Friedrich Karl Boehner, meist Fritz Boehner (* 29. Mai 1896 in Erlangen; † 29. Juni 1959 in Erlangen) war ein deutscher Werbefachmann und Filmproduzent in Dresden und Erlangen.
Der Vater Wolfgang Wilhelm Boehner war Brauereibesitzer in Erlangen.
Fritz Boehner besuchte eine Grund- und eine Realschule und machte dann eine kaufmännische Ausbildung bei der Spezialfirma für optische und medizinische Geräte Reiniger, Gebbert & Schall in Erlangen.
1914 meldete er sich im Alter von 18 Jahren freiwillig zum Kriegsdienst. Nach einer Verwundung kehrte er 1916 zu seinem Ausbildungsbetrieb zurück und leitete dort die Werbeabteilung. In dieser Zeit schrieb er auch Filmrezensionen in Zeitungen und leitete ein kleines Kino.
1918 zog Fritz Boehner nach Pirna in Sachsen und leitete dort die Werbeabteilung der Textilwerke Wilhelm Kaufmann. 1921 war er in derselben Funktion bei Sey & Hamm in Frankfurt am Main tätig und gründete ein erstes eigenes Reklameunternehmen. 1922 wurde er ostsächsischer Filialleiter der Industrie Film AG in Dresden.
1926 gründete Fritz Boehner die Boehner Reklame- und Film AG in Dresden, die zunächst vor allem Industriewerbefilme produzierte. 1927 wurde er Filmsachverständiger des Stadtrats, später auch Leiter der Filmstelle der Dresdner Jahresschau und Sachbearbeiter für Werbefilme im Verband Deutscher Werbefachleute. Er nutzte seine vielfältigen Kontakte für seine weitere kommerzielle Entwicklung, drehte auch Filme für örtliche Behörden, Landschaftsfilme und optimierte seine Produktion, indem er einige Filmteile für verschiedene Auftraggeber mehrfach verwendete. In dieser Zeit gehörte er zur liberalen Deutschen Demokratischen Partei und war auch politisch aktiv.
Zum 1. Mai 1933 trat Fritz Boehner der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.982.201) und machte danach auch mehrere propagandistische Filme (Du und deine Zeitung, 1934, für die führende sächsische NSDAP-Zeitung, und Sachsen wie es wirklich ist, 1935). Dabei verfolgte er eine Strategie der Anpassung um jeden Preis. Nach 1939 drehte sein Unternehmen auch Filme für die Marine-Hauptfilmstelle und ab 1943 Lehrfilme zur besseren Orientierung im Kriegsgelände, wodurch seine Mitarbeiter kriegsunabkömmlich waren.
Im März 1945 floh Fritz Boehner vor der vorrückenden Roten Armee nach Wirsberg in Oberfranken, wo er aber keine Lizenz durch die amerikanischen Militärbehörden für eine neue Filmgesellschaft erhielt. Er arbeitete dann im Filminstitut eines ehemaligen Kameramanns.
1949 gründete er in seiner Heimatstadt Erlangen wieder eine Boehner-Film Fritz Boehner und nutzte ab 1950 den ehemaligen Hochbunker in Hamburg-St. Pauli als Studio. Er drehte wieder Industriewerbefilme, darunter 1953 die ersten farbigen deutschen 3D-Filme für Volkswagen, Informationsfilme für öffentliche Einrichtungen wie Bundesbehörden (Unser Volk – Unser Staat, 1959), Landschaftsfilme und wiederholte Puppenfilme von 1944. Am interessantesten davon ist jetzt Die verschwundene Stadt Dresden (1955), in dem viele Aufnahmen der Stadt vor den Kriegszerstörungen zu sehen sind.
Fritz Boehner war in überregionalen bundesdeutschen Filmgremien tätig und erhielt 1956 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. Über seine familiären Verhältnisse sind keine Angaben bekannt.
Der Filmwissenschaftler Ralf Forster charakterisierte Fritz Boehner 2012 folgendermaßen:
André Eckardt: Im Dienst der Werbung. Boehner-Film 1926 – 1967. Babelsberg 2004, mit vielen biographischen Informationen
Fritz Boehner Sächsische Biographie
Suche nach Fritz Boehner. In: Deutsche Digitale Bibliothek