Friedrich Wilhelm Pestel (auch Frederik Willem; auch von Pestel; * 7. Januar 1724 in Rinteln; † 16. Oktober 1805 in Leiden) war ein deutscher Rechtswissenschaftler.
Pestel stammte aus einer Familie, die aus England während der Protestantenverfolgung unter Königin Maria nach Deutschland floh. Viele der Familienmitglieder wurden später Juristen. Bereits sein Urgroßvater David Pestel (1603–1684) war Professor des Lehnrechts (Feudalrecht) und des Codex in Rinteln. Auch sein Vater Friedrich Ulrich Pestel (1691–1764) war Professor der Ethik und der Rechte an der Universität Rinteln. Seine Mutter war Elisabeth Helene Pestel, geb. Lenderking (* 1698 in Rinteln; † 20. Dezember 1751 ebenda) war die Tochter des Rintelner Bürgermeisters Ludoph Wilhelm Lederking.
1739 begann Pestel ein Studium an der Universität Rinteln und wechselte später an die Universität Göttingen. Zurückgekehrt nach Rinteln wurde er 1745 mit der Abhandlung de successione inter conjuges ab intestanto (Rinteln 1745) Lizentiat der Rechte. 1747 wurde ihm in Rinteln die Professur für Ethik übertragen und – nachdem er 1748 zum Doktor der Rechte promoviert worden war – wurde er im selben Jahr ordentlicher Professor der Rechte in Rinteln und ein Spezialkollege seines Vaters.
Nachdem er 1762 zum Regierungsrat ernannt worden war, wurde er 1763 zum Professor des Natur- und Staatsrechts an der Universität Leiden berufen. In den Jahren 1765/66, 1777/78 und 1788/89 war er Rektor dieser Alma Mater. 1792 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste um die Jurisprudenz im Reich durch Kaiser Franz in Wien in den erblichen Adelstand erhoben. 1789 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Aus politischen Gründen, weil er sich auf die Seite der Anhänger des Erbstatthalters von Oranien in den Auseinandersetzungen der Batavischen Republik gestellt hatte, wurde Pestel am 8. August 1795 unter Beibehaltung seines Professorensalärs von 3000 Gulden aus seinem Dienstverhältnis entlassen. Er kehrte zurück nach Deutschland, wo er in Celle bei seinem Onkel, dem Oberappellationsrat Justin Ferdinand Friedrich Petzel, lebte. Nachdem sich die Unruhen gelegt hatten, wurde seine Professur am 6. Februar 1802 wieder neu eingerichtet, und Pestel kehrte 1803 nach Leiden zurück.
Diss. de Candore. Rinteln 1740 (Online)
Diss. de cauta applicatione paroemiae: fidem frangenti fides frangatur eidem. Rinteln 1742
Diss. Inaug. Sistens Theses de successione inter Conjuges ab intestato Rinteln 1745 erschien auch unter dem Titel Disquisitio juris Germ. De fucc. Inter conjuges ab intest. Rinteln 1745
Prog. Animadverss. Quaedam ad C. Taciti Germaniam. Rinteln 1747 (Online)
Elementa juris publ. universalis. 1748–1752
Prog. De natura legis actionum. Rinteln 1748
Prog. De causis exitus felicis belli injusti. Rinteln 1748
Prog. In quo pecuniam, qua feudum emtum est, in commune conferri debere, asseritur. Rinteln 1749
Prog. De charactere verae virtutis. Rinteln 1750
Prog. De modo computandi prorogationem dierum fatalium. Rinteln 1750
Diss. ad edictum Carbonianum. Rinteln 1751
De limitibus imperii eminentis. Rinteln 1751
Quaestiones juris publici de Homagio. Rinteln 1752