Eberhard Fritz Löffler (* 12. September 1899 in Dresden; † 15. Mai 1988 ebenda) war ein deutscher Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler, der sich besonders um die Erhaltung und Dokumentation der architektonischen Denkmäler seiner Heimatstadt Dresden verdient gemacht hat.
Fritz Löffler wurde 1899 als Sohn des Apothekers Gustav August Löffler geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und ab 1910 des König-Georg-Gymnasiums in Dresden wurde er 1917 Soldat im 2. Königlich-Sächsischen Fußartillerie-Regiment 19 im Ersten Weltkrieg. Nach Kriegsende bestand er sein Abitur und begann anschließend ein Studium in den Fächern Germanistik, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Romanistik, Theatergeschichte und Klassische Archäologie in Jena, Berlin, Greifswald, Florenz und München. Im Jahr 1927 wurde er in München in Germanistik mit der Dissertation Das epische Schaffen Eduard von Keyserlings promoviert. Anschließend war er als Assistent am Stadtmuseum Dresden tätig.
Löffler war vielfältig kulturinteressiert und unter anderem mit Otto Dix, Hans Theo Richter und Theodor Däubler, dessen Nachlass er verwaltete, befreundet. Er war ein Förderer moderner Künstler, denen er zu Ausstellungsmöglichkeiten und öffentlicher Aufmerksamkeit verhalf. Löffler arbeitete unter anderem als Sekretär der Dresdner Sezession 1932. Im Jahr 1937 wurde er von den nationalsozialistischen Stadtoberen wegen der „Förderung linker und entarteter Kunst“ aus seiner Tätigkeit entlassen, obwohl er seit 1933 Mitglied des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten sowie seit 1934 SA-Mitglied war. Am 24. Juni 1937 hatte er die Aufnahme in die NSDAP beantragt und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.757.758). Danach war er beim „Heimatwerk Sachsen“ für sächsisches Schrifttum verantwortlich und diente ab 1939 wieder als Soldat an der Westfront, bevor er 1942 aufgrund beruflicher Verfolgung in seiner Heimat nach Krakau ging. Hier organisierte er im Auftrag der NS-Regierung des Generalgouvernements Ausstellungen deutscher Künstler und schrieb u. a. für die Zeitschrift Das Generalgouvernement, z. B. über Theodor Schulz.
Im Jahr 1945 wurde Löffler nach der Zerstörung Dresdens durch alliierte Luftangriffe wieder in die Dienste der Stadt gestellt und war danach für die Betreuung und Rückführung der evakuierten Kunstschätze in Muskau verantwortlich, wo er das Kriegsende erlebte. 1947 wurde er ohne Angabe von Gründen fristlos entlassen. 1946 und 1949 organisierte er die noch gesamtdeutsche 1. und 2. Deutsche Kunstausstellung in Dresden.
Bis 1951 war Löffler bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und anschließend bis zu seiner Pensionierung 1967 am Landesamt für Denkmalpflege Sachsen tätig. Er setzte sich in dieser Zeit konsequent für den Erhalt und Wiederaufbau architektonisch und historisch bedeutender Ruinen der Stadt ein. Auch nach seiner Pensionierung blieb Löffler weiterhin schriftstellerisch und publizistisch tätig und veröffentlichte unter anderem Monografien über Dresdner Künstler des 20. Jahrhunderts, wie Otto Dix, Josef Hegenbarth, Johannes Beutner und Bernhard Kretzschmar. Sein für Dresden bedeutendstes Werk war Das alte Dresden, das erstmals 1955 erschien und 2006 bereits in der 16. Auflage verlegt wurde. Darin zeichnet Löffler ausführlich die architektonische Entwicklung Dresdens bis 1945 nach. 1976 wurde unter maßgeblicher Initiative Löfflers der Dresdner Graphikmarkt mit dem Ziel, zeitgenössische graphische Kunst für jeden Interessenten zu erschwinglichen Preisen anzubieten, ins Leben gerufen.
1982 wurde Löffler „auf Grund seines langjährigen wissenschaftlichen und publizistischen Wirkens“ zum Ehrenmitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR ernannt, und 1983 wurde er mit dem Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis der Stadt Dresden ausgezeichnet, der jährlich „für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik“ verliehen wurde.
Löffler fand seine letzte Ruhe auf dem Äußeren Plauenschen Friedhof. Sein schriftlicher Nachlass wird in der SLUB Dresden aufbewahrt. Die in seinem Besitz befindlichen Kunstwerke hinterließ Löffler den Staatlichen Kunstsammlungen. Vor seiner Wohnung auf der Liebigstraße 29, in der Löffler rund 30 Jahre lebte, erinnert heute eine Gedenktafel an ihn. Sie wurde von Wieland Förster geschaffen und anlässlich des 100. Geburtstages Löfflers im Jahr 1999 enthüllt. Sie trägt das Zitat Theodor Däublers „Die Welt versöhnt und übertönt der Geist“.
Der Denkmalpfleger Fritz Löffler
Löffler setzte sich gemeinsam mit dem Institut für Denkmalpflege konsequent für den Erhalt bzw. den Wiederaufbau der Ruinen historischer Gebäude, wie des Dresdner Zwingers, des Dresdner Schlosses und der Frauenkirche ein. Dafür wurde er von den sozialistischen Machthabern und vor allem dem Dresdner Oberbürgermeister Walter Weidauer als „Verhinderer sozialistischer Kulturpolitik gebrandmarkt“, gleichzeitig aber durch seine Publikationen und Veröffentlichungen in der Tagespresse auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Während einige Ruinen vor dem Abriss gerettet werden konnten, war in anderen Fällen Löfflers Bemühen aussichtslos.
Löffler setzte sich unter anderem für den Erhalt des Dresdner Alberttheaters ein, das er als eines der wenigen erhaltenen Bauwerke des späten 19. Jahrhunderts und damit „als Beleg“ für die Architektur dieser Zeit begriff. Das Theater, dessen Außenmauern 1945 erhalten geblieben waren, wurde bis 1950 abgetragen.
Als Vertreter des Hochbauamtes der Stadt Dresden 1952 kurzfristig über die Sprengung des nahezu unversehrten Turms der Johanneskirche entscheiden wollten, nahm Löffler ungefragt an der Beratung teil und legte sofort Protest gegen die Sprengung ein. Der Protest wurde am folgenden Tag offiziell unter anderem vom Landesdenkmalamt und dem Landeskirchenamt sowie dem Architekten Wolfgang Rauda formuliert und die geplante Sprengung daraufhin ausgesetzt. Weil – unter anderem – das Landeskirchenamt die Kosten für eine Instandhaltung des Kirchturms nicht übernehmen konnte, wurde der Turm der Johanneskirche Anfang April 1954 gesprengt.
Löffler sah die Aufgabe der Denkmalpflege darin, „die überlieferten künstlerischen Werte möglichst ausdrucksvoll zur anschaulichen Wirkung zu bringen“. Dies bedeutete den Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung von Bauten in ihrem ursprünglichen Zustand frei von modernen Ergänzungen. Daher stellte sich Löffler zum Beispiel auch gegen eine Wiederherstellung des Inneren der Dresdner Kreuzkirche in der neubarock-jugendstiligen Fassung, die die Kirche ab 1900 erhalten hatte.
Fritz Löffler war Initiator und erster Herausgeber der Reihe Das Christliche Denkmal im Union Verlag Berlin. In dieser als Sammelwerk in Einzelheften über kirchliche Baukunst konzipierten Reihe erschienen von 1953 bis 1990 136 Bände, die nicht bloß Kirchenführer waren, sondern kleine Monographien über Stadt-, Kloster-, Dom-, Stifts- und Schloßkirchen.
Wirken als Chronist und „Das alte Dresden“
Löffler gilt mit Werken wie Das alte Dresden und Der Zwinger als „Chronist Dresdner Kunstgeschichte“.
Löfflers Hauptwerk Das alte Dresden erschien erstmals 1955 und wurde 2006 zum 16. Mal aufgelegt. Angeregt wurde die Entstehung des Buches vom Institut für Theorie und Geschichte der Baukunst, einer Abteilung der Deutschen Bauakademie (Ost). Für die Bebilderung sollte der Maler und Fotograf Edmund Kesting sorgen. Ursprünglich waren allerdings mehrere Autoren vorgesehen, um einen Abriss der Baugeschichte Dresdens unter „Berücksichtigung des Zusammenhanges mit der Volkskultur“ zu erstellen. Der für dieses Vorhaben hinzugezogene Sachsenverlag in Dresden hatte allerdings schnell Bedenken, als sich zeigte, dass Löffler der alleinige Autor des Buches sein würde und meldete nach Berlin, dass Löffler zwar fachlich sicher ausgezeichnete Arbeit machen werde, man seine „schriftstellerische Arbeit“ dann aber werde „recht sorgfältig kontrollieren“ müssen. Die Zusammenarbeit mit Kesting zerschlug sich, Landesdenkmalpfleger Joachim Uhlitzsch zog seine Unterstützung zurück und so nahm Fritz Löffler die Aufgabe allein in die Hand. Das Institut für Theorie und Geschichte der Baukunst unterstützte das Projekt aber nachdrücklich und betonte gegenüber dem Präsidenten der Bauakademie auch den möglichen Verkauf in Westdeutschland. So schloss der Sachsenverlag am 8. März 1955 mit Löffler einen Vertrag als Alleinautor.