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Friedrichsdorf

Hessische Stadt im Hochtaunuskreis

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Friedrichsdorf ist eine Stadt im hessischen Hochtaunuskreis. Sie ist Teil der Stadtregion Frankfurt, der größten Agglomeration im Rhein-Main-Gebiet, und gehört zum Regierungsbezirk Darmstadt. Friedrichsdorf ist mit 26.054 Einwohnern (31. Dezember 2025) die drittgrößte Stadt des Hochtaunuskreises. Sie trägt seit dem 13. November 2024 die amtliche Zusatzbezeichnung Philipp-Reis-Stadt.

Die Stadt Friedrichsdorf wies im Jahr 2023 einen weit überdurchschnittlichen Kaufkraftindex von 126,5 des Bundesdurchschnitts auf.

Friedrichsdorf liegt am Südhang des Taunushauptkamms. Das Stadtgebiet umfasst zum einen landwirtschaftlich geprägte Flächen wie etwa bei Burgholzhausen, die den Übergang zur Wetterau bilden. Zum anderen findet sich ein großes zusammenhängendes Waldgebiet am Taunuskamm. Dort befindet sich der höchste Punkt der Gemarkung, eine unbenannte Erhöhung (in alten Kartenwerken noch „Lindenkopf“ genannt) zwischen dem Kastell Saalburg und dem Ringwall Gickelsburg, mit 480,6 m ü. NN. Vom Taunuskamm her durchfließt der Erlenbach die Stadt.

Die Lage der Stadt am Südhang des Taunushauptkamms bewirkt eine höhere Zahl an Sonnenstunden, außerdem ist die Stadt dadurch vor kalten Nordwinden geschützt.

Friedrichsdorf grenzt im Norden an Rosbach vor der Höhe, im Osten an Karben (beide Wetteraukreis), im Süden an Bad Homburg vor der Höhe sowie im Westen an Wehrheim (beide Hochtaunuskreis).

Friedrichsdorf setzt sich aus der Kernstadt um die Hugenottenstraße mit fließendem Übergang zum Stadtteil Dillingen sowie den anderen Stadtteilen zusammen. Der Stadtteil Köppern liegt nördlich der Kernstadt. Burgholzhausen liegt als einziger Teil Friedrichsdorfs östlich der A 5. Südlich der Kernstadt ist Seulberg gelegen; die Besiedlung geht ebenfalls nahtlos über. Die zu Seulberg gehörenden Siedlungen Römerhof und Schäferborn, östlich der Bahnstrecken und südöstlich der Stadtmitte gelegen, grenzen direkt an die Besiedlung an.

Im Jahre 1916 wurde Dillingen eingemeindet. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. August 1972 die Stadt Friedrichsdorf und die bis dahin selbstständigen Gemeinden Köppern, Burgholzhausen vor der Höhe aus dem Landkreis Friedberg und Seulberg kraft Landesgesetz zur heutigen Stadt Friedrichsdorf im Obertaunuskreis zusammengeschlossen.

Für die Stadtteile Burgholzhausen vor der Höhe, Friedrichsdorf, Köppern und Seulberg wurden Ortsbezirke eingerichtet.

1221 wird in Urkunden Burgholzhausen als Holzhausen erstmals erwähnt. Im Jahr 1803 zählte Burgholzhausen zu den letzten fünf verbliebenen freien Reichsdörfern im Alten Reich. Als wichtigste Erwerbszweige galten neben Landwirtschaft und Leinenweberei die Herstellung von Fliesen, deren Grundstoff aus nahegelegenen Lehmgruben gewonnen wurde. Ende des 17. Jahrhunderts wurde durch die Herrschaft des Geschlechtes der Ingelheimer der Obstanbau in Burgholzhausen intensiviert.

Der frühere Ort Tulingen wurde erstmals 1192 bzw. 1229 urkundlich erwähnt, fiel aber im Dreißigjährigen Krieg wüst. Ein Versuch der Neuansiedelung mit Hugenotten durch Order des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg 1687 misslang, die Hugenotten zogen schon bald ins neu gegründete Friedrichsdorf um. Dillingen wurde erneut 1804 von Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg neu gegründet, die Namensgebung bezog sich dabei auf den Altort. 1916 wurde der Ort nach Friedrichsdorf eingemeindet.

Köppern wird 1269 erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit wurde dem Burchard von Printsac eine Mühle zu coppern vom Grafen Gerhard von Eppstein zum Lehen gegeben. Leinenweberei und Ziegelbrennerei stellten neben der Landwirtschaft lange Zeit die wichtigsten Erwerbszweige dar. Später kamen die Fabrikation von Hüten und die Verarbeitung von Leder hinzu. 1901 wurde vom Frankfurter Arzt Emil Sioli das heute noch bestehende Waldkrankenhaus (Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie) gegründet.

Im Lorscher Codex wird Seulberg 767 zum ersten Mal erwähnt. Seulberg gilt als eine der ältesten Siedlungen im Hochtaunuskreis. Funde der Rössener Kultur deuten auf eine Besiedlung in der Jungsteinzeit hin. Neben Landwirtschaft und Leinenweberei ist hier die Töpferei lange ein wichtiger Erwerbszweig gewesen. Mit den Hugenotten in Friedrichsdorf bestanden rege Handelsbeziehungen. Seulberg blieb von Hexenverfolgungen nicht verschont, denen zwischen 1652 und 1656 26 Frauen und 6 Männer zum Opfer fielen.

Bereits aus der Römerzeit sind für das Stadtgebiet von Friedrichsdorf Siedlungsspuren durch eine Ziegelei nachgewiesen.

Die Gründung im Jahr 1687 geht auf die Hugenottenverfolgung in Frankreich zurück. Rund 200.000 der damals 800.000 in Frankreich lebenden Protestanten flohen aus ihrer Heimat. Landgraf Friedrich II. lud sie ein, sich in der Landgrafschaft Hessen-Homburg niederzulassen, angeblich mit den Worten „Lieber will ich mein Silbergerät verkaufen, als diesen armen Leuten die Aufnahme versagen“. 30 Hugenottenfamilien gründeten Friedrichsdorf, welches sie aus Dankbarkeit nach ihm benannten. Im Unterschied zu anderen derartigen Kolonien erreichten die Hugenotten ihren neuen Wohnort nicht in geschlossenen brigades, sondern als einzelne Familien. Sie kamen aus der Picardie, der Champagne, der Provence, dem Languedoc, aus dem Dauphiné, aus der Île-de-France und aus der (heute italienischen) Ortschaft Pragelas. Mit dem Edikt vom 13. März 1687 befreite der Landgraf die Réfugiés für zehn Jahre von allen Steuern, Zöllen und Abgaben. Den Bauern wurde Land gegeben, die Handwerker vom Zunftzwang befreit. Einer der ihren wurde ihnen als Schultheiß vorgesetzt; sie erhielten eigene Gerichtsschreiber und durften die ihnen überlassenen Grundstücke frei unter sich verteilen. Damit wurden den Neusiedlern nach vormodernen Maßstäben sehr umfangreiche Privilegien gewährt.

Viele der Zuwanderer waren Weber; sie brachten Kenntnisse im Textilgewerbe mit und legten damit den Grundstein für ein schnelles wirtschaftliches Wachstum, was von Friedrich II. so beabsichtigt war. Zunächst stellten sie Leinen und Feinleinen, ab Mitte des 18. Jahrhunderts Strümpfe und schließlich Flanell her. Ab 1753 wurden Friedrichsdorfer Textilien in größerem Maße auf der Frankfurter Messe umgeschlagen. Der Ort vergab Aufträge an die Heimarbeiter der umliegenden Dörfer. Die wirtschaftliche Prosperität wurde 1771 mit der Verleihung der Stadtrechte gewürdigt. In der ehemaligen Hauptstraße, die nach kurzer Namensänderung während des NS-Staates in Hugenottenstraße umbenannt wurde, erinnert gegenüber der Kirche eine Steinsäule an die Verleihung. Im Jahr 1873 wurde eine gusseiserne Büste von Landgraf Friedrich angefertigt und auf einer ehemaligen nassauischen Grenzsäule aus Lahnmarmor an der Schnepfenburg aufgestellt (die Landgrafensäule), 1937 dann auf den nach ihm benannten Landgrafenplatz in der Innenstadt versetzt.

Das heutige Dillingen war erst 1804 gegründet worden, hier siedelten unter Gestattung Friedrich V. Vogelsberger Bauern im bis dato bewaldeten Areal nördlich einer Wüstung. Das alte Dillingen – 1192 bezeugte ein Friedrich von Dillingen den Vertrag, mit dem Gottfried von Eppstein Burgrechte kauft, 1229 erfolgt die erste Erwähnung des Dorfes Tulingen – war mit dem Ort Willkommshausen und einer Motte, deren östlich des Ortes an der Alten Grenzstraße gelegenen Wallreste als Schnepfenburg bekannt sind, im Dreißigjährigen Krieg entvölkert. Zwischen dem heutigen Dillingen und Friedrichsdorf wird die Brendelburg auf dem Gelände des Institutes Garnier vermutet.

Als die Textilproduktion gegenüber der Industriefertigung in England nicht mehr konkurrenzfähig war, dominierte das Färben von Textilien, insbesondere das Blaufärben (mit Pflanzenstoffen, Alkohol und menschlichem Urin). Von den ehemals sehr zahlreichen Färbehäuschen sind heute noch vier erhalten. Kurzfristig wurde Leder hergestellt, eine Hutproduktion (der Homburger) fand in nennenswertem Umfang statt, beispielsweise in der Köpperner Hutfabrik.

Später (die Zwiebackfabrik Ferd. Stemler wurde 1788 gegründet) kam in Friedrichsdorf die Produktion von Zwieback hinzu, welcher sich von anderen damaligen äußerst widerstandsfähigen (harten) Produkten sehr vorteilhaft unterschied. Damit waren die Friedrichsdorfer so erfolgreich, dass ihre Stadt den Beinamen „Stadt des Zwiebacks“ erhielt. Aus dem Zwiebackfabrikanten Emil Pauly ging die Firma Milupa hervor, die im Stadtzentrum auf eine große Fläche expandierte.

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