Die Endrunde der 13. Fußball-Europameisterschaft (offiziell UEFA EURO 2008) wurde vom 7. bis 29. Juni 2008 in Österreich und in der Schweiz ausgetragen. Am Turnier nahmen 16 Nationalmannschaften teil, die zunächst in Gruppen und danach im K.-o.-System gegeneinander antraten.
Die Nationalmannschaft Spaniens gewann das Turnier nach einem 1:0-Sieg über Deutschland im Finale von Wien und wurde damit zum zweiten Mal nach 1964 Fußball-Europameister. Mit dem Mittelfeldspieler Xavi und dem Angreifer David Villa, der während des Turniers vier Tore erzielte, stellte Spanien zudem den besten Spieler und den Torschützenkönig der Europameisterschaft 2008. Titelverteidiger Griechenland scheiterte, wie auch beide Gastgeber, bereits in der Gruppenphase.
Die 2008 erstmals in Österreich und in der Schweiz ausgetragene Europameisterschaft, die unter dem Motto „Erlebe Emotionen“ stand, fand in acht verschiedenen Städten statt. Insgesamt verfolgten rund 1,14 Millionen Besucher die 31 Begegnungen des dreiwöchigen Turniers in den Stadien. Als Sieger der Europameisterschaft 2008 nahm Spanien am FIFA-Konföderationen-Pokal 2009 in Südafrika teil.
Den Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2008 erhielten Österreich und die Schweiz am 12. Dezember 2002. Insgesamt hatten sich 14 Nationen, zusammengefasst zu sieben Kandidaturen, um die Ausrichtung der EM 2008 beworben. Die Wahlprozedur zur Bestimmung des Gastgebers dauerte zwei Tage. Am ersten Tag hatten die sieben Bewerberkomitees die Gelegenheit, sich in der UEFA-Zentrale in Nyon ein letztes Mal vor der Verbandsspitze zu präsentieren.
Die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Europameisterschaft 2008 traf das Exekutivkomitee der UEFA tags darauf in Genf. Hierbei setzte sich die Bewerbung der beiden Alpenländer im entscheidenden Wahldurchgang mit 9:3 Stimmen gegen Ungarn durch. Zuvor waren bereits die Bewerbung Russlands, die gemeinsamen Kandidaturen von Bosnien-Herzegowina und Kroatien, Griechenland und der Türkei, Schottland und Irland sowie die gemeinsame Bewerbung der skandinavischen Länder Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden gescheitert. Das Turnier wurde damit nach der Ausrichtung der Euro 2000 durch die Niederlande und Belgien zum zweiten Mal von zwei Ländern gemeinsam veranstaltet.
Das Wiener Ernst-Happel-Stadion war mit 51.428 Sitzplätzen das größte Stadion der beiden Austragungsländer. Hier wurden insgesamt sieben Spiele samt dem Finale ausgetragen, was es zum Hauptaustragungsort der Europameisterschaft machte. In der Vorrunde war es das Stadion des Gastgebers Österreich, der sich in Gruppe B befand. Es handelte sich um das einzige historische Stadion (die Eröffnung fand 1931 statt), wobei für die Europameisterschaft zahlreiche Adaptierungen getroffen wurden. Insbesondere wurden ein neuer VIP-Klub gebaut sowie temporär die Laufbahn durch zusätzliche Sitzreihen ersetzt und im dritten Rang eine zweite große Videoleinwand installiert. Abseits der Europameisterschaft dient das Ernst-Happel-Stadion als Heimatstadion der österreichischen Nationalmannschaft und als Austragungsort von Europacupspielen.
Im Tivoli-Neu in Innsbruck, dem Heimatstadion des Bundesliga-Absteigers FC Wacker Innsbruck, fanden drei Spiele der Gruppe D der Europameisterschaft statt. Das Stadion wurde im September 2000 für 17.400 Zuschauer eröffnet und erst kurz vor der Europameisterschaft im Herbst 2007 auf drei Seiten temporär um einen zweiten Rang ergänzt. Das Fassungsvermögen während der Europameisterschaft betrug damit 30.772 Zuschauer.
Im Klagenfurter Wörthersee Stadion wurden drei Spiele der Gruppe B ausgetragen. Das Wörthersee-Stadion wurde bereits 1960 erbaut, für die Europameisterschaft aber durch einen Neubau ersetzt. Im September 2007 wurde die umstrittene Arena mit einer Kapazität von 30.461 fertiggestellt. Im Stadion fanden ansonsten die Bundesligaspiele des SK Austria Kärnten statt, dessen Neugründung (vormals ASKÖ Pasching) auf den Neubau zurückzuführen ist.
Im EM-Stadion Wals-Siezenheim in der Salzburger Nachbargemeinde Wals-Siezenheim fanden die drei Gruppenspiele Griechenlands in der Gruppe D statt. Das Stadion wurde im Laufe des Jahres 2003 fertiggestellt und fasste nach der Eröffnung 18.850 Zuschauer. Bis Juli 2007 wurde es durch einen temporären zweiten Rang auf 31.063 Plätze erweitert, der zur Europameisterschaft komplett eröffnet wurde. Das Wals-Siezenheimer Stadion war damit das größte Stadion, in dem nur Gruppenspiele stattfanden und das einzige, in dem kein Länderspiel vor der Europameisterschaft gespielt worden war. Im Ligabetrieb wird es vom Bundesligisten FC Red Bull Salzburg genutzt.
Im Basler St. Jakob-Park, dem Heimstadion des FC Basel, fanden sechs Spiele statt. Basel war somit Hauptaustragungsort der EM 2008 in der Schweiz. Das von den Architekten Herzog & de Meuron zwischen 1999 und 2001 erstellte Stadion wurde in der Spielzeit 2006/07 ausgebaut und ist mittlerweile mit 38.500 Plätzen das größte Stadion der Schweiz. Für die Endrunde fasste es durch Verringerung der Sitzabstände vorübergehend 39.730 Plätze. In Basel wurden die drei Gruppenspiele der Schweiz (darunter das EM-Eröffnungsspiel gegen Tschechien) in Gruppe A sowie zwei Viertelfinalspiele und ein Halbfinalspiel ausgetragen.
In Bern entstand zwischen 2001 und 2005 ein neues Stadion. Das alte Wankdorfstadion wurde abgerissen und durch das neue Stade de Suisse Wankdorf ersetzt. Die Baukosten betrugen 350 Millionen Schweizer Franken, das Stadion bot während der Gruppenspiele Platz für 30.777 Zuschauer. Im Heimstadion des BSC Young Boys fanden die drei Gruppenspiele der Niederlande in der Gruppe C statt.
In Lancy bei Genf, dem einzigen französischsprachigen Austragungsort, wurden im Stade de Genève drei Spiele der Gruppe A ausgetragen. Servette Genf, das zu dieser Zeit in der zweithöchsten Liga, der Challenge League spielte, trägt hier seine Heimspiele aus. Das Stadion hatte während der Europameisterschaft 29.106 Sitzplätze und war damit der kleinste Spielort.
In Zürich war ursprünglich der Hardturm als Spielort vorgesehen. Da das Neubauprojekt jedoch durch eine Bürgerinitiative verzögert wurde, fanden drei Vorrundenspiele der Gruppe C im neu erstellten Stadion Letzigrund statt, welches im September 2007 eingeweiht wurde. Hier fanden bei der Europameisterschaft 30.585 Besucher Platz.
Nach dem offiziellen Reglement der UEFA bestand der Wettbewerb aus einer im Meisterschaftsmodus mit Hin- und Rückspielen stattfindenden Qualifikationsrunde, sowie der in einer Gruppenphase und den Finalspielen ausgetragenen Endrunde.
Bei der Endrunde bildeten die 16 Teilnehmer vier Vorrundengruppen mit je vier Mannschaften, von denen sich jeweils die ersten beiden für das Viertelfinale qualifizierten. Dabei trafen Mannschaften, die bereits in der Vorrunde gegeneinander spielten, schon im Halbfinale erneut aufeinander, sofern sie dieses erreichten. In der Gruppenphase spielte jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft ihrer Gruppe nach dem Meisterschaftsmodus, wobei für einen Sieg drei Punkte und für ein Unentschieden ein Punkt vergeben wurden.
Bei Punktgleichheit mehrerer Mannschaften in den Gruppenspielen entschieden die Ergebnisse aus den direkten Begegnungen über die Platzierung. Dabei wurden erst die summierten Punkte, dann die Tordifferenz und danach die Anzahl der erzielten Tore verglichen. Hätte sich hierdurch keine Platzierung ergeben, sollten die Tordifferenz und die Anzahl der erzielten Tore aus allen Gruppenspielen herangezogen werden. Wäre damit immer noch keine Entscheidung gefallen, wäre die Platzierung anhand der Ergebnisse der Mannschaften in der Qualifikation für die WM 2006 und für die EM 2008 ermittelt worden; bei Gleichheit des Quotienten von erzielten Punkten und ausgetragenen Spielen (Qualifikationskoeffizient) hätte die Fair-Play-Wertung in der Gruppenphase gezählt, schließlich wäre auf den Losentscheid zurückgegriffen worden. Ein Sonderfall hätte sich ergeben, falls sich am letzten Spieltag der Gruppenphase zwei Mannschaften gegenübergestanden hätten, die nach Ende der regulären Spielzeit Remis spielten und dieselbe Anzahl an Punkten und dieselbe Tordifferenz aufwiesen. Hätte es keine weitere Mannschaft gegeben, die ebenso viele Punkte verbuchen konnte, wäre die Entscheidung um die Platzierung in der Gruppe dann im Elfmeterschießen gefallen.