Johann Friedrich Graf von der Decken (* 25. Mai 1769 in Langwedel (Weser); † 22. Mai 1840 in Ringelheim) war ein hannoverscher Generalfeldzeugmeister im Napoleonischen Krieg und Diplomat.
Friedrich von der Decken entstammt dem alten niedersächsischen Adelsgeschlecht von der Decken, aus dem viele hannoversche Offiziere kamen. Seine Eltern waren der hannoverische Oberstleutnant Carl Gustav von der Decken (1725–1780) und dessen Ehefrau Anna Friederike Margarethe von Münchhausen (1740–1811). Der Generalmajor Georg Burchard von der Decken (1766–1838) war sein Bruder.
1784 trat er in die Armee ein. Er nahm am Ersten Koalitionskrieg 1793–95 teil. Decken wurde 1796 Oberadjutant des Herzogs Adolph Friedrich von Cambridge, dem er Vorlesungen über Mathematik und Geschichte hielt. 1803 trat Decken während der französischen Besatzung des Kurfürstentums Hannover in den diplomatischen Dienst. Am 28. Juli 1803 begann er, für die britische Krone ausländische Soldaten zu werben und gründete damit die King’s German Legion. Er wurde 1804 Oberst der reitenden Artillerie der KGL. Er nahm mit der Einheit zwischen 1805 und 1807 im Krieg gegen Frankreich teil. Als Brigadegeneral machte er die Landungen 1805 in Hannover und 1807 in Kopenhagen mit.
Anschließend wurde er 1808 als Diplomat und Militärberater nach Spanien und Portugal geschickt, um Truppen gegen Frankreich auszuheben und zu organisieren. 1813 kehrte er nach Großbritannien zurück. Für den Sommerfeldzug von 1815 organisierte er ein hannoverisches Korps von 10000 Mann, das er in Belgien kommandierte. Er war nun als Generalleutnant Kommandeur des hannoversche Reserve-Korps mit vier Brigaden unter Oberstleutnant August Christian Ernst von Bennigsen, Oberstleutnant Karl von Beaulieu, Oberstleutnant Karl von Bulow und Oberst Rudolf Bodecker.
Nach dem Krieg und dem Wiener Kongress führte von der Decken die Oberaufsicht über die neu gegründete Artillerie- und Ingenieurschule in Hannover, lehnte militärische Auszeichnungen der Niederlande und Preußens ab, wurde aber 1833 vom englisch-hannoverschen König Wilhelm IV. (von 1714 bis 1837 dauerte die Personalunion von Hannover und Großbritannien) in den erblichen Grafenstand erhoben. 1817 erwarb er das ehemalige Benediktinerkloster in Ringelheim und baute Schloss und Park zu seinem Landgut aus, auf dem er ab 1833 seinen Ruhestand verbrachte. Zuletzt gründete er 1835 den Historischen Verein für Niedersachsen und übernahm die Präsidentschaft. Seit 1816 war er auswärtiges Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.
Von der Decken galt als ein Freund des preußischen Militärreformers Gerhard von Scharnhorst. Die beiden gaben ein militärisches Journal heraus.
Friedrich heiratete 1806 Antoinette von Gruben (1781–1855). Sie war Erbin von Wechtern VI, dem heutigen Deckenhausen, in Krummendeich. Ihre Kinder waren:
Adolphus (1807–1886), der Erbe von Ringelheim , ⚭ 1835 Louise von Wallmoden (1813–1890)
George Ayhsford (1810–1881) (nicht gräflich), der Erbe von Deckenhausen, ⚭ 1848 Lisette von der Decken (1826–1897)
Juliane (1815–1884) (nicht gräflich) ⚭ 1839 Freiherr Ludwig von Minningerode (1806–1853).
Neues Militärisches Journal, seit 1797 Militärische Denkwürdigkeiten unserer Zeiten ... 13 Bände 1788-1805, von der Decken schrieb wenigstens 16 Artikel im NMJ (1797–1803), seine Artikel sind mit v.D. unterzeichnet. Herausgeber waren die Freunde Scharnhorst und von der Decken.
Betrachtungen über das Verhältnis des Kriegsstandes zu dem Zwecke der Staaten, Hannover 1800, Neudruck Biblio Verlag Osnabrück 1982 mit einer Einführung von Joachim Niemeyer
Philosophisch-historisch-geographische Untersuchungen über die Insel Helgoland oder Heiligeland und ihre Bewohner, Schuster Leer 1978, Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Hannover 1826 mit einer biographischen Notiz online
Versuch über den englischen Nationalcharakter, Hannover 2. Auflage 1817 online
Herzog Georg von Braunschweig und Lüneburg. Beiträge zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges, nach Originalquellen des Königlichen Archivs zu Hannover. 4 Bände. Hannover: Hahn 1833–1834. wikisource online Buchbesprechung in Literaturblatt, Ausgabe 1, 1935, S. 465/67
Beiträge zur hannoverschen Geschichte unter der Regierung Herzogs Georg Wilhelm 1649–1665, Hannover Hahn 1839 wikisource online
Vaterländisches Archiv des Historischen Vereins für Niedersachsen Jahrgang 1835 Beitrag zur Geschichte des Meierwesens im Hildesheimschen S. 1–37
Nachrichten von der Familie von der Decken (Stammtafeln ...), Hannover: Jänecke 1836 Worldcat: Bibliotheken, die das Buch haben