Friedrich III., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen (* 18. Oktober 1831 im Neuen Palais in Potsdam; † 15. Juni 1888 ebenda), aus dem Haus Hohenzollern war in seinem Todesjahr, dem Dreikaiserjahr, nach 28 Jahre dauernder Kronprinzenzeit für 99 Tage König von Preußen und damit Deutscher Kaiser. Im Deutschen und im Deutsch-Französischen Krieg war er Armeeführer.
Friedrich kam am 18. Oktober 1831 als Sohn des Prinzen Wilhelm von Preußen und der Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach zur Welt. Kronprinz war zu diesem Zeitpunkt Wilhelms älterer Bruder, Friedrich Wilhelm. Dessen 1823 geschlossene Ehe mit Elisabeth Ludovika von Bayern war bis zu seiner Thronbesteigung 1840 kinderlos geblieben. Als König bestimmte Friedrich Wilhelm IV. seinen Bruder Wilhelm zu seinem Thronfolger unter dem Namen Prinz von Preußen. Infolgedessen stand Friedrich ab 1840 als der Sohn Wilhelms präsumtiv an der zweiten Stelle in der preußischen Thronfolge.
Die Ehe zwischen Wilhelm und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach war eine nicht glücklich verlaufende Vernunftehe. Wilhelm war ursprünglich in die polnische Prinzessin Elisa Radziwiłł verliebt. Da eine eheliche Verbindung mit der nicht als ebenbürtig geltenden Prinzessin aus Sicht des preußischen Königshofs eine dynastische und politische Mesalliance darstellte, untersagte Wilhelms Vater, Friedrich Wilhelm III., im Juni 1826 die Verbindung. Ohne seine emotionale Bindung an Elisa Radziwiłł aufzugeben, hielt Wilhelm unter Druck seines Vaters am 29. August 1828 schriftlich um die Hand der Prinzessin aus Weimar an.
Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach war die zweite Tochter des Großherzogs Carl Friedrich und der Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa, einer Schwester Zar Alexanders I. von Russland. Während ihr Vater ein schüchterner Mensch war, dessen bevorzugte Lektüre bis zum Ende seines Lebens Märchen blieben, nannte Johann Wolfgang von Goethe ihre Mutter „eine der besten und bedeutendsten Frauen ihrer Zeit“. Augusta selbst erhielt an dem als liberal geltenden Weimarer Hof eine umfassende Bildung, die darauf ausgerichtet war, später höfische Repräsentationspflichten wahrnehmen zu können. Wilhelm von Preußen dagegen fühlte sich vorwiegend dem Militär verpflichtet und stand liberalen und nationalen Neuerungen überwiegend skeptisch und ablehnend gegenüber.
Der Rufname des Kindes war Friedrich. Nach seiner Thronbesteigung ersetzte ihn Friedrich Wilhelm IV. durch den Doppelnamen Friedrich Wilhelm. Zu den ersten Erzieherinnen gehörte unter anderem Marie von Clausewitz, die Witwe des 1831 verstorbenen Militärtheoretikers Carl von Clausewitz. Förmlicheren Schulunterricht erhielt Friedrich Wilhelm ab seinem fünften Lebensjahr; die Erziehung erfolgte ab diesem Zeitpunkt ausschließlich durch Männer.
Von 1838 bis 1844 war der reformierte schweizerische Theologe Frédéric Godet Friedrich Wilhelms Zivilerzieher, der ihn und seinen Freund und Mitschüler Rudolf von Zastrow durch den Tag begleitete. Ab Oktober 1844 übernahm der Althistoriker Ernst Curtius das Amt des Zivilerziehers. Curtius wird nachgesagt, im preußischen Prinzen Begeisterung für Kunst und für das antike Griechenland und Rom geweckt zu haben. Zur Ausbildung gehörte entsprechend der Tradition des Hauses Hohenzollern neben Fechten, Reiten, Tanzen und Turnen auch die Vermittlung praktisch-handwerklicher Kenntnisse. Friedrich Wilhelm wurde in Tischlerei, Buchdruckerei und Buchbinderkunst unterrichtet. Schwerpunkt der Erziehung war jedoch die militärische Ausbildung. Verantwortlich dafür war bis 1849 Oberst Karl von Unruh. Bereits im Sommer 1844 nahm der 13-jährige Prinz an so genannten Kadettenmanövern teil, bei denen er und sein drei Jahre älterer Cousin Friedrich Karl jeweils an der Spitze eines „Heeres“ standen. Im Jahre 1846 folgte die erste Teilnahme an einem wirklichen Manöver, bei dem Friedrich Wilhelm Offiziere der 1. Garde-Division begleitete.
Zu den einschneidenden Erlebnissen der Jugendjahre Friedrich Wilhelms zählt die Märzrevolution 1848.
Die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. am 7. Juni 1840 war im liberalen und patriotischen Lager mit großen Erwartungen verknüpft gewesen, da er sich während seiner Kronprinzenzeit den Ruf eines modernen, aufgeschlossenen Menschen erworben hatte. Friedrich Wilhelm IV. weigerte sich jedoch, seinem Land eine Verfassung zu geben, und regierte weit konservativer, als seine Kronprinzenjahre hatten vermuten lassen. Den Vereinigten Landtag, den Friedrich Wilhelm IV. angesichts der am 22. April 1847 ausgebrochenen Hungerrevolte einberief und dessen Mitbestimmung sich auf finanzielle Fragen beschränkte, löste er schon wenige Monate später wieder auf.
Für die blutigen Auseinandersetzungen der Märzrevolution 1848, bei denen das Militär Kartätschen und Granaten gegen die Aufständischen einsetzte, machte die Öffentlichkeit den Vater des jungen Friedrich Wilhelm, den Prinzen von Preußen und Bruder von Friedrich Wilhelm IV., verantwortlich. Dieser, mittlerweile 51 Jahre alt, floh auf Bitten seines königlichen Bruders nach London. Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach zog sich mit Friedrich Wilhelm und seiner sieben Jahre jüngeren Schwester Luise nach Potsdam zurück. In liberalen Kreisen wurde ernsthaft die Idee diskutiert, ob das Königspaar nicht abdanken, der Prinz von Preußen auf den Thron verzichten und stattdessen Augusta, die „edle und freisinnige Fürstin“, die Regentschaft bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Friedrich Wilhelm übernehmen solle. Da die Briefe und Tagebücher jener Zeit später durch Augusta vernichtet wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar, ob Friedrich Wilhelms Mutter diesen Plan ernsthaft erwogen hat. Im Juni 1848 konnte der Vater, obwohl nun als „Kartätschenprinz“ verschrien, nach Preußen zurückkehren. Er war daher zugegen, als im September 1848 sein Sohn in der Schlosskapelle eingesegnet wurde. Wenige Monate später, am 3. Mai 1849, begann Prinz Friedrich Wilhelm seinen aktiven Militärdienst beim 1. Garderegiment zu Fuß.
Friedrich Wilhelm wurde nach Hohenzollernschem Hausgesetz mit 18 Jahren, am 18. Oktober 1849 großjährig. Der Geburtstag wurde in Schloss Babelsberg begangen und der Prinz sprach erstmals öffentlich vor Mitgliedern der königlichen Familie, den Abordnungen des Hofes, des Staatsministeriums, der Generalität und der städtischen Vertreter. Parallel wurde seine militärische Laufbahn unterbrochen, weil Friedrich Wilhelm – vermutlich auf Anregung seiner Mutter – in Bonn an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ein Universitätsstudium der Rechtswissenschaften aufnahm. Daneben hörte er Geschichte, Politik und Vorlesungen über das politische System in Großbritannien. Seine Eltern lebten in dieser Zeit in der Nähe. Der Vater, der Prinz von Preußen, war 1849 zum Generalgouverneur der Rheinprovinz ernannt worden und residierte im Koblenzer Schloss.
Friedrich Wilhelm war nicht der einzige hochadelige Student der Bonner Universität. Die 1818 von Friedrich Wilhelm III. gestiftete Universität war Anziehungspunkt vieler junger Fürstensöhne. Friedrich Wilhelm umgab sich überwiegend mit Angehörigen des Hochadels. Sein seit 1849 amtierender Militärerzieher Friedrich Leopold Fischer sorgte jedoch dafür, dass Friedrich Wilhelm zahlreiche Personen liberaler und nationaler Gesinnung kennenlernte. Unter seinen Professoren waren bekannte Nationalliberale wie Ernst Moritz Arndt und Friedrich Christoph Dahlmann. Der Hof seiner Eltern galt als Mittelpunkt der Wochenblattpartei. Sie empfingen in Koblenz zahlreiche Personen, die liberal oder konservativ-liberal dachten. Von ihrem Einfluss blieb auch ihr Sohn nicht unberührt.
Am 21. Januar 1851 befand sich Friedrich Wilhelm auf der Rückfahrt aus Berlin zu seinem Studienort. In Berlin hatte am 18. Januar 1851 die 150-Jahr-Feier der Erlangung der Königswürde durch Preußen stattgefunden. Der Prinz reiste ab Minden in einem Zug der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft in einem reservierten Abteil der ersten Wagenklasse, als die Lokomotive des Zuges entgleiste und mehrere Wagen mit sich riss. Drei Menschen starben. Der Prinz war unter den Verletzten. Es war einer der bis dahin schwersten Eisenbahnunfälle in Deutschland.