An diesem Tag

Friedrich Ludwig Jahn

Deutscher Pädagoge, Schriftsteller und Politiker (1778-1852)

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Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn, bekannt als Turnvater Jahn (* 11. August 1778 in Lanz; † 15. Oktober 1852 in Freyburg), war ein nationalistischer deutscher Pädagoge, Schriftsteller und Politiker. Geboren als Sohn eines Pfarrers, wurde Jahn 1809 Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster Berlin. In den Befreiungskriegen 1813–1815 gehörte er dem Lützowschen Freikorps an. 1816 erschien seine Schrift Die Deutsche Turnkunst, die den Grundstein der Turnbewegung legte. Jahns Turnbegriff umfasste neben vielfältigen Turnarten und -übungen auch eine eigene Turnerkleidung und -sprache. Der Turnsport sollte nicht nur der körperlichen und geistigen Ertüchtigung der Bürger, sondern auch der Freiheit und Einheit des Staates dienen. Außerdem führte er moderne Geräte wie Reck und Barren ein. Während der Restauration wurde Jahn als Demagoge verfolgt und inhaftiert. 1848/49 wurde er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und ging nach der gescheiterten Revolution in den Ruhestand.

Friedrich Ludwig Jahn, Sohn des evangelischen Pfarrers Alexander Friedrich Jahn (1742–1811) und dessen Frau, der Pfarrerstochter Dorothea Sofia, geb. Schultze (* 1751), wurde zuerst vom Vater unterrichtet. Das Geburtshaus (ehemaliges Pfarrhaus) in Lanz (Am Ring 3) ist erhalten. In der Nähe befindet sich die Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätte (ehemaliges Schulhaus, Am Ring 21), die anlässlich des 200. Geburtstags des Turnvaters im Jahr 1978 von der DDR-Regierung eingerichtet wurde. 1791 besuchte Jahn das Gymnasium in Salzwedel (Altmark), das 1931 nach ihm benannt wurde (Jahngymnasium Salzwedel), ab 1794 das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, das er zwei Jahre später ohne Abschluss verließ.

Ohne das Abitur immatrikulierte er sich 1796 an der Universität Halle zum Theologie-Studium. Häufig verbarg sich Jahn um 1800 in Halle in einer Höhle in einem Felsen an der Saale, heute als Jahnhöhle bekannt. Jahn trat für die Reinheit der deutschen Sprache ein und verfasste die Schrift Patriotismus in Preußen; daraufhin musste er Halle verlassen und ging nach Breslau. 1800 wurde ihm in Leipzig der Prozess gemacht und ein Verbot für alle deutschen Universitäten ausgesprochen. Von Juli 1801 bis Januar 1802 hielt er sich ohne Immatrikulation an der Brandenburgischen Universität Frankfurt auf.

Insgesamt verbrachte Jahn sieben Jahre an verschiedenen Universitäten, darunter der Universität Greifswald, wo er 1802 Ernst Moritz Arndt begegnete und wo die vaterländische Idee des „Vereinigten Deutschlands“ entstand. Nach einigen Jahren als Hauslehrer in Mecklenburg setzte Jahn, der sich inzwischen intensiv mit deutscher Sprache und Geschichte befasste, von 1805 bis 1806 sein Studium an der Universität Göttingen fort. In dieser Zeit verlobte er sich mit der Gutspächtertochter Helena Kollhof, die er 1814 in der Dorfkirche von Neuenkirchen (bei Neubrandenburg) heiratete. Das Paar hatte drei Kinder. Jahn gehörte dem Studentenorden der Unitisten an.

Entwicklung seiner Weltanschauung

Auch Greifswald verließ Jahn wieder ohne Abschluss und ging zunächst nach Neubrandenburg, wo er von 1803 bis 1804 unter dem Namen Andreas Christlieb Mauritius Fritze als Hauslehrer die Kinder von Baron Friedrich Heinrich (Gottlieb) von le Fort (1762–1833) unterrichtete und mit Schülern der oberen Klassen der Gelehrtenschule bei Exkursionen ins nähere Umland das Turnen in Neubrandenburg einführte. Danach ging er in die Glashütte Sophienthal bei Waren (Müritz) und schließlich als Privatlehrer nach Jena. 1807 traf er Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Schnepfenthal, dem er Impulse für das Turnen in Deutschland verdankte. Während des Krieges (Schlacht bei Jena und Auerstedt) fungierte Jahn als Kurier im Regierungsauftrag. 1810 wurde er an der Plamannschen Erziehungsanstalt in Berlin tätig, scheiterte dann aber an einer Prüfung für die Oberlehrerstelle in Königsberg. Er wurde Hilfslehrer in Berlin und widmete sich der Turnerei.

Zunächst war Jahn noch borussisch gesinnt gewesen: Im Jahr 1800 veröffentlichte er pseudonym eine Schrift zur Beförderung des Patriotismus im Preußischen Reiche. Unter dem Eindruck der Napoleonischen Kriege wurde er deutscher Nationalist. In seiner 1808 verfassten Schrift Deutsches Volksthum, 1810 in Lübeck publiziert, skizzierte er erstmals seinen entschiedenen Nationalismus. Der Begriff des Volkstums, den er mit dieser Schrift in den politischen Diskurs einführte, beschreibt Wesenszüge, die angeblich allen Mitgliedern einer Nation eigen sein sollen und durch die sie sich von anderen Nationen unterscheiden würden. Insbesondere gegen Frankreich richtete er seinen Zorn:

Jahn richtete sich ebenfalls gegen die altdeutsche Ständegesellschaft. Er plädierte stattdessen für gleiche Bürgerrechte für alle Deutschen, nationale Bildung, Aufstiegschancen auch für Kinder aus den niederen Ständen und für nationale Einheit. Diese modern anmutenden Forderungen verband er indes mit wütenden Ausfällen gegen alles, was er als nicht deutsch wahrnahm: „Haß alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“. Rassistisch polemisierte er gegen „Völkermischung“, „Blendlingsvölkern“ sprach er jegliches „volkstümliche Fortleben“ ab. Das Werk enthält auch vereinzelte antijüdische Aussagen. Jahn vertrat die Ansicht, Deutschland sei allen anderen Nationen überlegen und deshalb sei es seine Aufgabe, „die Erde als Heiland zu segnen und den Völkern Menschlichwerdungskeime einzupflanzen“. Deutschland müsse und könne eine größere Rolle in Europa einnehmen, wenn man sich auf die Einheit der „Deutschen“ besinne. Ihm schwebte ein „Großdeutschland“ vor, zu dem auch die Schweiz, Holland und Dänemark gehören würden. Hauptstadt solle die neue Stadt „Teutona“ werden, die in Thüringen gegründet werden solle, wo sich die Fernstraßen aus den dann „deutschen“ Grenzstädten Genf, Memel, Fiume, Kopenhagen, Dünkirchen und Sandomir treffen würden.

Entstehung der Idee des Turnens

Bevor Jahn 1803 von Greifswald nach Neubrandenburg kam und eine Hauslehrerstelle annahm, sind keine Quellen dafür bekannt, dass er sich mit der Idee des Turnens auch nur im Entferntesten befasst hätte. Dass er hier begann, mit den ihm anvertrauten Schülern und deren Freunden im Wald am Nordufer des Tollensesees körperliche Ertüchtigung durchzuführen, muss mit den Umständen des Ortes zusammenhängen. Man kann davon ausgehen, dass dort solche Neuerungen in der Erziehung der Jugend vor allem deshalb toleriert wurden, weil im Herzogtum Mecklenburg-Strelitz unter dem von den Theorien Rousseaus beeinflussten Herzog Karl II. eine relativ liberale Atmosphäre herrschte. Der eigentliche Propagandist in der Sache war jedoch der Pastor an der Neubrandenburger Marienkirche Franz Christian Boll. Der Theologe stellte bereits 1799 nach seiner Rückkehr vom Studium in Jena in den wöchentlich in Neustrelitz herausgegebenen „Nützlichen Beiträgen“ unter der Überschrift „Empfehlungen einiger Arten einfacher körperlicher Bewegungen“ fest, dass der Mangel an „Bewegung bei den mehrsten Menschen Schwäche, Krankheiten und einen früheren Tod zur Folge“ habe. Er schlug genau beschriebene gymnastische Übungen vor, die am besten beim Genuss der freien Luft und dem „erheiternden Anblick der Natur“ gelingen würden. Mit dieser sportlichen Betätigung sei bei der Jugend zu beginnen, wozu ein „fasslicher Unterricht über den Bau des Körpers“ notwendig wäre. Boll fand zu dieser Zeit keine Anhänger für seine Idee, zumal er selber nur die mäßige Bewegung bevorzugte. Erst der körperlich durchtrainierte und in Boxkämpfen bewährte Jahn konnte dieses Konzept umsetzen. Beeinflusst wurde Boll in seinen Ansichten durch Vorlesungen des Mediziners Christoph Wilhelm Hufeland in Jena über die Lebenskraft-Theorie und durch Johann Gottlieb Fichte, der in seinen Vorlesungen auf seine Studenten sittlich im umfassenden Sinne einwirken wollte: „Gesundheit der Seele – Gesundheit des Körpers – das ist die ausschließende Bedingung aller geistigen Entwicklung; aber es ist auch blos die Bedingung; die vorhandene Anlage muß gebraucht werden durch Selbstthätigkeit.“ So wurde Jahns Turn-Bewegung ursprünglich aus dem Geist des deutschen Idealismus geboren.

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