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Fritz Bleichröder

Deutscher Arzt

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Fritz Bleichröder (* 12. Januar 1875 in Berlin; † 8. November 1938 ebenda) war ein deutscher Arzt jüdischer Herkunft. Bleichröder entstammte einer damals bedeutenden Bankiersfamilie; das bekannteste Familienmitglied war sein Onkel, Gerson von Bleichröder.

Fritz Bleichröder, der zeitlebens unter depressiven Verstimmungen litt, studierte Medizin und arbeitete als Internist am Städtischen Frauenkrankenhaus in der Gitschiner Straße in Berlin-Kreuzberg, zuletzt als deren Medizinischer Direktor. Bekannt wurde er in der Medizin durch seine Publikationen in der Fachzeitschrift Berliner Klinische Wochenschrift zum Einsatz des Katheters und der folgenden Diskussion mit dem späteren Nobelpreisträger Werner Forßmann bezüglich der ersten jemals durchgeführten Herzkatheteruntersuchung am Menschen. Bleichröder führte gemeinsam mit seinem Kollegen Ernst Unger über hundert Experimente mit Kathetern durch. Ziel dieser Studien war es, Medikamente punktgenau und mit hoher Konzentration an die betroffenen Organe zu platzieren. Nach einer Reihe von Tierversuchen unternahm er zwei Selbstversuche, bei denen Ernst Unger einen Katheter über Arm- bzw. Beinvenen bei ihm einführte. Bei einem der Selbstversuche an Bleichröder erreichte der Katheter vermutlich sein Herz. Diese Begebenheit wurde aber von den Forschern nicht veröffentlicht. Erst als Jahre später Werner Forßmann eine ähnliche Studie veröffentlichte, kam es zum Disput.

Herkunft, Jugend und eigene Familie

Fritz Bleichröder stammte aus der Bankiersfamilie Bleichröder und war das jüngste von sieben Kindern. Seine Eltern waren Julius Bleichröder und Adelheid Salomon; diese hatten am 30. Mai 1858 geheiratet. Seine Schwester Johanna heiratete 1897 den Physiker und sozialdemokratischen Politiker Leo Arons; einige Jahre später heiratete seine Schwester Gertrud den Bankier Paul Arons, einen Bruder Leo Arons’. Der Gründer des Bankhauses S. Bleichröder, Samuel Bleichröder, war sein Großvater. Der als Bankier Bismarcks bekannte und auf dessen Antrag am 8. März 1872 von Kaiser Wilhelm I. in den erblichen Adelsstand erhobene Gerson Baron von Bleichröder war der Onkel von Fritz Bleichröder.

Fritz Bleichröder wuchs in einem großbürgerlichen Umfeld auf und wurde im jüdischen Glauben erzogen. Seine Familie gehörte der Berliner Jüdischen Gemeinde an und besuchte die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße. Die Stadtwohnung der Familie lag in der eleganten Voßstraße (Hausnummer 8, später Teil der Reichskanzlei) in Berlin und somit unmittelbar in der Nähe des Bleichröder-Palais am Leipziger Platz, welches bis 1902 von James von Bleichröder bewohnt wurde. Die Bleichröders waren sozial stark engagiert und unterstützten beispielsweise die Stiftung für jüdische Studenten, die Armendirektion der Stadt Berlin und die Deutsche Pestalozzi-Stiftung in Pankow. Nur zeitweise besuchte Bleichröder die Schule; zumeist wurde der Unterricht für ihn und seinen älteren Bruder Paul von einem Hauslehrer abgehalten und fand in einer eigens hierfür eingerichteten Wohnung im Haus der Familie, in der Schüler und Lehrer gemeinsam lebten, statt.

Am 8. Mai 1906 heiratete Fritz Bleichröder in Berlin die sieben Jahre jüngere Elli Feig. Gemeinsam hatten sie drei Kinder, die zwischen 1909 und 1914 geboren wurden. Nach Fritz Bleichröders Tod verließ seine Frau Deutschland und emigrierte nach England. Sie verstarb 1956 in London.

Der Sohn Rudolf Paul Julius emigrierte 1932 nach London und arbeitete dort beim Bankhaus Samuel Montagu, zuletzt als Vizepräsident. Er verstarb im Jahr 2000 im Alter von 85 Jahren. Die Tochter Ursula Beate studierte in Australien Medizin und war Ärztin; sie verstarb dort 1962. Seine Tochter Adelheid (Adele Filene) war in London als Modedesignerin tätig; im Jahr 1970 zog sie in die USA und heiratete dort. Sie verstarb 2010 im Alter von 101 Jahren. Seit 1996 vergibt die Costume Society of America ihr zu Ehren den Adele Filene Student Presenter Grant.

Bleichröder wird als schwermütiger und entschlussunfreudiger Mensch beschrieben. Er litt oft unter depressiven Verstimmungen und bezeichnete sich als wir Selbstmörder, wobei kein wirklicher Suizidversuch von ihm dokumentiert ist. Während seiner Ehe mit Elli verliebte er sich in eine verheiratete Frau, diese Zuneigung dauerte mehrere Jahre an. Nur mit Hilfe massiver Beeinflussung seiner Familie konnte er dazu gebracht werden, den Kontakt mit jener Frau zu vermeiden und sich mit seiner Ehefrau auszusöhnen. Als sich einige Jahre später die erwähnte Frau das Leben nahm, stürzte dies Bleichröder in eine schwere seelische Krise. Auf Empfehlung von Alfred Adler unterzog er sich einer psychotherapeutischen Behandlung und konnte so seinen Gemütszustand zumindest zeitweise verbessern.

Durch einen Straßenunfall im Jahr 1929 erlitt Bleichröder einen Schädelbruch und blieb wochenlang ohne Besinnung. Er konnte sich aber, bis auf eine leichte Schwerhörigkeit, hiervon vollständig erholen. Unabhängig von dem Unfall litt er jahrelang unter schweren Herzproblemen; ob dieses Leiden durch seine früheren Katheterexperimente verursacht war, ist nicht bekannt. Schließlich erkrankte er 1938 hoffnungslos und starb infolgedessen am 8. November 1938 in Berlin. Bis zuletzt wurde er von seiner Frau gepflegt; seine Kinder waren bereits vorher nach England bzw. Australien emigriert. Beigesetzt wurde er auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee in Berlin. Es wird berichtet, dass die männlichen Trauergäste nach der Trauerfeier am Ausgang des Friedhofs verhaftet und in Konzentrationslager deportiert wurden; vermutlich steht dieses Ereignis in Zusammenhang mit den Pogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Ein Porträt über Fritz Bleichröder war 2013 Teil einer Berliner Open-Air-Ausstellung im Rahmen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“.

Nach seiner schulischen Ausbildung und dem Abitur, das er 1893 am Falk-Real-Gymnasium in Berlin ablegte, studierte Fritz Bleichröder Medizin an den Universitäten in Straßburg, München, Berlin, Breslau und Kiel. Seine Approbation erhielt der spätere Internist im Jahre 1898 bzw. 1899 und wurde am 13. Juni 1900 an der Universität Kiel zum Dr. med. promoviert. Seine Dissertation trägt den Titel Ein Fall von Tetanus traumaticus, behandelt mit Injektionen von Hirnemulsion. Sie beschreibt die Behandlung eines sechsjährigen Jungen, der am 15. Juli 1899 mit der Diagnose Tetanus traumaticus in der von Professor Emanuel Mendel gegründeten Pankower Nervenklinik an der Breiten Straße, in der Bleichröder zu dieser Zeit arbeitete, eingeliefert wurde. Mendel, ein langjähriger Bekannter der Familie Bleichröder, hatte auch das Thema der Dissertation vorgegeben. 1902 wurde Fritz Bleichröder Mitglied der Berliner Medizinischen Gesellschaft.

Arbeit als Internist und Kriegseinsatz

Fritz Bleichröder war Volontär-Assistent am Pathologischen Institut der Charité in Berlin und anschließend Assistent am Städtischen Frauenkrankenhaus in der Gitschiner Straße in Berlin-Kreuzberg. Dort wurde er in Folge stellvertretender und um das Jahr 1910 herum schließlich Medizinischer Direktor.

Im Ersten Weltkrieg wurde Bleichröder als berittener Sanitätsoffizier an der Front eingesetzt und mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse ausgezeichnet.

Mit seinem Kollegen Ernst Unger führte Bleichröder eine Reihe von Experimenten mit Kathetern durch. Ziel dieser Studien war es, Medikamente punktgenau und mit hoher Konzentration an die betroffenen Organe zu platzieren. Bleichröder führte über hundert derartige Versuche an Hunden durch und gelangte zu dem Schluss, dass die Methode gefahrlos ist. Daraufhin unternahm er zwei Selbstversuche, bei denen Ernst Unger einen Katheter über Arm- bzw. Beinvenen bei ihm einführte. Es folgten noch zwei weitere derartige Experimente an Menschen. Die gesamte Versuchsreihe fand im Jahr 1905 statt, wurde aber erst 1912 von Bleichröder in der Fachzeitschrift Berliner Klinische Wochenschrift veröffentlicht. Der Artikel war mit zwei Kommentaren versehen; ein Kommentar behandelte die Bedeutung und Anwendbarkeit der Arbeit und war von Ernst Unger verfasst, der andere Beitrag war von Walter Löb und beschrieb physikalisch-chemische Aspekte. Die Grundlage des Artikels und der beiden Kommentare waren drei Vorträge, welche die Autoren am 9. Mai 1912 auf einer Sitzung der Hufelandischen Gesellschaft gemeinsam hielten.

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