchige Schiffsreise nach Europa von einem Zahnarzt aus Montevideo. Er ließ aus 15 der besten Fußballspieler seines Landes eine Mannschaft zusammenstellen.

Dänemark, Großbritannien, Österreich und Ungarn waren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die erfolgreichsten Fußballnationen Europas. Dass Fußball auch in anderen Erdteilen praktiziert wurde, war bekannt, wurde aber nicht besonders beachtet, und so beschäftigte sich niemand mit der außereuropäischen Entwicklung des Sports, etwa in Südamerika. Dort war der Fußball aber ebenso beliebt und wurde bereits sehr viel früher als in Kontinentaleuropa professionell betrieben. Profiligen gab es in Südamerika bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. 1910 hatte das erste kontinentale Turnier stattgefunden, 1916 die erste Copa América unter der damaligen Bezeichnung Campeonato Sudamericano. Bis zur ersten heute anerkannten Europameisterschaft, zum Vergleich, sollte es bis 1960 dauern. Die bei den Olympischen Spielen 1924 zunächst belächelte Mannschaft aus Uruguay war der Konkurrenz läuferisch, taktisch und technisch überlegen. Uruguay gewann nach fünf Spielen mit 20:2 Treffern die Goldmedaille.

Auch vier Jahre später waren die südamerikanischen Mannschaften überlegen. Bei den Olympischen Sommerspielen 1928 trafen im Finale Argentinien und Uruguay aufeinander. Uruguay gewann im Wiederholungsspiel und war somit Doppelolympiasieger.

In der Folge beschäftigte man sich in Europa ernsthafter mit der neuen außereuropäischen Konkurrenz und stellte fest, dass in Südamerika längst gut organisierte Fußballligen existierten, wo echte Profis gegen Bezahlung kickten. Südamerikas „geldgierige“ Fußballspieler wurden in Europa verachtet. Ihr Benehmen empfand man als Brüskierung gegenüber dem olympischen Gedanken. Fortan sollten sie daher von den Spielen ausgeschlossen werden. Der französische Sportmäzen und Präsident der FIFA, Jules Rimet, hatte den Konflikt bereits kurz nach dem ersten Erfolg Uruguays 1924 erahnt und schon damals mit Enrique Buero, einem wohlhabenden Rinderzüchter aus Montevideo, Pläne für ein Fußball-Weltturnier geschmiedet. Diese wurden 1928 dem Fußball-Weltverband vorgelegt, der schließlich akzeptierte. Für die Premiere standen Italien und Uruguay als Austragungsorte zur Diskussion. Da man Uruguays Leistungen würdigen wollte und die beiden Mäzene Rimet und Buero großzügig spendeten, wurde das erste Turnier nach Südamerika vergeben. Außerdem fanden im Jahre 1930 die Feierlichkeiten zur hundertjährigen Unabhängigkeit Uruguays statt. Italien wurde auf die nächste Weltmeisterschaft vertröstet.

Alle Spiele der ersten Weltmeisterschaft wurden, den damaligen Verhältnissen entsprechend, zentral in Uruguays Hauptstadt Montevideo ausgetragen. Ursprünglich sollten alle Spiele im neu gebauten Estadio Centenario stattfinden. Es wurde aber nicht rechtzeitig fertig gestellt, weil eine lang anhaltende Regenperiode die Bauarbeiten verzögert hatte. Als am 18. Juli 1930, fünf Tage nach der Eröffnung der WM, endlich das erste Spiel in diesem Stadion stattfand, befand sich die Nordtribüne zum Teil noch im Bau. Zu diesem Zeitpunkt bot die Arena bereits 80.000 Zuschauern Platz. Nach der Fertigstellung wies es gleich drei Besonderheiten auf: Erstens war es mit fast 100.000 Plätzen das größte Stadion Südamerikas. Zweitens war es ohne Leichtathletikanlage, als reines Fußballstadion, konzipiert und drittens war das Stadion nicht oval, sondern beinahe rund.

Durch die verspätete Eröffnung des Riesenstadions musste man zunächst auf zwei andere Stadien ausweichen: das Estadio Gran Parque Central und das Estadio Pocitos, damalige Heimstätte von Peñarol Montevideo. Das Auftaktspiel fand am 13. Juli im Estadio Pocitos vor 4444 Zuschauern statt. Fünf Tage später wurde vor dem offiziellen Eröffnungsspiel, der ersten Partie im Estadio Centenario zwischen Uruguay und Peru, eine Zeremonie zur Hundertjahrfeier der uruguayischen Unabhängigkeit abgehalten.

Name, Kapazität und Zustand der Stadien sind zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft im Juli 1930 angegeben.

Die Auslosung der Gruppen fand erst statt, nachdem alle 13 Teilnehmer in Uruguay angekommen waren.

Nur vier Mannschaften aus Europa brachen auf zu einer dreiwöchigen Schiffsfahrt, um im Winter der Südhalbkugel an einem Fußballturnier teilzunehmen. Drei von ihnen reisten gemeinsam mit dem Weltpokal und dem FIFA-Präsidenten Jules Rimet mit dem italienischen Luxusliner Conte Verde. Die Rumänen wurden von ihrem König gesponsert, der daraufhin den Beinamen „Der Fußballer“ bekam. Andere starke europäische Nationen wie Deutschland, England, Italien, Österreich und Spanien nahmen nicht an der WM teil. Die britischen Verbände waren zudem erst 1928 aus der FIFA ausgetreten, nachdem es zu einem Disput über den Amateurstatus bei den Olympischen Spielen gekommen war. Es war die einzige Weltmeisterschaft, bei der es keine Qualifikation gab, so nahmen die sieben südamerikanischen Länder teil, die schon Länderspiele ausgetragen hatten (Ecuador, Kolumbien und Venezuela trugen erst vier Jahre später erstmals Länderspiele aus). Ursprünglich war eine sofortige K.-o.-Runde geplant. Doch wegen der geringen Teilnehmerzahl entschied man sich, die WM in einer Mischung aus Gruppen- und Ausscheidungsspielen auszutragen, da man vermeiden wollte, dass die europäischen Teams möglicherweise nach nur einem Spiel wieder heimreisen mussten. In den Gruppen wurden die vermeintlich stärksten amerikanischen Mannschaften gesetzt: Südamerikameister Argentinien, Brasilien und Uruguay, dazu in Gruppe 4 die Vereinigten Staaten und Paraguay gemeinsam, da zwischen beiden Mannschaften keine Vergleichsergebnisse vorlagen. Die vier europäischen Teams und die verbliebenen vier amerikanischen Mannschaften wurden diesen Gruppen zugelost. Lediglich die Gruppensieger überstanden die Vorrunde und bestritten danach die Halbfinale.

Für Informationen zu den einzelnen Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Das erste Spiel fand vor nur 4444 Zuschauern und im Schneegestöber am 13. Juli statt. Nach 19 Minuten erzielte Laurent mit einem Distanzschuss das erste Tor des Turniers und legte damit den Grundstein für Frankreichs 4:1-Sieg gegen Mexiko. Der Favorit aus Uruguay, der auch schon das olympische Fußballturnier in Paris 1924 sowie das in Amsterdam 1928 gewonnen hatte, setzte sich in seiner Gruppe souverän durch, ebenso Jugoslawien und Argentinien. Argentinien profitierte im Spiel gegen Frankreich von einem Fehler des Schiedsrichters, als Langiller für Frankreich beim Stand von 0:1 alleine auf das argentinische Tor zulief und der brasilianische Schiedsrichter Rego vier Minuten zu früh abpfiff. Die restlichen vier Minuten wurden nachgespielt, aber die Torchance war vertan.

Die Überraschung des Turniers waren die US-Amerikaner, die Gruppensieger wurden und das Halbfinale komplettierten. Argentinien und Uruguay gewannen im Halbfinale jeweils 6:1 gegen die Vereinigten Staaten bzw. Jugoslawien.

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