Friedrich von Thun (* 30. Juni 1942 als Friedrich Ernst Peter Paul Maria Thun-Hohenstein in Kwassitz, Protektorat Böhmen und Mähren) ist ein österreichischer Schauspieler.
Seinen Durchbruch als Filmschauspieler hatte er 1964 als Revierjäger Franzl Reiser in Lausbubengeschichten sowie dessen Fortsetzungen Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten (1965), Onkel Filser – Allerneueste Lausbubengeschichten (1966) und Wenn Ludwig ins Manöver zieht (1967). Im Fernsehen wurde er vor allem durch die Fernsehserien Der Bastian und Die Verbrechen des Professor Capellari bekannt. Sein internationaler Erfolg gelang ihm 1993 mit Steven Spielbergs Holocaust-Drama Schindlers Liste. In seinen Rollen verkörperte meist joviale Gestalten, Grandseigneurs oder den weltgewandten Gentleman, die mit ihrer Leutseligkeit oft ihre Intrigen und krummen Geschäfte bemänteln.
Friedrich wurde 1942 als jüngster von vier Söhnen und viertes von fünf Kindern von Ernst Thun-Hohenstein (1905–1985; geb. Graf von Thun und Hohenstein) und dessen Frau Marie Therese (1911–2007; geb. Freiin Wiedersperger von Wiedersperg) geboren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, der Enteignung und Vertreibung sowie einem Aufenthalt in einem tschechoslowakischen Lager übersiedelte die Familie – seine Eltern, der dreijährige Friedrich und seine drei älteren Brüder Jaroslav (* 1935), Johann (1936–1993) und Franz (* 1939) – im Jahr 1945 von Mähren nach Österreich. Seine Schwester Elisabeth wurde 1949 in Litschau in Niederösterreich geboren.
1953 kam von Thun mit seiner Familie nach Leoben, wo die Familie rund zehn Jahre lang in einem Haus in der Max-Tendler-Straße lebte. In dieser Zeit kam er auch zu ersten Kontakten mit dem Theater, als er Kinderaufführungen im Stadttheater Leoben besuchte. Er besuchte zunächst die Volksschule in Leoben-Stadt, wechselte später an das das Abteigymnasium Seckau. Nach der Matura 1960 studierte er in München Germanistik und Theaterwissenschaften und nahm privaten Schauspielunterricht.
Friedrich von Thun sammelte seine ersten schauspielerischen Erfahrungen während seines Studiums der Germanistik und Theaterwissenschaften in München als Mitglied eines Studentenkabaretts. Seine professionelle Bühnenlaufbahn begann im Jahr 1962, nachdem er bei dem renommierten Regisseur und Schauspieler Axel von Ambesser vorsprach. Von Ambesser erkannte sein Talent, besetzte ihn in ersten kleinen Filmrollen und vermittelte ihm schließlich den Einstieg in das klassische Theaterfach. Durch diese Förderung erhielt von Thun im Jahr 1963 sein erstes Festengagement an den renommierten Münchner Kammerspielen, denen er bis 1967 als festes Ensemblemitglied angehörte. Sein Debüt gab er unter Ambessers Regie in Gewitter am See von Wolfgang Christlieb. Unter der Intendanz von August Everding und der Regie prägender Theatermacher erarbeitete er sich in dieser Zeit ein breites Repertoire. Er übernahm Rollen in klassischen Dramen von William Shakespeare und Friedrich Schiller, war jedoch ebenso in modernen zeitgenössischen Stücken sowie anspruchsvollen Boulevardkomödien zu sehen. Zu seinen frühen, prägenden Bühnenrollen gehörte unter anderem die des Vetter Franz in einer von Axel von Ambesser inszenierten Produktion.
Nach dem Ende seines Festengagements im Jahr 1967 entschied sich von Thun für eine Laufbahn als freischaffender Schauspieler. Trotz seiner zunehmenden Verpflichtungen für Film und Fernsehen blieb er der Theaterbühne über die Jahrzehnte hinweg durch regelmäßige Gastengagements treu. So gastierte er an zahlreichen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen, darunter in München, Wien, Hamburg und Berlin. 1992 spielte er an der Seite von Christiane Hörbiger im Stück Das Konzert im Stadttheater Leoben. Seine bislang letzte große Theaterrolle übernahm von Thun im Jahr 2018 am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. In einer viel beachteten, bairischen Inszenierung des Erfolgs-Musicals My Fair Lady verkörperte er den noblen und charmanten Oberst Pickering.
Nach diesem Engagement fokussierte er seine Live-Auftritte auf szenische Lesungen und literarische Bühnenprogramme. Seine in diesem Bereich am längsten laufende und bis heute andauernde Theaterpräsenz ist das literarisch-szenische Format Loriot: Szenen einer Ehe. Als Rezitator und Darsteller der männlichen Hauptparts steht er in diesem Stück seit Jahren im Wechsel mit Senta Berger (sowie bei ausgewählten Gastspielen mit Aglaia Szyszkowitz) auf führenden deutschen und österreichischen Bühnen.
Friedrich von Thun gab sein Filmdebüt unter der Regie von Helmut Käutner, der ihn 1964 in der Ludwig-Thoma-Adaption Lausbubengeschichten in der Rolle des Revierjägers Franzl Reiser besetzte. In den von Werner Jacobs inszenierten erfolgreichen Fortsetzungen Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten (1965), Onkel Filser – Allerneueste Lausbubengeschichten (1966) und Wenn Ludwig ins Manöver zieht (1967) spielte er die Rolle ebenfalls. Danach verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt zunehmend auf das Fernsehen. Einem breiten Publikum wurde er 1973 durch die populäre Vorabendserie Der Bastian bekannt, in der er unter der Regie von Rudolf Jugert den Bruder des von Horst Janson gespielten Titelhelden darstellte. Im Jahr 1979 besetzte ihn Michael Verhoeven im Fernsehdrama Verführungen.
Ab den 1990er-Jahren etablierte sich von Thun als einer der gefragtesten Charakterdarsteller des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wegweisend wurde dabei die Zusammenarbeit mit Regisseur Bernd Fischerauer für die Arztserie Dr. Schwarz und Dr. Martin (1994–1996). Hier bildete von Thun gemeinsam mit Senta Berger ein Duo, das von den Medien fortan als deutsches „TV-Traumpaar“ gefeiert wurde. Fischerauer besetzte beide kurz darauf auch im vierteiligen Drama Liebe und weitere Katastrophen (1998). Gleichzeitig feierte von Thun internationale Erfolge. Weltweit bekannt wurde er 1993 in Steven Spielbergs siebenfach oskargekröntem Holocaust-Drama Schindlers Liste, in dem er an der Seite von Liam Neeson und Ben Kingsley die Rolle des SS-Obergruppenführers Rolf Czurda übernahm. Kurz darauf stand er für George Lucas in der US-Abenteuerserie The Young Indiana Jones Chronicles vor der Kamera. Seinen bis dahin größten Serienerfolg im ZDF feierte er von 1998 bis 2004 in der Titelrolle der Krimireihe Die Verbrechen des Professor Capellari. Als ermittelnder Kriminologe spielte er hier unter anderem neben Harald Leipnitz und Gilbert von Sohlern.
In den 2000er-Jahren profilierte sich von Thun vermehrt in verschiedenen Fernsehkömödien, aber auch in tiefgründigen Fernsehdramen. In der prominent besetzten Familienkomödie Unser Papa, das Genie (2002) übernahm von Thun unter der Regie von Sabine Landgraeber die Titelrolle des genialen, aber im Alltag vollkommen zerstreuten Astrophysikers Julius Stern. Seine geplagte Ehefrau wurde darin von Simone Thomalla verkörpert, während Charles Brauer den Institutschef spielte. 2003 spielte er an der Seite von Heiner Lauterbach und Monica Bleibtreu im Drama Eine Liebe in Afrika. Im selben Jahr verkörperte er General Erich Ludendorff im internationalen Historienzweiteiler Hitler – Aufstieg des Bösen. Für seine Darstellung in der Tragikomödie Helen, Fred & Ted (2006) neben Götz George wurde er mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.
Eine herausragende schauspielerische Leistung zeigte er 2007 in dem berührenden Drama Zeit zu leben unter der Regie von Matti Geschonneck. An der Seite von Nicole Heesters verkörperte er den todkranken Rolf Waldheim, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte, das Gift jedoch rätselhafterweise überlebt. Im selben Jahr spielte er erneut unter Geschonnecks Regie im Entführungsdrama Entführt den millionenschweren Großindustriellen Albert Targensee. Einen großen Publikumserfolg im Ersten markierte die zweiteilige Liebes- und Familienkomödie unter der Regie von Nikolai Müllerschön. Im Film Hochzeiten (2012) und dessen Fortsetzung Just Married – Hochzeiten zwei (2013) stand von Thun abermals an der Seite seiner langjährigen Partnerin Senta Berger vor der Kamera. Er spielte den egozentrischen Großunternehmer Bernhard, der sich mit seiner geschiedenen Ex-Frau Claire anlässlich der Hochzeit ihrer gemeinsamen Tochter Sophie (gespielt von Lisa Martinek) – sowie beim anschließenden gemeinsamen Ruhestand zusammenraufen muss.