An diesem Tag

Friedrich Philipp Wilmsen

Deutscher evangelischer Theologe und Pädagoge

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Friedrich Philipp Wilmsen (* 23. Februar 1770 in Magdeburg; † 4. Mai 1831 in Berlin) war ein deutscher reformierter Theologe und Pädagoge.

Der Sohn von Friedrich Ernst Wilmsen (* 29. Januar 1736 in Halle (Saale); † 23. Mai 1797 in Berlin), Prediger an der deutsch-reformierten Kirche in Magdeburg, und dessen Frau Henriette Renate, der Tochter des Potsdamer Hofapothekers Karl Heinrich Marius Harsleben, wurde als drittes Kind unter 16 Geschwistern geboren. Seiner Mutter galt er als Sorgenkind, da er sich besonders früh geistig entwickelte, was von einer sensiblen Nervenreizbarkeit begleitet war. Die Mutter war von besonderer Geistesbildung und hatte erbauliche Aufsätze verfasst, die bereits ihr Gatte in homiletischer Form unter dem Titel Predigten eines Frauenzimmers herausgab, ebenso 1812 ihr Sohn ein von ihr gesammeltes Erbauungsbuch unter dem Titel Die Lehren und Gebote der Religion Jesu Christi in Sprüchen und Liedern, dem er ein Vorwort für seine Kinder und Enkel vorausschickte.

Als Wilmsen sieben Jahre alt war, wurde sein Vater als dritter Prediger an die Parochialkirche nach Berlin berufen. Während des ersten Jahres ließ der Vater Friedrich und seinen älteren Bruder Karl von Hauslehrern unterrichten. Den Religionsunterricht übernahm er selbst nach der starren Form der damaligen Dogmatik. Dem sich immer vergrößernden Kinderkreis, der sich allabendlich um den Vater scharte, bot er Lektüre, u. a. die damals erscheinenden Volksmärchen von Johann Karl August Musäus.

1778 kam er mit seinem älteren Bruder Karl auf das Berliner Gymnasium im Grauen Kloster. Durch den vorherrschenden Drill vom Schulleben abgestoßen freundete er sich mit einem Uhrmacher an, der im Hause seiner Eltern lebte und sich um die Kirchturmglocke der Parochialkirche kümmerte. Dieser weckte in ihm ein Interesse für Mechanik, so dass sich Wilmsen entschloss, Uhrmacher zu werden. Jedoch wurde er Augenzeuge, wie dieser Mann bei der Reparatur der Kirchturmuhr von ihrem Mechanismus erfasst und zermalmt wurde. Bei einem Versteckspiel in den Gewölben der Kirche fand er die Leiche eines Soldaten, der sich erhängt hatte.

Jene abstoßenden Ereignisse lösten in dem gemütsbewegten Jungen ein Nervenfieber aus, welches ihn sein ganzes Leben lang begleiten sollte. Verstärkt wurde dieses Leiden, als er und sein Bruder Karl beim Schlittschuhfahren ins Eis einbrachen. Während sein Bruder bei dem Ereignis den Tod fand, überlebte Friedrich Philipp durch das beherzte Eingreifen seines Lehrers im Grauen Kloster, Karl Philipp Moritz. Als dieser für Wilmsens Entwicklung wichtige Lehrer seine Tätigkeit am Grauen Kloster einstellte, schickte ihn der Vater an das Joachimsthalsche Gymnasium. Den größten Einfluss auf seine wissenschaftliche Ausbildung gewannen dort Johann Heinrich Ludwig Meierotto und Johann Jacob Engel. Wobei Engel es war, der dem jungen Wilmsen eine verständliche Schreibart vermittelte.

Am 1. Mai 1787 immatrikulierte sich Wilmsen an der Universität Frankfurt (Oder), einer reformiert geprägten Hochschule, zum Studium der Theologie und Pädagogik. Da ihm die dortige trockene Lehrstoffvermittlung nicht zusagte, brach er nach einem Jahr sein Studium ab und kehrte nach Hause zurück. Mit einer selbst gehaltenen Predigt schöpfte er neuen Mut, sein Studium der Theologie wieder aufzunehmen. So zog er 1788 an die Universität Halle, wo Johann August Nösselt, August Hermann Niemeyer und Georg Christian Knapp an der theologischen Fakultät lehrten. Hier hatte er sich nebenbei viel mit Christian Fürchtegott Gellert, Johann Caspar Lavater, Friedrich Gottlieb Klopstock und Johann Gottfried Herders Werken beschäftigt und absolvierte sein theologisches Kandidatenexamen.

Danach kehrte er nach Berlin zurück, wo er an der Privatschule des Schulreformers Johann Friedrich August Hartung (1762–1839) sechs Jahre seinen Unterhalt verdiente und sein großes Lehrtalent ausbildete, von dem er seitdem sowohl mündlich als schriftlich Proben gab. Sein Hauptanliegen war, dem trägen Mechanismus und dem Schlendrian im damaligen Elementar- und Volksschulwesen entgegenzusteuern und einer freieren geistvolleren Methode den Weg zu bahnen. Zu diesem Zweck hatte er mit andern jungen Männern Kontakt aufgenommen, die sich dem Lehramt widmeten. Dabei registrierte er kritisch die pädagogische Literatur. In den Lehrstunden, die er nach und nach in mehreren Anstalten übernahm, benutzte er was sich ihm bewährt hatte.

Mit mehreren Pädagogen, besonders mit Friedrich Gedike, kam Wilmsen schon damals in Kontakt. In jene Zeit fällt seine 1789 erste veröffentlichte Schrift Vorübungen zum Briefschreiben für die Jugend. 1794 ließ er seine Briefe zur Beförderung des katechetischen Studiums drucken, nachdem er Kandidat der Domkirche in Berlin geworden war. Nebenher hatte er öfters andere Theologen bei ihren Predigten vertreten, wofür er ein Reisestipendium für Deutschland und die Schweiz erhielt. Durch eine kirchliche Stiftung unterstützt, unternahm Wilmsen, begleitet von dem späteren Hofprediger Friedrich Wilhelm Schregel in Schwedt, eine Reise durch Deutschland und die Schweiz, welche er in einer eigens 1798 herausgebrachten Schrift schilderte.

Diese Reise erweiterte seine Welt- und Menschenkenntnis, da er unter anderem in der Schweiz mit Lavater, Johann Jakob Hess, Heinrich Hirzel (1766–1833), Johann Jakob Hottinger und anderen ausgezeichneten Köpfen der Schweizer reformierten Kirche persönlich in Kontakt kam. Über Hamburg und Lübeck kehrte er 1797 nach Berlin zurück. Auf dem Rückweg erreichte ihn die Mitteilung, dass sein Vater im Sterben läge. Als er ankam, war sein Vater schon gestorben und so konnte Wilmsen nur noch der Bestattung beiwohnen. Nun stand Friedrich Philipp Führungsglied der Familie in der Pflicht die Versorgung seiner Familie, besonders seiner Mutter zu gewährleisten.

Unmittelbar nach der Bestattung traten die Hausväter der Gemeinde zusammen und wählten ihn zum 3. Prediger an der Berliner Parochialkirche. Nach seiner Ordination am 18. März 1798 wurde er am 6. August 1798 in das Amt eingeführt. 1812 stieg er zum zweiten und 1827 zum ersten Pfarrer der Gemeinde auf. Jene Zeit wurde für ihn zu einer fruchtbaren Schaffungsperiode literarischer Werke.

Wilmsen hatte sich am 19. September 1799 in der Berliner Parochialkirche mit Wilhelmine, der Tochter des geheimen Kriegsrats Gottlob Friedrich Zenker, verheiratet. Aus dieser Ehe stammen sechs Kinder, wovon eine Tochter schon in jungen Jahren starb. Sein Sohn Karl August Friedrich Wilmsen wurde ebenfalls ein Theologe. Seine älteste Tochter Julia Philippine Wilmsen († 1832) verheiratete sich am 29. Dezember 1820 mit dem damaligen Diakon an der St. Moritzkirche in Halle Friedrich Christoph Hesekiel.

Wilmsens Lieblingsbeschäftigung war der Religionsunterricht der Jugend, durch den er sich einen Namen über sein Vaterland hinaus erwarb. Besondere Sorgfalt widmete er Berliner Instituten wie der Luisenstiftung, dem Luisenstift und dem Kermesserschen Waisenhaus. Zudem bewirkte er Vieles als Mitglied der städtischen Armendirektion.

In der Luisenstiftung erteilte Wilmsen Unterricht. Auch übertrug man ihm die Aufsicht über das Hospital und die Armenverwaltung der Parochialgemeinde und die Administration der Kurmärkischen Prediger-Wittwenkassen. Vor allem wuchs aber seine Personalgemeinde von Jahr zu Jahr und erforderte seine Kräfte.

Die Union der beiden evangelischen Konfessionen zur Evangelischen Kirche in Preußen 1817 feierten auch die Prediger der Parochialkirche, die alle früher streng reformiert waren, am 31. Oktober in der Nicolaikirche mit ihren lutherischen Amtsbrüdern im Abendmahl nach vereinigtem Ritus. Auf Betreiben von Friedrich Wilhelm III. von Preußen, wurde eine Kommission einberufen, die ein neues gemeinsames Gesangbuch erarbeiten sollte, der auch Wilmsen über zehn Jahre angehörte. Hierfür kam er jeden Donnerstag mit dem Propst Gottfried August Ludwig Hanstein, Samuel Marot, Konrad Gottlieb Ribbeck, Friedrich Ludwig Ritschl (1773–1844), Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Franz Theremin, Gottlieb August Spilleke (1778–1841) und später mit August Neander zur Prüfung der Lieder zusammen.

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Friedrich Philipp Wilmsen | World in Stories