Fritz Graßhoff (nach seiner Auswanderung auch: Fritz Grasshoff, * 9. Dezember 1913 in Quedlinburg; † 9. Februar 1997 in Hudson, Kanada) war ein deutscher Zeichner, Maler, Schriftsteller und Schlagertexter.
Fritz Graßhoff verbrachte seine Jugend in Quedlinburg, wo sein Vater (früher Seemann) als Kohlenhändler lebte. Das derbe Milieu hinterließ später viele Spuren in seinen Balladen und Songs. 1933 machte er sein Abitur und begann zunächst eine Lehre als Kirchenmaler; später war er journalistisch tätig. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.038.064). Im Jahr 1938 wurde er zum Militär einberufen, geriet im Krieg in die Sowjetunion und zum Schluss in britische Gefangenschaft. Als Kriegsgefangener kam er nach Heiligenhafen und lebte im Barackenlager.
Von 1946 bis 1967 lebte er in Celle. In dieser Zeit reiste er viel nach Griechenland und lebte zeitweise auch in Schweden. Gleich bei seiner ersten Kunstausstellung (1954 in Hannover) erfolgten Ankäufe von der Kunsthalle Hamburg und dem Lehmbruck-Museum Duisburg. Parallel dazu verlief seine schriftstellerische Tätigkeit. Sein Geld verdiente er hauptsächlich mit Schlagertexten (er schrieb z. B. diverse Hits für Lale Andersen und Freddy Quinn, aber auch den Evergreen Nimm mich mit Kapitän, auf die Reise für Hans Albers), während er neben seinen oft derben Songs und Balladen (vertont von Musikern wie Heinz Gietz, Lotar Olias, Siegfried Strohbach, Bert Grund, Wolfgang „Schobert“ Schulz von Schobert und Black oder James Last, damals noch Hans Last) auch ernsthafte Lyrik schrieb sowie Texte des schwedischen Nationaldichters Carl Michael Bellman und aus der römischen und griechischen Antike übersetzte. Zeitweise war Graßhoff einer der meistrezitierten deutschen Schriftsteller – namhafte Interpreten wie René Deltgen, Gustav Knuth, Inge Meysel oder Heinz Reincke machten seine Werke durch mehrere Schallplattenproduktionen populär. Auch Graßhoffs eigene Lesungen, z. T. als Jazz- und Lyrik-Events mit Schlagzeugbegleitung von einem Lastwagen herunter gesprochen, hatten einigen Zulauf.
Graßhoff hielt sich vom Literaturbetrieb fern; er litt darunter, dass er hauptsächlich nach seinen Schlagertexten bewertet wurde, und als sein biographischer Roman Der blaue Heinrich 1980 kaum Beachtung fand, wanderte er, enttäuscht von den deutschen Verhältnissen, aus Zwingenberg an der Bergstraße nach Kanada aus, wo er die letzten 14 Jahre seines Lebens in seinem Haus am Ottawa-River verbrachte. Inzwischen hat Graßhoff, vor allem durch seine späte Lyrik (Von der Wichtigkeit der Dinge) und eine Neubewertung seines Romans Der blaue Heinrich, einen anerkannten Platz in der Literatur gefunden, was sich in zahlreichen Essays in Literaturzeitschriften widerspiegelt.
Zeltlieder und Barackenverse. J.M. Klopp, Lütjenburg/Holstein 1945
Das Heiligenhafener Sternsingerspiel 1945. J.M. Klopp, Lütjenburg/Holstein 1945, und J.A. Keune, Hamburg 1946
Hoorter Brevier. Gedichte. J.A. Keune. Hamburg 1947
Halunkenpostille. J.A. Keune, Hamburg 1947
Das Gemeindebrett. Allgemein-ungültiger Jahresweiser für Landleute. Lange, Duisburg 1954
Im Flug zerfallen die Wege der Vögel. Gedichte. Lange, Duisburg 1956
Und ab mit ihr nach Tintagel. Lange, Duisburg 1958
Die klassische Halunkenpostille. Epigramme und Satiren. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1964
Graßhoffs unverblümtes Lieder- und Lästerbuch. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1965
Der neue Salomo. Eine Art Predigt an der Straßenecke. (Musik: Lotar Olias). Edition Esplanade, Hamburg 1965
Carl Michael Bellman. Durch alle Himmel alle Gossen. Ein Bündel Fredmanscher Episteln und Songs. Aus dem Schwedischen singbar ins Deutsche gebracht. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1966
Bilderreiches Haupt- und (G)liederbuch. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1970, ISBN 3-462-00747-5.
Facts on Music, ein Schallmanach für Moeck gereimt & bebildert von Fritz Graßhoff. Moeck verlag + musikinstrumentenwerk, Celle 1970
Der singende Knochen. Kurzgelochte Parahistorie zur echten Flötenforschung. Edition Moeck, Celle 1971