An diesem Tag

Friedrich Lenz (Unternehmer)

Deutscher Eisenbahnpionier

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Theodor Friedrich Carl Lenz (* 9. November 1846 in Pflugrade, Landkreis Naugard; † 19. August 1930 in der Meseritzer Mühle bei Semerow, Landkreis Schivelbein) war ein deutscher Unternehmer, der sich mit Bau und Betrieb von Eisenbahnen einen Namen machte. Neben dem Bau und Betrieb zahlreicher Klein- und Privatbahnen war Lenz auch am Bahnbau in den deutschen Kolonien beteiligt. Er war Gründungsmitglied vom gleichnamigen Unternehmen Lenz & Co., aus der sich die AG für Verkehrswesen entwickelte.

Friedrich Lenz entstammt einer pommerschen Familie. Sein Großvater erwarb nach seiner Teilnahme an den Befreiungskriegen gegen Napoleon eine Wirtschaft in Pflugrade. Friedrich Lenz wurde 1846 als einziger Sohn von Ferdinand Lenz (1825–1847) und Auguste, geb. Müller, in Pflugrade geboren. Sein Vater starb schon kurz nach seiner Geburt, Lenz bekam einen Erbteil von 1000 Talern, während sein Onkel Gottlieb Lenz den Bauernhof übernahm.

Friedrich Lenz besuchte zunächst die Dorfschule in Carlshof, danach die Bürgerschule in Gollnow. Dort konnte er die Sexta und Quinta in je sechs Monaten absolvieren, sodass Lenz ab 1862 das Marienstiftsgymnasium in Stettin besuchen konnte. In Stettin entstand eine Freundschaft mit dem Historiker Hugo Lemcke. Vor dem Wechsel in die Sekunda verließ Friedrich Lenz das Gymnasium und besuchte die Provinzial-Gewerbeschule in Stettin. Nach Abschluss der Gewerbeschule mit dem Abitur meldete sich Lenz als Einjährig-Freiwilliger für die Artillerie in Stettin im Deutsch-Dänischen Krieg, kam aber nicht mehr zum Einsatz. Seine restliche Zeit des Militärdiensts leistete er in Kolberg ab, wo Lenz auch seine spätere Frau Johanna, geb. Maager, kennenlernte.

Anschließend war Friedrich Lenz kurzzeitig bei verschiedenen Unternehmen angestellt um für den Hochschulabschluss als Privatbaumeister die notwendige Praxiserfahrung zu erhalten. Aus finanziellen Gründen kam er mit 20 Jahren in das Büro der Berlin-Stettiner Eisenbahn, wo er bis zum Kriegsbeginn 1870 des Deutsch-Französischen Kriegs blieb. Lenz wurde 1870 zur Artillerie eingezogen und nahm als Vizefeldwebel an mehreren Gefechten bei Metz teil. Er erhielt dafür das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse. Nach einem Sturz mit dem Pferd kam Lenz in ein Lazarett bei Gravelotte, er wurde zum Offizier befördert und war nach seiner Verletzung nicht wieder felddienstfähig.

Danach war er bei verschiedenen Bauarbeiten im Bereich Stettin tätig. Für den Tiefbauunternehmer und späteren Partner Feuerloh übernahm er Arbeiten an der Saalebahn, im Weiteren war das gemeinsame Unternehmen an anderen Bahnbauten in Thüringen beteiligt. Am 8. Oktober 1872 heiratete Friedrich Lenz seine Frau Johanna (* 1849), der Ehe entstammten drei Kinder. Paul Friedrich Carl Lenz (* 1873) war ebenfalls Bauunternehmer und Vorstandsmitglied bei Lenz & Co. und der Ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft in Königsberg, Otto Georg Lenz (* 1875) übernahm ein Gut in Klein Kiesow und Else (* 1877) heirate einen Direktor der Deutschen Kolonial-Eisenbahn Bau- und Betriebsgesellschaft. Das Ehepaar verlegte seinen Wohnsitz 1873 nach Stettin.

1876 gründete Friedrich Lenz sein eigenes Tiefbauunternehmen und war im Eisenbahnbau tätig. Die 1882 fertiggestellte Altdamm-Colberger Eisenbahn baute er als Generalunternehmer, dies war sein erster Großauftrag. Im Anschluss erstellte Lenz mehrere Bahnen in Mecklenburg-Schwerin, für die er nicht nur einen Teil der Baukosten aufbrachte, sondern auch die Betriebsführung und das Betriebsrisiko für die ersten Jahre übernahm. Bei der Finanzierung war die Bank Wm. Schlutow aus Schwerin maßgeblich. Da die Bank aber zu klein war, um alle Finanzierungen alleine zu tragen, kam dann die Berliner Handels-Gesellschaft mit Carl Fürstenberg hinzu. Über letztere kam Lenz Ende der 1880er-Jahre auch an Projekte in Ägypten. Ebenfalls war er an Planungen für eine Bahnstrecke in Siam beteiligt, die am Ende von Karl Bethge fertiggestellt wurde.

Die Verabschiedung des Preußischen Kleinbahngesetzes führte zu einem verstärkten Engagement in Deutschland, vor allem Pommern. Im Jahr 1892 gründete er zwei Tage nach der Gesetzesverkündung das Unternehmen Lenz & Co. GmbH in Stettin und war deren Geschäftsführer. Weitere Gründungen waren die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft 1893, die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft 1895 und die Badische Lokal-Eisenbahnen 1898. Am 4. Juni 1901 wurden die Beteiligungen an den zahlreichen, meist kleinen Eisenbahn-Aktiengesellschaften in der AG für Verkehrswesen zusammengefasst. Bis 1914 baute dieses Unternehmen rund 100 Eisenbahnen in ganz Preußen mit fast 5000 km Streckenlänge. Weil möglichst kostengünstig gebaut werden sollte, wurden Fahrzeuge und Bauten nach möglichst gleichen Plänen erstellt. Diese wurden später fälschlicherweise als Lenz’sche Normalien bezeichnet. Aufgrund der ähnlichen Projektierung und Beschaffung wurden die Anlagen und Fahrzeuge meist sehr ähnlich ausgeführt.

Seit 1903 engagierte sich Lenz ebenfalls beim Bau von Bahnen in den deutschen Kolonien in Afrika, zunächst in Deutsch-Ostafrika (Strecke Korogwe-Mombo, später bis Moshi erweitert, bekannt als Usambarabahn), seit 1904 in Togo (Strecken Lomé-Atakpame und Lomé-Palime), seit 1905 in Deutsch-Südwestafrika (Strecke Lüderitzbucht-Aus als Südteil der Bahnstrecke Windhoek–Nakop) und seit 1907 in Kamerun (Strecke Bonaberi–Nkongsamba, auch Nordbahn genannt). Hierzu gründete er die Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft (DKEBBG), die er als Tochtergesellschaft der AG für Verkehrswesen als deren Direktionsvorsitzender leitete. Insgesamt entstanden unter seiner Leitung in Afrika Bahnstrecken von fast 2000 km Länge, von denen die meisten (wie auch andere, nicht durch die DKEBBG gebaute Bahnen) auch von dieser betrieben wurden. Lenz war auch Mitbegründer der Kolonialen Bergbau-Gesellschaft.

Nach 1918 wendete sich die AG für Verkehrswesen vorwiegend dem Betrieb von Kleinbahnen zu und gründete dafür verschiedene Betriebsführungsgesellschaften. Friedrich Lenz beendete 1927 seine Tätigkeit in allen Funktionen, zuvor hatte Erich Lübbert die komplette Gesellschaftsstruktur durch Fusionen und Umstrukturierungen verändert.

Lenz war auch Stadtverordneter in Stettin und setzte sich unter anderem für die Einrichtung eines Freihafens ein. Zudem war er Aufsichtsratsmitglied bei der Stettiner Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft und der Lokomotivfabrik und Werft Vulcan in Stettin. Während des Ersten Weltkriegs verlegte er seinen Wohnsitz in die Meseritzer Mühle, wo er am 19. August 1930 starb.

Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin ernannte Lenz zum Geheimen Kommerzienrat.

Die Technische Hochschule Charlottenburg verlieh ihm die Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E.h.).

Henning Wall: Der Lenz-Konzern. Die GmbH Lenz & Co. und die Aktiengesellschaft für Verkehrswesen. Schweers + Wall, Aachen 2016, ISBN 978-3-89494-108-6.

um Gedächtnis an Geheimrat Friedrich Lenz. In: Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. 70. Jahrgang, Nr. 45, 6. November 1930, S. 1209.

Wolfram Bäumer: Vom alten Herrn Lenz bis zu den pommerschen Landesbahnen. In: Wolfram Bäumer, Siegfried Bufe (Hrsg.): Eisenbahnen in Pommern. Egglham / München 1988, ISBN 3-922138-34-9, S. 106–111.

Wolfram Bäumer, Wolf-Dietger Machel: Friedrich Lenz. Ein Pionier der Regionalisierung. Teil 1. In: Die Museums-Eisenbahn. Nr. 2, 1997, ISSN 0936-4609, S. 14–23 (museumseisenbahn.de [PDF; 4,2 MB; abgerufen am 23. Dezember 2025]).

Wolfram Bäumer, Wolf-Dietger Machel: Friedrich Lenz. Ein Pionier der Regionalisierung. Teil 2. In: Die Museums-Eisenbahn. Nr. 3, 1997, ISSN 0936-4609, S. 24–27 (museumseisenbahn.de [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 23. Dezember 2025]).

Rolf Löttgers: Lenz, Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 14. Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 222–223 (deutsche-biographie.de).

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