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Fritzlar

Stadt im Schwalm-Eder-Kreis, Hessen, Deutschland

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Fritzlar ist eine Kleinstadt und ein wirtschaftliches Mittelzentrum im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Die Entstehung der Stadt geht auf eine Kirchen- und Klostergründung durch Bonifatius zurück. Sie gilt als der Ort, an dem sowohl die Christianisierung Mittel- und Norddeutschlands (mit dem Fällen der Donareiche um 723 durch Bonifatius) als auch das mittelalterliche Deutsche Reich (mit der Wahl von Heinrich I. zum König des Ostfrankenreichs auf dem Reichstag von 919) ihren Anfang nahmen. Der Name Fritzlar ist abgeleitet von der ursprünglichen Bezeichnung Friedeslar, „Ort des Friedens“. Fritzlar trägt seit dem 24. November 2001 die amtliche Zusatzbezeichnung Dom- und Kaiserstadt.

Fritzlar liegt im nordhessischen Bergland etwa 25 km (Luftlinie) südwestlich von Kassel, am Südrand der „Fritzlarer Börde“ (Naturraum Nummer 343.23) und nördlich oberhalb der „Fritzlarer Ederflur“ (Naturraum Nr. 343.211), am Nordufer der Eder.

Die nähere Umgebung der Stadt ist durch fruchtbare Ackerböden und zahlreiche, meist bewaldete Basaltkuppen geprägt, von denen viele mit mittelalterlichen Burgen oder deren Ruinen „gekrönt“ sind; dazu gehören unter anderem die Büraburg bei Fritzlar, die Obernburg und die Wenigenburg in Gudensberg, die Hohenburg in Homberg, die Felsburg, die Heiligenburg und die Altenburg in bzw. bei Felsberg, die Burg Jesberg in Jesberg, die Ruine Falkenberg bei Wabern und die Burgruine Löwenstein in Oberurff-Schiffelborn.

Fritzlar grenzt im Norden an die Stadt Naumburg, die Gemeinde Bad Emstal (beide im Landkreis Kassel) und die Stadt Niedenstein, im Osten an die Städte Gudensberg und Felsberg, im Süden an die Gemeinde Wabern und die Stadt Borken, im Südwesten an die Gemeinde Bad Zwesten (alle im Schwalm-Eder-Kreis), sowie im Westen an die Stadt Bad Wildungen und die Gemeinde Edertal (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Die Stadt Fritzlar besteht neben der Kernstadt Fritzlar selbst aus folgenden Stadtteilen:

Diese Stadtteile wurden während der Gemeindegebietsreform in Hessen 1972 und 1974 eingemeindet. Ungedanken und Rothhelmshausen waren bereits geschichtlich eng mit Fritzlar verbunden, denn sie gehörten schon seit dem 14. Jahrhundert zur Kurmainzischen Enklave Fritzlar. Züschen war bis zur Eingemeindung nach Fritzlar eine selbständige Stadt im Kreis Waldeck und im ehemaligen Fürstentum Waldeck. Die anderen Dörfer waren historisch hessisch.

Im Mittelalter belief sich die Bevölkerung der Stadt durchweg auf 2000 bis 3000 Menschen. Genauere Angaben sind erst ab 1740 verfügbar. Im 20. Jahrhundert kam es dreimal zu großen Sprüngen in der Einwohnerzahl der Stadt: einmal nach 1933 mit der Stationierung von Wehrmachtstruppen in der Stadt und dem Bau des Fliegerhorsts, ein zweites Mal ab 1956 mit der Einrichtung einer recht umfangreichen Bundeswehr-Garnison in der Stadt, wobei jedes Mal Familienangehörige und Zivilangestellte hinzuzogen, und ein drittes Mal mit der Eingemeindung von neun umliegenden Dörfern zum 1. Januar 1972 und der ehemals waldeckschen Stadt Züschen zum 1. Januar 1974 mit insgesamt mehr als 5500 zusätzlichen Einwohnern.

Zu den Besonderheiten Fritzlars zählt das gut erhaltene mittelalterlich geprägte Stadtbild mit zahlreichen Fachwerkhäusern einschließlich der weithin intakten 2,7 km langen Stadtmauer, die den mittelalterlichen Stadtkern umringt.

Ausgangspunkt und Zentrum der Stadtentwicklung war der im 8. Jahrhundert errichtete Vorgängerbau der Kloster- und Stiftskirche St. Peter, deren heutiges Gebäude, der Fritzlarer Dom, in zwei romanischen Bauphasen vom späten 11. bis zum frühen 13. Jahrhundert entstand und das Stadtbild überragt. Die gotische Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters ist heute evangelische Gemeindekirche, während die übrigen und modernisierten Gebäude dieses Klosters heute zum Krankenhaus „Hospital zum Heiligen Geist“ gehören.

Das Rathaus ist das älteste urkundlich erwähnte (1109) und noch heute als solches genutzte Amtshaus in Deutschland. Es zeigt ein Steinrelief des Schutzheiligen der Stadt, St. Martin, von 1441. Viele Stadthäuser, insbesondere um den Markt herum, stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert und sind sorgsam restauriert. Der Marktplatz bietet heute eine malerische Kulisse.

Die etwa 2,7 km lange, 7,5 bis 10 m hohe und an ihrer Basis durchschnittlich 3 m dicke Stadtmauer war an strategischen Stellen mit Türmen versehen und an mindestens fünf Stellen durch Hurden verstärkt, wurde jedoch im Siebenjährigen Krieg auf Befehl französischer Besatzungstruppen auf etwa zwei Drittel ihrer Höhe geschleift. Von den einst 23 Wehrtürmen stehen heute noch zehn: Frauenturm, Grauer Turm, Grebenturm, Rosenturm, Jordanturm, Regilturm, Turm am Bad, Bleichenturm, Kanzel und Winterturm (die vier letzteren als Teil der Mauer um die sogenannte Neustadt). Mit 38,5 m Höhe ist der 1274 erstmals erwähnte „Graue Turm“ der höchste noch stehende städtische Wachturm in Deutschland. Nur hier ist ein kurzes Stück der ehemaligen Mauerkrone mit Wehrgang zu sehen, das in den 1980er Jahren wieder hergerichtet wurde. Lediglich Turmstümpfe bestehen noch von: Alter Turm, Kalars, Petersturm, Nadelöhrturm, Zuckmantel, Steingossenturm und Pavillon sowie von zwei namenlosen Türmen. Die der Mauer vorgelagerten Wallgräben sind heute, bis auf geringe Reste an der Westseite der Altstadt, fast vollständig verschwunden. Die meisten Stadttore mit ihren Barbakanen wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgebrochen, da sie den Verkehr behinderten: das Hospitaltor 1823, das Werkeltor 1829, das Fleckenborntor (am Fuße des „Ziegenbergs“) 1834 sowie der prächtige Torturm des Haddamartors 1838.

Außerhalb der Stadt stehen noch heute fünf der ehemals sieben Warten, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bzw. 1425 (Galbächer Warte) als Wachposten und, mit ihren Ringmauern, als Zufluchtsorte erbaut wurden und teilweise durch Landwehren miteinander verbunden waren: Obermöllricher (Unröder) Warte, Kasseler Warte (in deren Nähe der kaiserliche General Piccolomini 1640 sein Feldherrenzelt stehen hatte), Hellenwarte, Eckerichswarte und Galbächer (Galberger) Warte. Die Auewarte wurde 1937 beim Bau des Militärflugplatzes abgerissen; die Holzheimer Warte verfiel schon im 18. Jahrhundert.

Bonifatius, Donareiche und Stadtgründung

Ausgangspunkt der Stadtentwicklung ist die Kirchengründung durch Bonifatius (Winfrid). Laut der Vita Sancti Bonifatii des Willibald von Mainz ließ Bonifatius um 723/24 in der Nähe Gaesmere (Geismar, heute ein Stadtteil von Fritzlar) die Donareiche auf dem heutigen Stadtgebiet Fritzlars fällen. Bonifatius wollte mit der Fällung der dem Gott Donar geweihten Eiche, die als eines der wichtigsten germanischen Heiligtümer galt, den Chatten die Überlegenheit des christlichen Gottes demonstrieren und ließ aus dem Holz des Baumes an einem nicht näher bezeichneten Ort ein St. Peter geweihtes Bethaus (oratorium) errichten.

Die Bonifatius-Vita des Willibald erwähnt den Bau einer dem St. Peter geweihten Kirche und eines Klosters um 732 in Friedeslar (Fritzlar) unter dem Abt Wigbert, an deren Stelle wohl später der heutige Fritzlarer Dom errichtet wurde. Aufgrund des St.-Peter-Patroziniums wird allgemein angenommen, dass sich auch schon das erste St. Peter geweihte Bethaus an der gleichen Stelle wie der heutige Dom befand.

Der genaue Standort der Donareiche ist unbekannt, aber die vordergründig unterschiedlichen Ortsangaben in der schriftlichen Überlieferung – „bei Geismar“ und „in Fritzlar“ – sind damit zu erklären, dass der Ort Frideslar erst nach dem Bau des Bethauses und der Gründung des Klosters entstand und „bei Geismar“ liegt. Man geht daher mehrheitlich davon aus, dass sich diese Ortsbezeichnungen auf die grundsätzlich gleiche Stelle beziehen. Das erste Bethaus des Bonifatius wurde demnach an der Stelle der Donareiche oder in deren unmittelbarer Nachbarschaft auf dem heutigen Domhügel errichtet. Damit wurde der Standort des heidnischen Heiligtums in Besitz genommen, der mühsame Transport des aus der Eiche geschlagenen Bauholzes an eine andere Baustelle entfiel, und der Ort ließ sich – wie später geschehen – gut zur Befestigung ausbauen.

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