An diesem Tag

Friedrich Ladegast

Deutscher Orgelbaumeister

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Friedrich Ladegast (* 30. August 1818 in Hochhermsdorf; † 30. Juni 1905 in Weißenfels) war ein bedeutender deutscher Orgelbauer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Friedrich Ladegast wurde am 30. August 1818 als achtes Kind des Häuserbesitzers, Tischlers und Röhrenmeisters Johann Christlieb Ladegast und seiner Frau Eva Rosina, geb. Dathin, in Hochhermsdorf (heute Hermsdorf) in der Nähe der Stadt Geringswalde in Sachsen geboren.

Die Ladegasts waren keine traditionelle Musikerfamilie, doch kamen die Kinder durch das Musizieren im Familienkreis mit Musik in Berührung. Friedrichs Unterweisungen im Klavierspiel wurden später durch Unterricht an der Orgel ergänzt. In seinen späteren Jahren äußerte er gegenüber seinem Freund, dem Chemnitzer Organisten William Hepworth: „Ich bin, im Grunde genommen, ebenso musikalisch veranlagt wie du, nur daß Zeit und Verhältnisse mir nicht gestatten, meine diesbezüglichen Fähigkeiten auszubilden.“

Was Friedrich Ladegast letztlich bewegte, Orgelbauer zu werden, lässt sich heute nur vermuten. Neben der Tatsache, dass auch sein älterer Bruder Christlieb diesen Beruf wählte, wird wohl das Vorbild des berühmten Landsmanns Gottfried Silbermann, der 100 Jahre zuvor im etwa 50 km entfernten Freiberg wirkte, einen gewissen Einfluss auf die Brüder ausgeübt haben. Die Ladegasts kannten seit ihrer Kindheit dessen in unmittelbarer Nähe ihres Heimatdorfes befindlichen Werke in Rochlitz, Ringethal und Schweikershain.

Am 3. November 1850 heiratete Friedrich Ladegast die 24-jährige Johanne Rosette Bertha Lange (* 7. Mai 1826; † 6. Januar 1892). Die Tochter des Weißenfelser Stadtorganisten spielte auch Orgel. Die Ehe wurde mit zwölf Kindern gesegnet. Sieben der Kinder starben allerdings schon frühzeitig.

Seine erste Ausbildung als Orgelbauer erhielt Friedrich Ladegast in der Geringswalder Werkstatt seines Bruders. Sein Gesellenstück steht in der Ev.-luth. Kirche zu Tanneberg bei Mittweida.

In den anschließenden Jahren seiner Wanderschaft arbeitete er in verschiedenen Orgelbauwerkstätten Mitteldeutschlands (Kreutzbach in Borna, Mende in Leipzig und Zuberbier in Dessau). Spätere Studienreisen führten ihn u. a. auch ins Elsass, nach Süddeutschland und nach Frankreich. Im elsässischen Straßburg studierte Ladegast nach eigener Auskunft die frühen Werke Gottfried Silbermanns, jedoch nicht, wie in der Vergangenheit irrtümlich angenommen wurde, als Mitarbeiter der Werkstatt Martin Wetzels direkt im Anschluss an seine Gesellenzeit in den mitteldeutschen Orgelbauwerkstätten.

Auch die Annahme, dass Friedrich Ladegast bei einer seiner Reisen den berühmten französischen Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll persönlich kennen gelernt hat und einige Zeit bei diesem tätig war, erweist sich nach heutiger Erkenntnis als unzutreffend. Beide Orgelbauer brachten einander eine hohe Wertschätzung entgegen. So informierte sich Friedrich Ladegast vor dem Bau der großen Orgel für die Nikolaikirche zu Leipzig (1862) auf einer Studienreise über die technischen Anlagen in den großen Orgeln Cavaillé-Colls. Albert Schweitzer schreibt:

1846 beantragte Friedrich Ladegast in der Saalestadt Weißenfels die Niederlassung als Orgelbauer und Instrumentenmacher, die Anfang 1847 genehmigt wurde. Seiner kurz darauf im Weißenfelser Kreisblatt erschienenen Zeitungsanzeige ist folgendes zu entnehmen: „Daß ich mich als Orgelbauer und Instrumentmacher hier niedergelassen habe, zeige ich ergebenst an. Ich bitte um geneigtes Vertrauen, dessen ich mich stets durch strengste Reellität würdig machen werde. Weißenfels, den 5. Februar 1847.“

Eine entscheidende Rolle für den Entschluss, sich in Weißenfels niederzulassen, werden nicht nur die Protektion des Weißenfelser königlichen Musikdirektors Ernst J. Hentschel, sondern auch wirtschaftliche Faktoren gespielt haben. Weißenfels, unweit der großen Städte Leipzig und Halle gelegen, gehörte zu jenen mitteldeutschen Städten, die sich im Zuge der Industrialisierung rasant entwickelten. Die Eröffnung einer Eisenbahnstrecke nach Erfurt am 6. Juni 1846 brachte erhebliche Standortvorteile. Auch der Fluss Saale war zu jener Zeit noch schiffbar.

Wie man seinem Antrag auf Niederlassungserlaubnis entnimmt, kannte Ladegast bereits die Gegend, und zwar durch seinen Aufenthalt in Lützen bei der Reparatur der Kreutzbach-Orgel (1839) der dortigen Stadtkirche. Es gab im Umfeld keine weitere Orgelbauwerkstätte und somit wenig Konkurrenz. Darüber hinaus besaß die Stadt ein Lehrerseminar, das sich zu einem Zentrum der Lehrerausbildung in der preußischen Provinz entwickelt hatte. Seit 1822 stand das Institut unter der Leitung des berühmten Pädagogen Wilhelm Harnisch und wurde u. a. durch solche Persönlichkeiten wie Ernst J. Hentschel und Moritz Hill geprägt. Mit Hentschel, der auch Taufpate seiner Kinder war, verband Ladegast jahrelang eine freundschaftliche Beziehung.

Obwohl die wirtschaftlichen Aspekte vielversprechend waren, blieb die Auftragslage in den ersten Jahren schlecht. 1849 bekam Ladegast durch die Fürsprache von David Hermann Engel einen Auftrag für eine Orgel in der St.-Georg-Kirche zu Geusa bei Merseburg, der die weitere Zukunft des jungen Orgelbauers grundlegend änderte. Ladegast setzte alles auf eine Karte – sein Können, eigene Mittel, eigene Visionen – und gewann. Die ursprünglich als einmanualiges Werk geplante Orgel wurde über den Vertrag hinaus – auf Ladegasts eigene Kosten – um ein zweites Manual erweitert. Bei der Abnahme des Instruments geriet Engel in „höchstes Entzücken“ vom Klang, von der Auswahl des Materials, von der Qualität der Ausführung – all jener Aspekte, die Ladegast schon zu Lebzeiten Ruhm brachten und seine Orgeln noch heute auszeichnen. Im Jahre 1855 bekam Ladegast einen weiteren Auftrag für eine Orgel in der St.-Thomas-Kirche im Geusaer Ortsteil Blösien.

Neuaufträge und damit verbundener Erfolg folgten. 1850 erwarb Ladegast ein doppelstöckiges Haus in der Naumburger Straße, wo er seine Werkstatt einrichtete und in der im gleichen Jahr fünf neue Orgeln entstanden. Mit Ausnahme der Orgel in der Dorfkirche zu Albersroda (II/15) handelte es sich um einmanualige Werke mit 5 bis 10 Registern.

Ende 1851 bekam Ladegast einen Auftrag für den Neubau einer Orgel für die Stadtkirche St. Peter im 15 km entfernten Städtchen Hohenmölsen. Diese Orgel ist heute mit ihren 24 klingenden Registern sein größtes zweimanualiges Instrument, das – mit Ausnahme der Prospektpfeifen und der Windanlage – original erhalten blieb. Sie nimmt in seinem Schaffen eine besondere Stellung ein, nicht nur, weil sie der erste größere Auftrag war, sondern weil sie aufgrund ihrer klanglichen und bautechnischen Solidität eine Grundlage für die unmittelbar danach folgenden größeren Aufträge in Merseburg, Schulpforta, Leipzig usw. bildete.

Als die bis dahin mehrmals umgebaute sowie reparierte und dennoch unbefriedigend funktionierende Merseburger Domorgel 1853 erneut repariert werden musste, kam für den Domorganisten David Hermann Engel kein anderer als Ladegast in Frage. Aus einer geplanten Reparatur für 4.500 Taler wurde ein Neubau für 6.258 Taler. Unter Beibehaltung des Gehäuses der alten Orgel sowie von 26 ihrer Register, die, mit Ausnahme der Schalmey und des Stahlspiels, bis 1866 ebenfalls durch neue von Ladegast ersetzt wurden, stellte er ein Werk mit 81 Registern auf 4 Manualen und Pedal auf. Es wurde bereits während des Baus gesagt, „daß dieses Orgelwerk einen neuen Abschnitt in der Orgelbaukunst bezeichne, indem hier Dinge erreicht worden sind, die bisher an keiner anderen Orgel vorkommen“. Die Einweihung fand am 26. September 1855 statt. Diese im damaligen Deutschland größte Orgel brachte Ladegast viel Anerkennung und Ruhm und stellte ihn aus der Reihe kleinerer Orgelbauer heraus auf eine höhere Stufe. Das Werk wurde durch eine Reihe namhafter Intellektueller bewundert und inspirierte zum Beispiel Franz Liszt zu einigen seiner großen Orgelwerke. Dieser wollte sein Präludium und Fuge über B-A-C-H zur Orgelweihe komponieren, wurde aber nicht rechtzeitig fertig und schlug stattdessen sein umfangreiches Werk Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ zur Aufführung vor. Sein Schüler Alexander Winterberger spielte es in Liszts Anwesenheit als Uraufführung zur Orgelweihe, beide hatten gemeinsam die Registrierung eingerichtet.

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